In zwei Tagen Wettbewerb hat die Formel 1 bisher keinen einzigen Tropfen Regen in Spa-Francorchamps gesehen. Ob sich das heute im Rennen ändert? Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach, und scheint auch Teams zu spalten. Und fest steht für den Favoritencheck: Das Wetter kann das Ergebnis heute so stark beeinflussen wie vielleicht schon lange nicht.
Die bisherigen Regen-Rennen der Saison 2025 waren jedenfalls McLaren-Domäne. Australien, Miami-Sprint, Silverstone - alles dominante Vorstellungen von Lando Norris und Oscar Piastri, die auch heute in der Startaufstellung ganz vorne stehen. Charles Leclerc und Max Verstappen dahinter haben dafür völlig unterschiedliche Vorstellungen vom Wetterbericht.
Wetter-Frage heute in Spa: Kommt im Rennen Regen oder nicht?
So müssen wir für den Favoritencheck zuerst einmal die Wetterprognose angehen. Die ist, nun ja, unklar. Mehrere Wetterdienste geben am Samstagabend 50 Prozent Regenwahrscheinlichkeit für den Nachmittag zum Besten. Die Angelegenheit kommt also einem Münzwurf gleich.
Für den theoretischen Fall, dass es im Rennen gar nicht regnet, wäre die Strategie eine spannende Angelegenheit. Pirelli übersprang mit der Reifenwahl 2025 hier eine Mischung und lieferte C1, C3 und C4. Der Hard gilt als zu langsam und daher bei kühlem Wetter als eher nutzlos. Die Simulationen empfehlen Soft und Medium in irgendeiner Variation von einem oder zwei Stopps. "Jede Kombination von Soft und Medium ist möglich", meint Pirelli-Sportchef Mario Isola.
Die Regen-Gefahr zwingt dringende Setup-Fragen auf. Mehr Abtrieb sollte helfen. Der in Silverstone kreuz und quer rutschende Verstappen hat erst vor kurzem gezeigt, wo das Risiko eines Low-Downforce-Setups liegt. Prompt wechselte Red Bull am Samstag vor dem Qualifying auf einen größeren Heckflügel. McLaren addierte nur einen kleinen Gurney auf dem Low-Downforce-Flügel. Ferrari scheint relativ zu Freitag zumindest auf Aerodynamik-Seite gar nichts geändert zu haben. Mercedes hat sogar noch Abtrieb weggenommen. Die komplette Flügel-Analyse gibt es hier:
McLaren spielt cool - oder bluffen die Spa-Favoriten?
Auf McLaren-Seite sieht man die Not nicht, den Abtrieb zu erhöhen. Zum einen ist der MCL39 auch in seiner Low-Downforce-Konfiguration nicht so schlüpfrig wie der RB21. Das Team wirkt am Samstagabend im Angesicht des Wetters völlig ruhig und hat bis auf den Gurney nichts verändert. "Du agierst normal nur mit dem Frontflügel", meint Teamchef Andrea Stella. "Es ist nicht offensichtlich, dass du etwa das Auto mechanisch weicher machen musst oder die Höhe anpassen, wie in der Vergangenheit."
Tatsächlich sehen die meisten McLaren bei Mischbedingungen als haushohe Favoriten. Der Reifenmanagement-Vorteil des Autos tritt mit den weichen Intermediates auf einer nur feuchten Strecke noch deutlicher zutage. Deshalb fuhren Norris und Piastri in Silverstone und Australien dem Feld bei solchen Bedingungen teils um über eine Sekunde pro Runde davon.
Wenn es am Start trocken wäre, dann ist McLaren noch immer Favorit - hat aber das gleiche Problem wie im Sprint. Hinter ihnen steht ein Fahrer mit weniger Abtrieb. Im Trockenen ist das ein großer Vorteil, weil nach La Source 18 Sekunden Vollgas den Berg hoch bis zu Les Combes folgen. Viel Windschatten, viel Überschuss, dann ein Überholmanöver. Und dann steckt man fest, weil Überholen gar nicht einmal so einfach ist.
