Seit Tagen ging in der Formel 1 das Gewittergespenst um. Wettervorhersagen gingen davon aus, dass ausgerechnet kurz vor oder pünktlich zum Rennstart eine Schlechtwetter-Front die Strecke in Miami treffen würde. Von starken Regenfällen war die Rede, manche Prognosen sprachen von einem wahren Sturm. Ob unter diesen Bedingungen ein Rennstart möglich wäre, erschien höchst zweifelhaft.

Erst recht, da die Königsklasse mit der neuen F1-Generation noch nie in einer offiziellen Session unter Regen gefahren war. Einzelne Teams hatten bereits bei feuchten Bedingungen Reifentests absolviert oder einen verregneten Tag beim Shakedown in Barcelona im Januar genutzt, aber das deckt nicht alle ab. Auch am Vorabend des Miami-Rennens haben sich die Prognosen praktisch nicht geändert.

Verschiebung: Formel-1-Rennstart früher als geplant

Die FIA, die Formel 1 und die Verantwortlichen des Miami-GPs trafen sich deshalb am Samstag proaktiv zu Gesprächen und kamen zum Entschluss, dass es die sicherste Variante ist, den Rennstart kurzerhand nach vorne zu verlegen. Wie sie in einer gemeinsamen Bekanntgabe verkündeten, wird das Rennen auf dem Miami International Autodrome drei Stunden früher über die Bühne gehen als geplant.

In diesem Statement heißt es: "Nach Gesprächen zwischen der FIA, der FOM (Formula One Management) und dem Veranstalter in Miami wurde beschlossen, den Start des Grand Prix von Miami am Sonntag auf 13:00 Uhr Ortszeit in Miami vorzuverlegen, da die Wettervorhersage für den späten Nachmittag, kurz vor dem ursprünglich geplanten Rennstart, stärkere Regenfälle ankündigt."

"Diese Entscheidung wurde getroffen, um die Beeinträchtigungen für das Rennen so gering wie möglich zu halten, ein möglichst großes Zeitfenster für die Durchführung des Grand Prix unter optimalen Bedingungen zu gewährleisten und der Sicherheit der Fahrer, Fans, Teams und Mitarbeiter Vorrang einzuräumen", heißt es weiter.

Umgerechnet auf die mitteleuropäische Sommerzeit bedeutet das, dass der Rennstart um 19 Uhr erfolgt. Ursprünglich war 22 Uhr geplant gewesen. Einen kompletten Grand Prix am Vorabend zu verschieben, hat natürlich enorme organisatorische Auswirkungen vor allem auf die TV-Stationen für die Rennübertragung, aber für die Formel 1 ist das immer noch die bevorzugte Variante gegenüber dem Risiko, das Rennen komplett absagen zu müssen.

Dabei geht es nicht nur um den Regen an sich, sondern auch um potenzielle Gewitter. Im Falle von Blitzeinschlägen im Umfeld der Strecke wäre ein sofortiger Abbruch notwendig, damit sich die Streckenposten und die Zuschauer in Sicherheit bringen können. Vor allem in den USA ist das ein heikles Thema bei Sport-Veranstaltungen. 2012 verstarb nach einem Blitzeinschlag im Rahmen eines abgebrochenen NASCAR-Rennens auf dem Pocono Raceway ein Zuschauer, neun weitere wurden damals verletzt.

Es ist nicht das erste Mal in der modernen Formel 1, dass ein Rennen aufgrund der Wetterprognose vorverlegt wird. 2024 wurde beim Brasilien-GP ebenfalls aufgrund eines drohenden extremen Regenschauers der Zeitplan komplett über den Haufen geworfen. Das Qualifying, welches bereits am Samstag abgesagt werden musste, wurde am Sonntagvormittag ausgefahren und das Rennen, wie auch jetzt, mehrere Stunden vorverlegt.

Parc Ferme zum Teil offen: Neue Regeln im Einsatz

Auch mit der Vorverlegung ist Regen beim Formel-1-Rennen in Miami alles andere als ausgeschlossen. Am Vormittag und zu Mittag sind laut verschiedenen Wetterberichten Regenschauer möglich, allerdings sollen diese bei Weitem nicht so intensiv sein und nicht so flächendeckend ausfallen wie jene später am Nachmittag.

Bereits am Samstag wurde vor dem Start des Qualifyings von der FIA offiziell eine Regenwarnung für das Rennen ausgegeben. Die Schwelle dafür ist, dass für die geplante Startzeit eine Regenwahrscheinlichkeit von über 40 Prozent gilt. Das führt dazu, dass Parc Ferme teilweise geöffnet wird.

Die Teams dürfen zwischen Qualifying und Rennen die Fahrzeughöhe anpassen und sie dürfen an der Winkelstellung für die Öffnung des Frontflügel-Flaps Hand anlegen. Sollte während des Rennens Regen einsetzen und die Rennleitung die Strecke als "geringe Grip-Bedingungen" einstufen, dann hätte das weitere Folgen. Der Boost-Knopf würde deaktiviert werden und das MGU-K-Deployment würde auf 250 Kilowatt beschränkt werden (normalerweise sind es 350 KW). Außerdem würde der Straight-Mode nur für den Frontflügel in Anwendung kommen und dürfte nur in kürzeren Zonen eingesetzt werden.

Mit der Vorverlegung des Formel-1-Rennens in Miami muss natürlich auch das Rahmenprogramm neu eingeplant werden. Vor allen Dingen das Hauptrennen der Formel 2. Der Sonntags-Lauf im Unterhaus der Königsklasse findet ebenfalls früher statt und geht ab 09:25 Uhr Ortszeit über die Bühne. Also 15:25 Uhr unserer Zeit (MESZ).