Die Formel 1 schwimmt seit Jahren auf einer beispiellosen Erfolgswelle. Doch mit der Regel-Revolution 2026 steht dem Sport und F1-Boss Stefano Domenicali die erste große Reifeprüfung seit Beginn des Booms 2021 bevor. Die Aussagen von Max Verstappen beim ersten Test in Bahrain ließen Böses erahnen, seine Kollegen hörten sich nicht viel positiver an.

Max Verstappen vernichtet Autos 2026: F1-Karriereende droht (09:06 Min.)

Bei Formel-1-Boss Domenicali klingt das gänzlich anders. Während die neuen Autos vor allem an Energiemangel leiden, strotzt der Italiener nur so vor Energie. "Die Autos sind wunderschön. Der Sound ist herrlich. Und wenn man sich die Autos an der Strecke ansieht, sieht es so aus, als wären es die Autos der letzten Jahre", entgegnete Domenicali der harschen Kritik.

Der 60-Jährige warnt davor, den Sport wegen Details schlechtzureden: "Das mag alles sehr wichtig für diejenigen sein, die sich mit den technischen Details auskennen. Aber wir müssen es mit den Augen der Zuschauer sehen. Und die Fans werden ein unglaubliches Spektakel sehen. Ich habe es selbst an der Strecke gesehen: Es gibt keinen Unterschied. Deshalb bin ich absolut optimistisch, dass wir ein weiteres unglaubliches Jahr haben werden."

Die Kritik der Fahrer richtet sich dabei vor allem gegen die neuen Motoren. Weil fast die Hälfte der Systemleistung von der MGU-K, einem Elektromotor an der Kurbelwelle, kommt, müssen die Piloten stark mit der elektrischen Energie haushalten.

Großartige vs. scheiß Formel 1

Kuriose Geschwindigkeitsprofile und frühzeitiges vom Gas gehen, sogenanntes Lift and Coast, sind sogar im Qualifying möglich, um die Energie Rundenzeit-optimiert auszugeben. Domenicali sieht darin kein Problem: "Ich verspüre diese Angst nicht. Wir müssen ruhig bleiben, denn wie immer, wenn es eine neue Regel gibt, gibt es immer die Befürchtung, dass alles falsch ist."

"Ich erinnere mich an 2014 oder an 2022. Und wie immer hat die F1 als System bewiesen, dass sie die beste technische Lösung findet", so Domenicali. 2022 fürchteten viele bei der Einführung der Ground-Effekt-Autos, dass die Rundenzeiten zu langsam werden. 2025 wurden damit zahlreiche Rundenrekorde gebrochen. 2014 bezeichnete sogar der damalige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone die Formel 1 als "scheiße", weil ihm mit der Einführung der Turbo-Hybridmotoren der Sound fehlte.

"Wie immer, wenn es etwas Neues gibt und alles in Bewegung ist, muss man ruhig bleiben", fordert er. "Man muss ruhig bleiben und gemeinsam etwas aufbauen, denn das ist heute der Geist, der bei den Fahrern und den Teams herrscht."

Anders als zu Ecclestones Zeiten zeigte sich die Formel 1 bei dieser Regel-Revolution lange Zeit geeint. Von den Teams gibt es noch immer kaum negative Worte, nur die Fahrer preschten nach vorne. Die Teams haben heute nicht nur ihre sportpolitischen Agenden, sondern auch große finanzielle Interessen.

Die Teams partizipieren finanziell am großen Erfolg der Formel 1 und verfolgen deshalb das gleiche Interesse wie F1-Boss Domenicali: den Sport nicht schlechtmachen. Auch deshalb sieht Domenicali keine Gefahr für ein Ende des Booms: "Wenn wir weiterhin so eng zusammenarbeiten, sehe ich kein Risiko."

Domenicali trifft Verstappen: Ihm liegt die Formel 1 am Herzen

Auch wenn es harte Aussagen der Piloten gab, Domenicali hat kein Problem damit. In Bahrain traf er sich mit allen Fahrern, auch mit Verstappen. Dessen Aussagen versucht er herunterzuspielen: "Max ist unglaublich und er hat eine Art, Dinge zu sagen, die manchmal auf eine bestimmte Weise interpretiert werden können. Ich garantiere euch, dass Max die Formel 1 mehr als jedem anderen am Herzen liegt."

Ganz ausschließen will er mögliche Probleme am Sport aber zu Beginn der Saison nicht. "Wir müssen sicherstellen, dass die FIA die richtigen Impulse gibt, um Verbesserungen vorzunehmen, wenn es notwendig ist", gibt er zu. Einen Plan B – zum Beispiel, wie man schnellstmöglich die Motorenformel ändern könnte – gibt es trotzdem nicht für ihn: "Warum sollten wir überhaupt über einen Plan B nachdenken? Ich verstehe die Negativität nicht. Wenn wir auf etwas reagieren müssen, werden wir das tun. Aber ich starte nicht mit dieser Panik."

F1-Boss warnt vor Panik: Kein Urteil nach Melbourne

Panisch will er auch nicht werden, sollten die ersten Rennen schwierig sein. Denn mit Melbourne, Suzuka und Jeddah stehen früh Strecken im Kalender, auf denen das Energiemanagement noch deutlich schwieriger werden könnte. "Wir werden vor Saisonbeginn ein Treffen abhalten, um Überreaktionen zu vermeiden. Lasst uns nach dem Rennen in Australien keine endgültigen Schlussfolgerungen ziehen. Das wäre sehr voreilig", mahnt der F1-Boss.

Wichtig ist ihm auch ein grundsätzlicher Aspekt: "Wir dürfen nicht vergessen, dass immer der Schnellste gewinnen wird." Vor einer zu künstlichen Formel 1 hat Domenicali also keine Angst. Vor einer zu langsamen ebenfalls nicht: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Entwicklungen, die ich hinter den Kulissen bereits beobachten kann, dazu führen werden, dass diese Autos am Ende der Saison schon sehr, sehr viel schneller sein werden."

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