Max Verstappens scharfe Worte über die neuen Autogeneration beschäftigen die Formel-1-Welt auch noch in der zweiten Testwoche in Bahrain. Für seine harte Kritik erntete der vierfache Champion viel Zustimmung im Fahrerlager und den Medien, aber auch Gegenwehr. Der prominenteste Advokat für die 2026er Autos war Lando Norris. "Das Fahren macht sehr viel Spaß, ich genieße es. Wenn er zurücktreten will, dann kann er ja zurücktreten", zeigte sich der amtierende Weltmeister unbeeindruckt von Verstappens Rücktritts-Androhung. Jetzt rudert er plötzlich stark zurück.
"Es war eine ziemlich amüsante Woche", meinte Norris mit einem Lachen, als er in Bahrain auf seine Kommentare angesprochen wurde. "Es hat definitiv dazu geführt, dass sich viele Personen in die Diskussion eingeschalten und viele Sachen gesagt haben. Das war sehr lustig." Während sich die meisten F1-Fahrer hinter Verstappen stellten, bekam Norris lediglich von George Russell Rückenwind. Doch anscheinend wäre eine Lagerbildung gar nicht nötig gewesen, denn Norris bekannte sich nun auch zu Team Verstappen.
"Ich stimme Max zu, bei fast allen seiner Kommentare. Auch den anderen Fahrern, die ihre Meinung sehr klar gemacht haben", stellte der McLaren-Pilot am Donnerstag klar. Das hörte sich vor einer Woche noch anders an. Damals sagte Norris, dass sich die Fahrer mit ihren mehrstelligen Millionengehältern nicht beschweren dürften. Jetzt zog er seine Aussagen zurück, denn sie waren scheinbar lediglich ein Wutköder. "Ich wollte nur die Reaktionen von allen sehen, wenn ich das Gegenteil [von Verstappen, Anm. d. Red.] sage. Es war lustig", erklärte Norris seine fragwürdige Taktik.
Norris kritisiert neue F1-Autos jetzt doch: Wollte mich nicht beschweren
Zuvor nannte der amtierende Weltmeister die halbelektrischen Autos eine "spaßige Herausforderung", nach seinem Meinungswechsel schlägt er einen schrofferen Ton an. "Sind die Autos so gut und lustig zu fahren wie letztes Jahr? Absolut nicht. Ist es so rein, so schön, schaut es so gut aus? Definitiv nicht. Beim Fahren müssen wir uns mehr darauf konzentrieren, die Batterie richtig zu verwenden, und weniger, wie wir das meiste aus dem Auto bekommen", kritisierte Norris.
Es bleibt die Frage, warum der McLaren-Pilot erst jetzt mit seiner wahren Meinung herausrückt. "Ich wollte nicht schon in der ersten Woche aufkreuzen und mich in den Medien beschweren", lautete seine Erklärung. "Ich will meine Zeit trotzdem genießen und sagen, was ich fühle. Ich habe immer noch Spaß da draußen, es ist eine Herausforderung. Das ist noch immer der Job, den ich liebe. Ich würde das für nichts auf der Welt ändern."
Vor den öffentlichen Testfahrten wurden alle Fahrer mehrmals gründlich gebrieft, das neue Reglement nicht schlechtzureden. Nach Verstappens Kritik meldeten sich immer mehr Piloten zu Wort. Könnte sich Norris durch die immer lauter werdenden Konter seiner Kollegen bestärkt fühlen, sich entgegen den Anweisungen der Obrigkeit nun doch zu äußern? Oder möchte er sich vor weiterer Häme schützen und seine Aussagen im Rückblick umschreiben? Oder wollte er sich wirklich nur einen Spaß mit der Presse erlauben? Das bleibt wohl ein Ding von Spekulation.
Norris ist jedenfalls überzeugt, dass noch Hand an der neuen Autogeneration angelegt werden muss, um der Königsklasse des Motorsports gerecht zu werden. "Die FIA und die Formel 1 versuchen, das Auto zu verbessern. Denn wir wissen, dass das jetzige Auto sicherlich nicht die reinste Form des Racings bietet, aber das ist es, was wir als Formel 1 sein sollten", so Norris.



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