Eine Entscheidung im Streit um das Verdichtungsverhältnis naht. Die FIA schickte nach dem Treffen der Formel-1-Kommission am Mittwoch in Bahrain einen Vorschlag zur Regeländerung an die fünf Motorenhersteller. Spätestens in den nächsten zehn Tagen soll eine Entscheidung fallen.

Der Vorschlag der FIA sieht vor, das Protokoll für die Messung des geometrischen Verdichtungsverhältnisses zu ändern. Derzeit findet die Messung bei Umgebungstemperatur statt, ab 1. August 2026 soll bei der repräsentativen Betriebstemperatur von 130 Grad Celsius gemessen werden.

Die FIA reagiert damit auf einen seit Monaten schwelenden Streit. Die Konkurrenz geht davon aus, dass Mercedes einen Trick gefunden hat, das geometrische Verdichtungsverhältnis von 16:1 beim Test einzuhalten, im laufenden Betrieb aber über diesem Grenzwert zu liegen.

Wie genau Mercedes das macht, daran rätseln Red Bull, Ferrari, Audi und Honda noch. Manche vermuten, der Trick funktioniert durch die thermische Ausdehnung unterschiedlicherer Materialien, anderen glauben an einen Trick im Bereich der Vorkammerzündung. Eine weitere Theorie geht von einer mechanischen Verstellung über die Stirnräder aus.

Fest steht, dass nur Mercedes von einer möglichen Regeländerung betroffen wäre. Weil das neue Testverfahren erst ab August in Kraft treten würde, stellt sich die Frage, was Mercedes machen würde. Ändert man die Motoren noch vor dem Saisonstart? Oder wartet man bis zur Deadline und riskiert damit, die zuvor eingesetzten Motoren nicht mehr einsetzen zu dürfen?

Dass der Vorschlag der FIA durchgeht, gilt als äußerst wahrscheinlich. Zu diesem späten Zeitpunkt in der Saison ist für Regeländerungen die sogenannte Super-Mehrheit notwendig. Die fünf Motorenhersteller haben je eine Stimme, dazu kommen je eine Stimme von FIA und Formel 1.

Die FIA ist für die Änderung zum 1. August, von der Formel 1 gibt es noch keine Signale. Normalerweise schließt sich der Kommerzielle Rechteinhaber in Regel-Fragen aber der Sporthoheit an. Bei den Herstellern dürften Red Bull, Ferrari, Audi und Honda für die Änderung stimmen. Damit wäre die Super-Mehrheit von sechs aus sieben Stimmen erreicht. Die Stimme der FIA dürfte das Zünglein an der Waage gewesen sein.

Wie viel der Trick tatsächlich bringt, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Während Mercedes-Teamchef Toto Wolff von "ein paar PS" spricht, glaubt die Konkurrenz, dass der Trick über 10 Kilowatt, rund 15 PS und je nach Strecke bis zu mehreren Zehntel Rundenzeit bringen könnte.

Die Aufregung bei den Herstellen ist groß, weil das geometrische Verdichtungsverhältnis im Betrieb eigentlich sinkt. Experten gehen von einer Abnahme von bis zu 15:1 aus. Ob Mercedes es schafft, das Verdichtungsverhältnis auf das alte Limit von 18:1 zu treiben, ist fraglich. Auch hier kursieren unterschiedliche Zahlen im Fahrerlager. Seriöse Schätzungen gehen von einem realistischen Verdichtungsverhältnis von rund 16,5:1 aus.

Das Verdichtungsverhältnis ist ein entscheidender Performance-Treiber. Die höher die Verdichtung, desto effizienter kann die Verbrennung erfolge. Weil der Benzindurchfluss begrenzt ist, führt eine Effizienzsteigerung zwangsläufig zu mehr Leistung.

Mit der Deadline 1. August 2026 dürfte die FIA versucht haben, einen Kompromiss zu finden. Eine Last-Minute-Regeländerung zwei Wochen vor dem Saisonstart in Melbourne hätte Mercedes samt seinen drei Kundenteams in Bedrängnis bringen können. Die Konkurrenz wollte einen möglichen Vorteil aber auch nicht die ganze Saison akzeptieren. Der Formel 1 hätte so ein langer politischer Kampf mit Protesten gedroht.

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