Es zeichnet sich immer weiter ab, dass die Formel 1 Max Verstappen verlieren könnte, und das schon mit dem Ende dieser Saison. Der Niederländer betonte schon mehrmals, dass er mit der aktuellen Art, wie die Königsklasse funktioniert, keinen Spaß hat, und er deshalb seinen Verbleib überdenkt.

Aber so deutlich wie rund um das GP-Wochenende in Japan wurde er noch nie. In einem Interview gegenüber der BBC antwortete er auf die Frage, ob er bereits mit dem Ende dieser Saison den Sport verlassen könnte: "Das ist es, was ich sage. Ich denke über alles in diesem Paddock nach."

Privat glücklich, die Formel 1 macht Max Verstappen keinen Spaß

"Privat bin ich sehr glücklich. Und dann wartet man für 24 Rennen - dieses Jahr nur 22, aber normalerweise sind es 24 - und denkt darüber nach: Ist es das alles wert? Oder gefällt es mir besser, wenn ich zuhause bei meiner Familie bin? Oder, wenn ich meine Freunde öfter sehe, wenn mir der Sport nicht gefällt?"

Der Niederländer dominierte von 2021 bis 2024 die Königsklasse und sammelte vier Formel-1-Titel in Serie. Im Vorjahr verpasste er den fünften Titelgewinn en suite um nur zwei Punkte. Bereits in dieser erfolgreichen Zeit stellte er klar, dass er nicht bis ins hohe Rennfahrer-Alter in der bedeutendsten Rennserie der Welt bleiben wolle, und stattdessen gerne auch Ausflüge in andere Disziplinen unternehmen möchte. Den zweiten Wunsch erfüllt er sich mit dem Start beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring im Mai, auf den er sich mit NLS-Teilnahmen vorbereitet.

Bei NLS2 sicherte sich das Trio um Verstappen den Sieg und wurde anschließend aufgrund eines Regel-Verstoßes disqualifiziert. Alle Details dazu könnt ihr hier nachlesen:

F1-Erfolg nicht ausschlaggebend: "Kann leicht akzeptieren auf P7 oder P8 zu sein"

Dass er sich mit der aktuellen Fahrzeug-Generation überhaupt nicht anfreunden kann, hat die Abschiedsgelüste des 71-fachen Grand-Prix-Siegers weiter befeuert. Dazu kommt noch, dass Red Bull derzeit nur im Mittelfeld unterwegs ist. In Japan landete Verstappen hinter dem Alpine von Pierre Gasly auf P8. Ihm ist es aber wichtig zu betonen, dass die schwache Performance seines Red Bulls nicht der vorwiegende Grund für seine Abschiedsgedanken sei.

"Ich kann leicht akzeptieren, auf P7 oder P8 zu sein. Denn ich weiß, man kann nicht immer dominieren, Erster oder Zweiter sein, oder um das Podium kämpfen", behauptete der Niederländer. "Ich bin realistisch, was das angeht, und ich war auch schon dort. Ich habe in der Formel 1 nicht immer gewonnen", sagte der aktuell Neunte der Weltmeisterschaft.

Aber auf P7 oder P8 zu fahren, während auch noch der Spaß an der Sache fehlt, das "ist nicht, was ich machen will", so Verstappen. Er versuche sich zwar an die neuen Autos anzupassen und Spaß damit zu finden, nur gelungen sei ihm das bisher noch nicht. Geld ist ebenfalls kein Ansporn für den nach GP-Siegen dritterfolgreichsten Piloten der F1-Geschichte, dessen Jahresgehalt im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegt.

"Als Kind war es das [in der Formel 1 fahren, d. Red], was ich tun wollte, und ich hatte keine Ahnung, was ich erreichen würde und wie viel Geld man dabei verdienen kann. Darum geht es auch nicht. Ich möchte hier sein, um Spaß zu haben, eine tolle Zeit zu verbringen und mich zu amüsieren. Im Moment ist das aber nicht wirklich der Fall", erklärte Verstappen seinen Ansporn.

"Ich sehe es so, und das hört man von vielen Sportlern, wenn sie sagen, wie sie erfolgreich sind: Es beginnt damit, dass man Freude daran hat, bevor man 100 Prozent gibt. Ich denke, dass ich 100 Prozent gebe und alles versuche. Aber die Art, wie ich mir selbst einrede, 100 Prozent zu geben, ist nicht sehr gesund, denke ich. Denn ich habe keinen Spaß daran."

Den häufig zitierten Vorwurf, dass Max Verstappen sich nur über das neue Reglement beklage und über seinen Abschied nachdenke, da er nicht erfolgreich ist, will er nicht unkommentiert lassen. "Menschen können einfach sagen: 'Jaja, du hast viele Weltmeisterschaften und Rennen gewonnen und nur weil jetzt dein Auto nicht gut ist, beschwerst du dich.' Natürlich kann man es so sehen, aber ich sehe das anders."

Formel-1-Vertrag bis 2028: Deshalb könnte Max Verstappen trotzdem früher gehen

In der Theorie hat Verstappen noch bis zum Ende der Formel-1-Saison 2028 einen Vertrag bei Red Bull Racing. Faktisch wird ihn dieser Kontrakt aber kaum aufhalten, denn in diesem befinden sich hoch gesteckte Leistungsklauseln, die eine frühere Auflösung möglich machen. Unbestätigten Meldungen zufolge wäre eine Position unter den ersten drei oder sogar auf einem der ersten beiden Ränge in der Fahrerwertung der Formel-1-Weltmeisterschaft zur Saisonhalbzeit nötig, um diese Klauseln nicht zu aktivieren. Bei dem derzeitigen Stand der Dinge eine nicht zu erreichende Vorgabe.

Gleichzeit betonte Verstappen noch einmal seine Aussage vom China-Wochenende, dass er durchaus immer noch Gründe sieht, in der Formel 1 zu bleiben. So genießt er die Zusammenarbeit mit dem Team. "Es ist wie eine zweite Familie für mich", hob er hervor. "Aber sobald ich im Auto sitze, ist es leider nicht das Spaßigste."

Im April legt die Formel 1 nach der Absage von Bahrain und Saudi-Arabien unplanmäßig eine komplette Pause ein. Ob Verstappen diese für weitere Starts auf der Nürburgring-Nordschleife nutzt, ist noch unklar. Mit den 24h-Qualifiers am 18. und 19. April, an denen mit Winward-Mercedes auch sein Team für das 24-Stunden-Rennen teilnimmt, würde sich eine gute Gelegenheit bieten.

Gleichzeitig bietet der April so natürlich auch viel Zeit, um über seine Zukunft nachzudenken. Verstappen wurde Anfang Mai 2025 mit seiner langjährigen Freundin Kelly Piquet erstmals Vater und besitzt neben seinen eigenen Rennsport-Abenteuern auch ein GT3-Team in der GT World Challenge Europe und betreut sein Simracing-Projekt. Zu tun hätte er also auch ohne die Formel 1 genug.

Einen Abschied von Verstappen zu verhindern, das könnten Formel 1 vor allem mit Regeländerungen erreichen, welche das aktuell stark ausgeprägte Energie-Management, abschwächen. Der Ball liegt also bei Stefano Domenicali und Co. Der Formel-1-CEO gab sich aber noch im Februar überzeugt davon, dass Verstappen der Königklasse erhalten bleiben wird. Hier könnt ihr seine Aussagen nachlesen.