Vor dem Formel-1-Wochenende in Miami fragte sich Motorsport-Magazin.com, ob Isack Hadjar der erste Teamkollege von Max Verstappen ist, der nicht am vierfachen Weltmeister verzweifeln wird. Nach dem Qualifying in Miami zeigen sich die ersten Risse in seiner Rüstung. Über acht Zehntel gab Verstappen dem jungen Red-Bull-Fahrer mit, so groß war der Abstand zwischen ihnen in einem Qualifying vor Miami noch nie.
"Das Auto war schwer zu fahren, aber sehr schnell. Ich brachte in Q3 einfach nicht alles zusammen. Ich habe viel Rundenzeit liegen gelassen", lamentierte Hadjar. Seine größte Problemstelle war Kurve eins: "Ich konnte sie nicht richtig angreifen, das hat mich auch in Kurve zwei und drei eingeschränkt. Meine Reifen sind überhitzt und dafür habe ich den Preis gezahlt." Er habe auch Probleme mit der Fahrbarkeit, den niedrigen Grip-Bedingungen und der hohen Streckentemperatur gehabt.
Außerdem fehlt Hadjar eine gute Menge an Top-Speed. Wie die Bullen schon am Freitag verrieten, gibt es ein Problem mit der Drehzahlmomentabgabe bei seiner Power Unit. Eine einfache Lösung dafür gebe es nicht. Das Team wisse nicht einmal genau, was das Problem ist. "Wenn wir es wüssten, dann würde es nicht passieren. Aber wir wissen es nicht. Es ist außerhalb meiner Kontrolle", erklärte Hadjar. Die Situation wird dadurch erschwert, dass in seinem RB22 bereits der zweite von maximal vier erlaubten Verbrennungsmotoren und die zweite von drei erlaubten MGU-Ks verbaut ist.
Wird Isack Hadjar jetzt Opfer des "Verstappen-Fluchs"?
Damit muss sich nur eine Garagenseite bei Red Bull herumschlagen, wie das Ergebnis am Samstag zeigte. Max Verstappen holte sich mit 0,166 Sekunden Rückstand auf Kimi Antonelli den zweiten Startplatz. Dass ein Red Bull in dieser Saison vor beiden Ferraris und McLarens ins Rennen geht, ist eine kleine Sensation, denkt man an die letzten drei Rennen. Hadjar reiht sich für den Großen Preis von Miami auf Platz neun ein.
Das sieht verdächtig nach dem Bild aus, das wir die letzten Jahre über bei Red Bull sahen. Verstappen kämpft vorne um den Sieg, während sich seine Teamkollegen im Mittelfeld herumschlagen. Davon blieb Hadjar bisher verschont, weil Verstappen selbst nicht nach vorne kam und der Franzose sich wacker schlug. Aber der rundum erneuerte RB22 scheint die nötige Veränderung für Verstappen gebracht zu haben.
Schon im Sprint-Qualifying zeichnete sich eine Verschärfung des Kräfteverhältnisses ab. Am Freitag kam Verstappen zwar nur auf P5, Hadjar wieder auf P9, doch der zeitliche Unterschied betrug eine ganze Sekunde. Kommt der Vierfach-Weltmeister jetzt erst wieder richtig in Fahrt und Hadjar muss sich darauf einstellen, vom "Verstappen-Fluch" geholt zu werden?
Hadjar: Ich habe es nicht so sauber hinbekommen wie Max
Anders als einige seiner Vorgänger weiß Hadjar genau, wer auf der anderen Seite seiner Garage ist. "Max ist sehr gut darin, sich auf die Konditionen hier einzustellen. Er war viel besser als ich, alles für eine gute Runde zusammenzubringen. Er hat eine unglaubliche Arbeit geleistet", versteckte sich Hadjar nicht in Illusionen.
Er nahm die vernichtende Diskrepanz zwischen ihm und Verstappen als Motivation: "Nach dem Sprint-Qualifying wusste ich, dass ich mich richtig reinknien musste. Die Hälfte der [auf Verstappen verlorenen, Anm. d. Red.] Rundenzeit lag an mir, die andere Hälfte am Motor. Und wenn ich mir die Daten heute ansehe, dann bin ich zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. Ich habe mein Fahren verbessert und einen richtig großen Fortschritt in allen Kurven gemacht." Das einzige Manko bleibt: "Ich habe es einfach nicht so sauber hinbekommen wie er."
Sicher ist Hadjars 9. Startplatz aber nicht. Um 02:25 Uhr unserer Zeit gab die FIA bekannt, dass gegen ihn untersucht. Bei der technischen Prüfung nach dem Qualifying wurde festgestellt, dass die Floor Boards an Hadjars Boliden 2 mm aus dem vorgeschrieben Referenzrahmen hinausstanden. Das ist ein klarer Verstoß gegen das Technische Reglement und damit eigentlich eine fixe Disqualifikation. Damit müsste er vom Ende des Felds ins Rennen gehen. Die Stewards haben Hadjar um 13:00 Uhr unserer Zeit zu sich zitiert, das endgültige Ergebnis bekommen wir also erst dann.



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