Der Große Preis von Kanada ließ Mercedes einmal die komplette emotionale Bandbreite durchlaufen. Während Kimi Antonellis Hälfte der Garage den Sieg in Montréal feierte, gab es auf George Russells Seite lange Gesichter. Der Brite fiel in in Führung liegend mit einem Motorschaden aus. Mercedes-Technikchef James Allison verrät nun die genaue Ursache für den Ausfall in Runde 30.
"Es war ein Motorschaden, verursacht durch einen Ausfall der Batterie", erklärt Allison. "Wir konnten am Ende sehen, dass die Batterie ziemlich beansprucht war und einen Hitzeschaden hatte." Ein bitteres Ende für Russell, nachdem sein Team das erste große Update des Jahres nach Kanada gebracht hatte.
F1 in Kanada: Sieg und Niederlage liegen bei Mercedes nah beieinander
Vor allem, weil dieses Update laut Allison die gewünschte Wirkung zeigte. "Es war das erste große Update des Jahres, und wir hatten gehofft, dass es stark ist, und das war es auch", so der technische Direktor. In Kanada präsentierte sich Mercedes wieder klar als das Maß der Dinge. Antonelli überfuhr nach Russells Ausfall die Ziellinie mit 10,7 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Lewis Hamilton. Abgesehen von Russell konnte über die Renndistanz niemand das Tempo des Mercedes-Youngsters mitgehen.
"Es war unterm Strich ein starkes Wochenende, wenn man die reine Performance betrachtet", bestätigt auch Allison. "Aber es wurde durch die Enttäuschung getrübt, die wir alle fühlen, weil wir George mit der Zuverlässigkeit des Autos im Stich gelassen haben."
Die Zuverlässigkeit des Motors wird nun penibel überprüft, damit beiden Piloten die gleichen Chancen auf der Strecke ermöglicht werden. "Es ist ein tolles Erlebnis, deine Fahrer so kämpfen zu sehen wie in Kanada", meint Allison mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht.
"Manche würden sich vielleicht wünschen, dass sie wie Roboter nur die Leistung aus dem Auto rausquetschen, ohne zu kämpfen. Aber wir sind alle begeistert von diesem Duell", verrät der Brite, fügt jedoch hinzu: "Solange sie sich nicht gegenseitig berühren."
Intensive F1-Europa-Saison steht bevor - Entwicklung entscheidend
Für die kommenden Rennen ist es besonders wichtig, die Zuverlässigkeitsprobleme schnell in den Griff zu bekommen, denn Arbeit gibt es im Werk ohnehin genug. "Es wartet eine intensive Phase mit sechs Rennen in acht Wochen auf uns", sagt Allison kurz vor dem Europa-Saisonauftakt in Monaco. "Die diesjährige Saison ist auch aufgrund der neuen Regeln herausfordernd, weil die Entwicklungsrate so hoch ist." Laut Allison legen die Teams in Sachen Leistung pro Monat etwa eine Viertelsekunde nach.
Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Würden in Brackley und Brixsworth für sechs Wochen die Lichter ausgehen, wäre der gesamte Vorsprung, den sich Mercedes in dieser Saison erarbeitet hat, zunichte. "Deshalb ist es für uns extrem wichtig, dass wir die Performance in den nächsten sechs Rennen weiter steigern können", erklärt der technische Direktor.
George Russell hat nach seinem zweiten technischen Defekt in dieser Saison 43 Punkte Rückstand auf seinen Teamkollegen. Und mittlerweile macht sich beim Briten die Verzweiflung breit.



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