Gleich am ersten Tag der letzten Test-Woche in Bahrain kam Bewegung in den Streit um den vermuteten Verdichtungs-Trick des Mercedes-Motors. Die Regelhüter der FIA kündigten eine Abstimmung über ein neues Messverhältnis ab erstem August an. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sieht kein Problem damit, aber irgendwo hat das Verfahren am Ende einen bitteren Beigeschmack.

"Ich denke, so wie es jetzt gemacht werden soll, dass man den Regeln sowohl kalt als auch heiß entsprechen muss, zieht niemand einen Vorteil draus", beurteilt Wolff grundsätzlich den FIA-Vorstoß. Ursprünglich hatte das Reglement vorgesehen, das Verdichtungsverhältnis nur bei Umgebungstemperatur zu prüfen. Die zur Abstimmung stehende Änderung würde eine zweite Messung bei einer repräsentativen Betriebstemperatur von 130 Grad Celsius einführen.

"Ich denke, die anderen Leute wollten es nur heiß messen, damit sie im kalten Zustand außerhalb des Reglements sein können", ahnt Wolff vor allem eigennützige Absichten der Konkurrenz. "Jetzt ist es 'Fair Game' für alle." Die anderen vier Motor-Hersteller der Formel 1 galten zuletzt als geschlossen verbündet gegen Mercedes.

Toto Wolff kritisiert Konkurrenz: Üben Druck auf FIA aus

Das hinterlässt für Wolff alles einen schlechten Beigeschmack: "Die Formel 1 ist eine Leistungsgesellschaft und wir wollen keine Balance of Performance. Philosophisch gesehen müssen wir uns, denke ich, daran halten. Du hast ein Teil entsprechend der Regeln entwickelt, das wurde bestätigt, und dann tun sich alle zusammen und sagen, es sei illegal."

"Die Regelhüter unter Druck setzen, sollte das so laufen?", stellt Wolff in den Raum. Für ihn ist es ganz einfach: Regeln werden geschrieben, und wer die Regeln erfüllt – und sich bezüglich Graubereichen wenn nötig schon vorausschauend bei der FIA absichert –, der sollte im Recht sein. Danach Regeln zu ändern, sei nicht richtig: "Aber wenn du vier andere Power-Unit-Hersteller hast, die an einem Punkt immensen Druck auf die FIA ausüben, was für eine Wahl haben wir dann?"

F1-Streit um Motoren-Trick: FIA setzt Mercedes 10-Tage-Frist (13:45 Min.)

"Philosophisch stimme ich dem nicht zu, aber so läuft das in den letzten 50 Jahren Formel 1. Und diesmal mussten wir einstecken." Zumindest ist Wolff sich bewusst, dass er selbst nicht dagegen gefeit ist: "Nächstes Mal tun wir uns, schätze ich, gegen jemand anderen zusammen, weil wir glauben, etwas sei nicht richtig."

Toto Wolff sieht kein Problem bei anderem Test: Ändert für Mercedes nichts

Die Mercedes-Lösung sei aber absolut im Sinne des (ursprünglichen) Reglements, schwört Wolff weiterhin. Der Motor wurde für den explizit bei Umgebungstemperatur definierten Test entwickelt: "Wir waren ziemlich zuversichtlich, selbst wenn es am Freitag in Melbourne einen Protest gegeben hätte, aber ist es das, was wir wollen?"

Mercedes ist also bereit, sich zu fügen. Zum Wohl der Formel 1, sozusagen. "Wir wollen gute Bürger des Sportes sein." Dazu ist Mercedes auch bereit, weil Wolff weiter meint, dass der Trick keine so dramatischen Gewinne von potenziell mehreren Zehnteln pro Runde bringt, wie die Konkurrenz spekuliert.

"Würden diese Zahlen stimmen, dann würde ich verstehen, warum jemand dagegen kämpft", räumt Wolff ein. Aber laut ihm ist die Angelegenheit den Kampf nicht wert: "Für uns ändert sich nichts, ob wir die Regeln ändern oder nicht."

Das Thema Motor war nicht der einzige Reibepunkt, als Wolff am Donnerstag in der offiziellen Pressekonferenz Rede und Antwort stand. Auch das Benzin von Mercedes wurde in Frage gestellt. Diese nächsten Gerüchte kommentierte Wolff mit harten Aussagen:

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