Seit Wochen zittert die Formel 1 vor dem ersten Regenrennen der neuen Regeln 2026. In Miami ist sie ihm wie durch ein Wunder entgangen. Heute in Kanada scheint die Panik infolgedessen nur noch weiter anzuwachsen. Wenn es wirklich nass sein sollte, dann geht der Großteil des Fahrerfeldes in Montreal diesmal aus mehreren Gründen von der Mutter aller Chaos-GPs aus.

Das Thema Regen ist seit den ersten Tests im Nassen noch zu Jahresbeginn in Barcelona heiß diskutiert. Zwei Hauptfaktoren spielen für die Fahrer mit hinein. Zum einen die neuen Hybrid-Motoren in ihrer unberechenbar inkonstanten Natur. Zum anderen die bei allen Tests sehr schlecht wegkommende Regen-Reifenpalette von Pirelli.

Formel-1-Fahrer verzweifeln an 2026er-Regen-Pirellis

Besonders die Reifen tun sich in Kanada besonders als Krisenthema hervor. Nicht, dass sie es nicht schon davor gewesen waren. Fahrer klagen schon seit sie mit umgebauten Testträgern der Ground-Effect-Generation im letzten Jahr die 2026er-Prototypen testeten. "Kein sehr gutes Gefühl, ein paar Mal im Kies und kaputtes Auto", erinnert sich Pole-Mann George Russell. Die ersten Regen-Tests mit den echten 2026er-Autos hat die Meinung keinen Deut besser gemacht.

Das Problem ist der schon seit Jahren vorherrschende Wunsch, die Heizdecken-Temperaturen zu senken oder die Heizdecken im Regen komplett loszuwerden. Die dabei herausgekommenen Produkte scheinen massiv Probleme damit zu haben, ins Arbeitsfenster zu kommen beziehungsweise dort zu bleiben. Nach einem großen Regen-Test von Ferrari auf der Hausstrecke Fiorano überzeugten die Fahrer angeführt von äußerst negativem Feedback von Lewis Hamilton die FIA, die Heizdecken-Temperaturen bei Intermediates wieder anzuheben.

Reifen-Alarmstimmung vor Formel-1-Rennen in Kanada

"Aber es reicht immer noch nicht", unkt Hamilton am Samstagabend in Kanada. Erst recht in Kanada, wo für den Sonntag nicht nur Regen vorhergesagt ist. Es soll nur knapp über 10 Grad Celsius haben. Die Strecke und der Asphalt machen es sowieso im Trockenen schon schwer, Reifen anzuwärmen. Und auf den langen Geraden kühlen sie hier dann auch noch sofort wieder aus.

"Es war im Trockenen schon hart genug, die Reifen zum Arbeiten zu bekommen", meint Max Verstappen. Sein Teamkollege Isack Hadjar wird dramatisch: "Es wird ein Witz. Unfahrbar im Regen, das gibt ein Gemetzel."

Selbst Sicherheitsmaßnahmen könnten dadurch in Verstappens Augen gefährlich werden: "Wenn was passiert, dann willst du eigentlich kein Safety Car. Du willst ein Virtuelles Safety Car, damit du an manchen Stellen noch das Tempo hoch halten kannst."

Probleme mit neuen Formel-1-Power-Units ergänzen Regen-Albtraum

Das Problembild wird durch die neuen Power Units unschön abgerundet. "Diese Power Units mögen es nicht, wenn wir inkonstant fahren, und im Regen ist es praktisch nicht möglich, konstant zu fahren", erklärt Oscar Piastri. "Wir haben in Miami viel Vorbereitungsarbeit geleistet, und unsere Schlussfolgerung war, dass wir uns nicht sicher sind, was passieren wird."

"Wir wissen, der Energie-Einsatz dieser Autos ist etwas beliebig, das Getriebe ist für alle hart, und im Nassen wird es eine Herausforderung für alle sein, das Rennen überhaupt zu beenden", glaubt Fernando Alonso. Vorfreude verspürt kaum jemand, wie Lando Norris darlegt: "Es könnte viel Chaos geben, aber ganz ehrlich, ich mache hier nicht für das Chaos mit."

Das Thema wurde zwar in Kanada erneut im Fahrerbriefing besprochen, aber da niemand so recht weiß, was passieren wird, gibt es auch keine weiteren konkreten Maßnahmen. "Ich bitte nur euch, die Medien und Fans, dass ihr nicht zu viel Druck macht", sagt der Präsident der Fahrer-Gewerkschaft Carlos Sainz. "Es ist das erste Mal mit diesen Regeln im Regen, mit den Geschwindigkeitsunterschieden, seid nicht überrascht, wenn die FIA auf Nummer sicher geht."

Schon vor Wochen und Monaten hat die FIA generell versucht vorzusorgen. Das Flachstellen des Heckflügels ist im Regen nicht erlaubt, und mit dem letzten Regel-Update wurde auch die maximale Leistung der Batterie begrenzt, sobald die Rennleitung offiziell niedrige Grip-Bedingungen ausruft. Außerdem öffnet sich zum Teil Parc Ferme, um, Setup-Änderungen zu ermöglichen.

Kommt der Regen heute in Kanada wirklich?

Aber kommt der Regen? Panik wurde wie gesagt schon zuletzt in Miami geschoben. Kein Tropfen war dann im Rennen zu sehen gewesen. Die Prognosen schwanken am Samstagabend noch irgendwo im Bereich bei 50 Prozent zum Rennstart, nachdem es am Vormittag definitiv noch nass sein soll.

Einige Teams haben schon vorgegriffen. Mercedes baute aktiv das Setup in Richtung kühl und nass um und glaubt auch deshalb im Qualifying am Samstag relativ zur Konkurrenz Zeit verloren zu haben. Dass George Russell und Kimi Antonelli dennoch aus der ersten Startreihe losfahren sagt alles darüber, wer in diesem Rennen (ohne Chaos) klarer Favorit ist.

Norris und Piastri folgen wie im Sprint dahinter, dann teilen sich Lewis Hamilton, Max Verstappen, Isack Hadjar und Charles Leclerc die letzten Plätze auf. Hamilton hofft trotz allem Frust über die Reifen auf Regen: "Um eine Chance haben, mit den Jungs vor uns zu kämpfen." Ferrari und Red Bull fuhren schließlich schon mit ihren 2026er-Autos Regentests. Mercedes und McLaren nicht.