Ferrari im Trockenen Gefahr für McLaren - im Regen Gefahr für den Fahrer?
Der drittplatzierte Charles Leclerc ist im Rennen das Problem. "Wir wissen, dass wir für die erste Runde exponiert sein werden", gesteht Stella. "Es würde mich nicht überraschen, wenn Leclerc die Gruppe nach der ersten Runde sogar anführt." Ferrari arbeitet in Spa zwar viel am Setup, um eine neue Hinterachse zum Arbeiten zu bringen. Für den Regen hat man aber überhaupt nichts adaptiert.
Der Ferrari zeigte in diesem Jahr gelegentlich schon gute Rennpace. In Spa schien die im Sprint jedoch eher mittelmäßig. "Lando hat heute bewiesen, dass du mit ausreichend Pace-Vorteil, wie gegen Ferrari, überholen kannst", sieht Stella die Gefahr hier nicht dramatisch. Doch um noch einmal auf die Hinterachse zurückzukommen. Hier änderte das Team bis zum Qualifying Details, damit wurde das Auto auf eine Runde schneller. Es ist nur unklar, was das für das Rennen bedeutet.
Mit der Wahl des Low-Downforce-Setups zeigt Leclerc indessen schon eine gewisse Resignation. Ein Eingeständnis, dass es sowieso nichts wird, wenn es regnet: "Wir haben am letzten Wochenende darüber gesprochen. Das ist im Moment keine Stärke unseres Autos." Die Kombination Regen, Ferrari und Leclerc produzierte in der Vergangenheit eine Reihe an teils horrenden Ergebnissen. Mehr dazu gibt es hier:
Red Bull baut auf Weltuntergang: Ist Max Verstappen sonst völlig verloren?
Die inverse Lage tritt bei Red Bull auf. Irgendwie scheint die Wahl des größeren Heckflügels schon ein Eingeständnis zu sein, dass man im Trockenen mit McLaren nicht mithalten kann. Klar, Verstappen gewann dank des kleineren Flügels den Sprint. Der aber ging nur über 15 Runden. Die 44 Runden GP-Distanz mit Strategie und Reifen-Management sind eine andere Geschichte.
"Sobald du Strategie und Reifen-Unterschiede mit reinnimmst, besonders mit dem Sprung von C1 auf C3 und C4, erwarte ich mehr Racing, wenn es trocken wäre", kündigt etwa Lando Norris an. Die Frage, die sich bei Red Bull stellt: Wie viel Regen braucht Max Verstappen eigentlich, um wettbewerbsfähig zu sein?
Denn wie bereits angesprochen ist der McLaren eine Macht bei Mischbedingungen. Und nur wegen einem größeren Heckflügel muss das Red Bull da beim Reifenmanagement nicht helfen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. In Silverstone hatte das Team etwa den kleineren Heckflügel nur montiert, weil man daran scheiterte, den RB21 mit dem größeren Flügel über verschiedene Kurventypen auszubalancieren.
Als Verstappen den größeren Flügel in Spa im Qualifying fuhr, kehrte dieses Problem zurück: "Ich dachte, es würde dem Handling helfen und nur etwas mehr Luftwiderstand haben. Aber das kam nicht. Ich hatte einfach mehr Luftwiderstand, aber die Balance hat nicht gepasst." Das würde bei Mischbedingungen sogar den Verschleiß verschlimmern. Verstappen braucht also richtig Regen - so viel wie möglich.
Wie lange die Formel 1 bei richtigem Regen aber fahren würde, das ist eine andere Geschichte. Spa 2021 fuhr sie gar nicht. Das berüchtigte Rennen ist sinnbildend: Zu viel Gischt ruiniert bei Starkregen sofort die Sicht und erzwingt Safety Cars oder Abbrüche. Chaos ist definitiv das, was alle Fahrer hinter den Top-4 heute brauchen werden, um zu siegen.



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