Als eines der schwierigsten Rennen seiner Formel-1-Karriere bezeichnete Charles Leclerc vor einer Woche einen grauenvollen 14. Platz im verregneten Silverstone. Doch irgendwas klingelt da im Kopf - Leclerc und Regen? Die ersten Erinnerungen scheinen immer negativ zu sein. Nicht nur Silverstone. Im sechsten F1-Jahr stellt sich zwangsweise langsam eine Frage: Team, Auto oder Fahrer?
In Silverstone lässt sich zuletzt schließlich einmal schwerlich abstreiten, dass Leclerc der Hauptverantwortliche war. Strategische Fehlentscheidungen trug er mit, und fahrerisch lieferte er mit Ausritten keine Glanzleistung ab. 44 Sekunden kam er hinter dem viertplatzierten Lewis Hamilton ins Ziel.
Hamiltons Rennen dient allerdings auch als spannende Gegenfrage: Kann es nur das Auto sein? Hamilton, der auf dieser Strecke einst mit 1:08 Minuten Vorsprung im Regen gewann, beklagte nach dem Rennen, der SF-25 sei "das schwierigste Auto", dass er je in Silverstone im Regen gefahren sein. Dass Ferraris Ground-Effect-Autos im Nassen nicht gut sind, ist seit Jahren ein Thema.
Ferrari vs. Leclerc: Die Regen-Bilanz in der Statistik
2023 war das ein besonders kritisches Thema gewesen. Leclerc hatte sich in einer Reihe an verregneten Qualifyings blamiert, inklusive eines Starts aus der letzten Reihe in Barcelona. Team und Fahrer schoben es damals auf ein spezifisches Problem in Mischbedingungen. Das wollten sie im Laufe des Sommers gelöst haben.
Die Bilanz von Ferrari bei nicht trockenen Bedingungen seit 2023 liest sich dennoch schlecht. In Wettbewerbssessions (Sprint, Sprint-Qualifying, Qualifying, Rennen) konnten Ferrari-Fahrer seitdem nur 13 Top-5-Ergebnisse einfahren, eine ernüchternde Quote von 34 Prozent. 40 Prozent von Ferraris Regen-Ergebnissen seit 2023 waren punktelose Zielankünfte oder Ausfälle. Für ein Top-Team sind das keine guten Zahlen.
| im Regen | ab 2023 | in % |
|---|---|---|
| Top-5 | 20 | 41 % |
| P6-P10 | 12 | 24 % |
| P11 oder schlechter | 9 | 18 % |
| DNF/DNS | 8 | 16 % |
Die Statistiken beginnen aber beim internen Vergleich der Fahrer sehr schnell Auffälligkeiten in den Vordergrund zu drängen. So war Leclerc 2019 und 2020 eigentlich dafür bekannt, seinen ersten Ferrari-Kollegen Sebastian Vettel im Griff zu haben. Nicht aber im Regen: In 5 nassen Wettbewerbs-Sessions unterlag Leclerc Vettel 0 zu 5. In Hockenheim warf er das Auto ganz weg, nur im Rennen in der Türkei schaffte er es in die Top-5.
Charles Leclerc im Regen: Schlechte Rennen & schlechte Entscheidungen
Es ist kein Effekt eines jungen Leclerc mit mangelnder F1-Erfahrung. In seiner bisherigen Karriere-Abrechnung hat er in 39 Regen-Sessions nur 13 Top-5-Ergebnisse eingefahren. Seine Teamkollegen haben 21. 14-mal lag Leclerc außerhalb der Top-10, 4 Ausfälle verzeichnete er, und 2025 im Miami-Sprint kam er nicht einmal bis zur Startaufstellung.
| im Regen seit 2019 | Leclerc | VET/SAI/HAM |
|---|---|---|
| Top-5 | 13 | 21 |
| P6-P10 | 7 | 8 |
| P11 oder schlechter | 14 | 5 |
| DNF/DNS | 5 | 5 |
Natürlich - nicht alles davon ist Leclercs Schuld, mag der Einwurf jetzt kommen. Ferraris strategische Fehlgriffe sind gut bekannt. Man nenne als Beispiel bloß Monaco 2022, als sie daran scheiterten, die Reifenwechsel von Leclerc und Sainz abzustimmen, und Leclerc um einen verdienten Regen-Sieg brachten. Doch es ist nicht so, dass Ferraris Strategen beim Anblick eines Wassertropfens sofort den Kopf verlieren.

Eher muss sich Leclerc so manche Fehlentscheidung selbst aufbürden. Er gehört zu jenen Piloten im Feld, die etwas zu gerne zocken, wenn der Regen kommt. Oftmals weil er glaubt, mit einem unterlegenen Ferrari nur so Siegchancen zu haben. Für seine Slick-Calls in den letzten beiden Silverstone-Regenrennen muss er sich etwa selbst mindestens Mitverantwortung aufbürden.
Letztendlich spricht die Gesamt-Bilanz dann nicht für Leclerc. Selbst wenn man Rennen und Qualifyings aus der Gleichung nimmt, in denen es zweifelsohne ein Team-Patzer war, so bleibt Leclercs Regen-Vergleich mit seinen Teamkollegen mit 12 zu 19 immer noch ein schlechter. Nicht vergessen - das ist ein Fahrer, der gesamtheitlich sonst 6 von 7 F1-Saisons vor seinem Teamkollegen beendet hat und im Qualifying 108 zu 53 vorne liegt.

Regen-Schwäche von Charles Leclerc: Mit Fahrstil hausgemacht?
Woran kann diese Regenschwäche also liegen? Leclerc hatte schon zu Saisonbeginn erneut das Auto hervorgehoben. Dass Lewis Hamilton in seinen bisherigen Regen-Auftritten kein gutes Haar am SF-25 ließ, scheint Leclercs Argumente zu untermauern. Aber an der Stelle sei auch Leclercs Setup-Philosophie genannt. Er will unter allen Umständen eine bissige Vorderachse und ist bekannt für seine Bereitschaft, das mit extrem aggressiven Setups herbeizuführen.
Das sich daraus oft zwangsweise ergebende instabile Heck kann Leclerc am Limit in trockenen Qualifyings wie kaum ein anderer kontrollieren und in Rundenzeit ummünzen. Doch wenn das Gripniveau nässebedingt fällt, könnte diese Basis-Instabilität eine Grenze überschreiten.
2023 und 2025 ging Leclerc sogar bis zum absoluten Limit des Fahrbaren, weil es in seinen Augen der einzige Weg war, um mit schwachen Autos gute Rundenzeiten zu erzielen. In Silverstone gestand er auch erneut: "Mein derzeitiges Setup ist sehr extrem, vielleicht ist es das." Dass seine persönliche Setup-Philosophie ihn im Regen zurückhält, erscheint da nur ein naheliegender Verdacht.



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