Dass Max Verstappen kein großer Fan des neuen Formel-1-Reglement ist, war schon vor den jüngsten Testfahrten in Bahrain kein Geheimnis, doch die Schärfe seiner Kritik in der vergangenen Woche war dennoch aufsehenerregend. Der Red-Bull-Pilot stellte sogar einen potenziellen Abschied aus der Königsklasse in Aussicht.

Ein Rückzug, der der Formel 1 viel Schaden zufügen würde, schließlich ist der Niederländer der erfolgreichste Fahrer der letzten Jahre und gilt gemeinhin als der derzeit beste seiner Zunft. F1-CEO Stefano Domenicali gab sich überzeugt davon, dass dieses Szenario nicht eintreten werde und Verstappen der Königsklasse auch weiterhin erhalten bleibt.

Konstruktives Treffen zwischen Domenicali und Verstappen

Diese Gewissheit schöpft Domenicali aus einem Treffen zwischen ihm und dem vierfachen Champion vor wenigen Tagen, das "konstruktiv" verlaufen sei. "Max hat manchmal eine Art, Dinge so zu sagen, die in einer gewissen Art interpretiert werden können", so Domenicali. Abschiedsgedanken habe er unter diesem Gesichtspunkt den Worten von Verstappen nicht entnommen.

"Ich kann garantieren, dass Max die Formel 1 mehr als jeder andere will und sich mehr darum sorgt als jeder andere", ist sich der Italiener sicher. Verstappen hatte letzte Woche auf eine Frage nach seinem F1-Verbleib geantwortet: "Es muss Spaß machen" und gemeint: "[Ich befinde mich] in einer Phase meiner Karriere, in der ich auch andere Dinge außerhalb der Formel 1 erkunde und dort Spaß habe." Die neue Autogeneration bereite ihm keinen Spaß, hatte er wenige Minuten zuvor betont.

Viel Interpretationsspielraum lässt die Kombination dieser beiden Aussagen also nicht zu, außer dass Verstappen über einen F1-Rücktritt nachdenkt. Der 71-fache Grand-Prix-Sieger verfügt noch über einen Vertrag bis 2028 bei Red Bull Racing, gleichzeitig führt er aber auch sein eigenes GT3-Team und steigt regelmäßig im Zuge dessen in Sportwagen-Cockpits. Nicht zuletzt bei seinen spektakulären Auftritten 2025 auf dem Nürburgring. Dass er nicht ewig in der Formel 1 bleiben will, betont er ohnehin seit Jahren.

Domenicali ist dennoch überzeugt, dass er Verstappen gut genug einschätzen kann, um sicher zu sein, dass für diesen trotz allem Unmut über die neuen Autos kein Abschied im Raum steht. "Ich habe ein gutes Verhältnis zu Max, kenne ihn sehr gut und habe viel Zeit mit ihm verbracht", betonte Domenicali. "Er liebt die Formel 1. Daran gibt es keinen Zweifel."

Auch Verstappens Teamchef Laurent Mekies gab sich in Bahrain überzeugt davon, dass Verstappen nicht die Formel 1 verlassen werde. Was er genau sagte, könnt ihr hier nachlesen:

Formel 1 vor dem Abschied großer Stars? Das sagt Domenicali über Alonso und Hamilton

Dass die Formel 1 in den kommenden Jahren einige ihrer berühmtesten Gesichter verlieren wird, ist dennoch quasi ein Naturgesetz. Dabei geht es weniger um Verstappen, sondern vielmehr um die beiden Ex-Weltmeister Lewis Hamilton und Fernando Alonso. Beide haben ihren 40. Geburtstag schon hinter sich und ihre Erfolgsbilanz blieb in der jüngeren Vergangenheit hinter den hohen Erwartungen zurück.

Da stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die beginnende Formel-1-Saison nicht ihre letzte sein könnte. Doch auch in Bezug auf sie glaubt Domenicali nicht, dass sie am Ende von 2026 den Hut nehmen könnten. "Man kann vielleicht glauben, dass sie nach diesem Jahr aufhören. Ich habe aber Zweifel daran, denn sie sind Kämpfer", so der ehemalige Ferrari-Teamchef.

"Sie haben bewiesen, wenn sie einen guten Mix aus Autos, Teams und Perspektiven haben, dass sie definitiv länger weiterkämpfen werden. Ich sehe sie nicht zurücktreten, um ganz offen zu sein", führt Domenicali diesen Glauben aus. Ein Glaube, der für den F1-Boss natürlich nicht ganz selbstlos ist: "Ich hoffe, dass ich recht habe, denn sie sind ein sehr wichtiges Asset für die Formel 1."

Aber auch ohne Hamilton oder Alonso fehle es der Formel 1 nicht an öffentlichkeitswirksamen Charakteren, ist sich Domenicali sicher: "Falls das [der Rücktritt von Hamilton und Alonso, d. Red] passiert, wovon ich nicht ausgehe, dann denke ich, dass die neue Generation an Fahrern die Aufmerksamkeit schneller auf sich ziehen wird."

Schon jetzt macht der Formel-1-Boss im Zuge der starken Verjüngung des F1-Fahrerfeldes im Vorjahr eine Änderung der Zielgruppe aus: "Die neuen Fahrer sind extrem wichtig für die jüngere Generation, da ihnen viele Teenager gefolgt sind. Es ist interessant, wie sich das Publikum des Sports verändert."

Die Formel 1 absolviert gestern in Bahrain den letzten Testtag vor dem Formel-1-Saisonstart 2026. Alles Infos zum Abschluss erfahrt ihr hier:

Nur 6 Runden! Honda-Fiasko verschärft Aston Martins F1-Krise (14:21 Min.)