Vor etwas mehr als zwei Wochen teilten die Formel 1 und die FIA mit, dass man eine grundsätzliche Einigung erzielt habe, die Motorregeln für das kommende Jahr zugunsten einer höheren Benzindurchflussmenge und dadurch eines höheren Verbrenner-Anteils zu ändern. Der finale Beschluss stand und steht aber noch nicht, und auch die technischen Details sind noch nicht ausgearbeitet.

Rund um das F1-Wochenende in Kanada zeichnete sich immer mehr das Bild ab, dass diese Einigung alles andere als fix ist. Nach wie vor gibt es Gegenwind gegen die Abkehr von den als 50/50-Motoren bezeichneten Antrieben und es halten sich Zweifel daran, ob eine derart tiefgreifende Änderung an den Formel-1-PUs überhaupt bis 2027 durchführbar ist.

Max Verstappen hält aktuelle Formel-1-Motoren mental nicht noch ein ganzes Jahr aus

Für Max Verstappen wären die Änderungen allerdings ein wichtiges Argument, um in der Formel 1 zu bleiben, nachdem er schon in den letzten Monaten zunehmend deutlich signalisiert hatte, dass ein Abschied aus der Königsklasse alles andere als ausgeschlossen ist. In Kanada legte er nach dem Qualifying noch einmal einen drauf und machte deutlich, dass er der Formel 1 den Rücken kehren werde, falls das aktuelle Reglement ins kommende Jahr übernommen wird.

"Ich könnte es so sagen: Es wäre ein langes nächstes Jahr und das will ich nicht", sagte er und fügte wenig später hinzu: "Es ist mental einfach nicht machbar für mich, wenn es so bleibt." Das klingt schon kaum mehr nach einer Drohung, die Formel 1 zu verlassen, falls sich die Regeln nicht ändern, sondern vielmehr nach einer direkten Ankündigung.

Verstappen appelliert an FIA und Formel 1: "Sie müssen es tun"

Doch so weit will Verstappen noch nicht vorausdenken. Er gab sich nach dem Qualifying-Samstag in Kanada zuversichtlich, dass die geplanten Maßnahmen, welche die Verteilung von Verbrenner zu Elektro-Antrieb auf etwa 60 zu 40 bringen sollen, für 2027 durchgeführt werden. "Bleiben wir positiv. Wir arbeiten noch immer in die Richtung, dass es diese Änderungen gibt, und natürlich machen das einige Leute, die im Moment einen Vorteil haben, schwierig. Aber wenn die FIA stark ist, und auch die Formel 1 von ihrer Seite, dann müssen sie es einfach tun."

"Es wird besser für den Sport insgesamt sein", ist der Red-Bull-Fahrer überzeugt. Definitiv schlecht für den Sport wäre es wohl, wenn er den erfolgreichsten Fahrer der letzten Jahre verlieren würde. Falls Verstappen wirklich den Hut nimmt, wäre es ein langfristiger Abschied, und sollte nicht nur eine ein- oder mehrjährige Pause in Form eines Sabbaticals sein.

Die Frage, ob er ein solches in Betracht ziehen würde, verneinte Verstappen und sagte: "Es gibt noch viele andere spaßige Dinge da draußen." Eines dieser spaßigen Dinge gönnte er sich am vergangenen Wochenende mit dem 24h-Rennen auf dem Nürburgring. Dort hat der 71-fache Grand-Prix-Sieger nach dem bitteren Aus Blut geleckt und will unbedingt noch einmal an den Start gehen. Aber auch die 24h-Klassiker in Spa oder Le Mans stehen auf der To-Do-Liste des Niederländers weit oben. Diese neben der Formel 1 unterzubringen, ist aber immer eine Frage des Rennkalenders.