Leicht hatte es Fermin Aldeguer im Jahr 2026 bisher wirklich nicht. Der MotoGP-Jungstar verpasste nach einem Trainingsunfall sämtliche Testfahrten und tat sich daher bisher schwer, an seine starke Rookiesaison anzuknüpfen. Ausgerechnet an dem Sonntag, an dem sein Team einen schweren Schock hinnehmen musste, sorgte der Spanier für sein erstes Highlight nach der Verletzung.

Kaltstart in die MotoGP-Saison: Nicht einfach, den anderen zusehen zu müssen

"Es ist nicht einfach, wenn du daheim bist und den anderen Fahrern zusehen musst, wie sie auf der Strecke alles geben. Ich musste stundenlang mit meinen Physios schuften", reflektierte der Gresini-Pilot die schwierigen Monate im Winter, als er sich bei einem Trainingsunfall einen Oberschenkelbruch zugezogen hatte. Während die Kollegen testeten und das erste Rennen fuhren, musste Aldeguer einen Kaltstart zum zweiten Saisonwochenende in Brasilien mitmachen.

MotoGP-Schock in Barcelona: Alex Marquez und Zarco verletzt (10:56 Min.)

Seitdem fuhr der 21-Jährige zwar recht ordentlich in den Punkten mit, aber von den Höhen seiner Rookie-Saison, als ihm sogar sein erster Sieg gelang, war er noch weit entfernt. Dann kam auch noch dieser fürchterliche Sonntag in Barcelona. Das Gresini-Team musste einen Horrorunfall von Alex Marquez mit ansehen. Mittlerweile hat der Vizemeister das Krankenhaus nach erfolgreicher Operation verlassen dürfen, aber kurz nach dem Crash war die Lage noch unklar.

Horrorcrash von Alex Marquez: Fermin Aldeguer nach Barcelona-Tortur völlig fertig

"Das war ein mulmiges Gefühl in der Box. Da lag unser Fahrer auf dem Boden und wir wussten nicht, was los war. Aber wir sind Profis und mussten weitermachen", berichtete Fermin Aldeguer. Doch nicht nur das. Nach dem Restart gab es sofort den nächsten Abbruch, als Johann Zarco einen Crash in Kurve 1 verursachte. Dem Franzosen droht leider eine lange Verletzungspause. Mehr dazu hier:

Bei all diesen Erlebnissen war es kein Wunder, dass Fermin Aldeguer nach dem Rennen erstmal folgendes feststellte: "Das war ein sehr schwieriger Tag. Ich bin mental komplett ermüdet. Du bist total konzentriert auf das Fahren, dann wird gestoppt, du fährst wieder los und dann noch einmal. Das ist schwierig zu bewältigen." Doch das wichtige war: Er hatte es bewältigt. Und wie er es bewältigt hatte!

Fermin Aldeguer in der Gresini-Box
Der Sonntag machte Aldeguer zu schaffen, Foto: IMAGO / Anadolu Agency

Glück im Unglück: Fermin Aldeguer zieht den Reifenjoker und stürmt aufs Podium!

"Ich hätte dieses Ergebnis nie erwarten können. Mein Potential lag vielleicht darin, bis in die Top sechs zu fahren, aber selbst das ist von Startplatz 15 aus immer schwer", strahlte er nach Rang drei, der durch die Reifendruckstrafe von Joan Mir im Nachhinein sogar noch zu Platz zwei wurde. Er wusste dabei aber auch, dass ihm das ganze Crash-Chaos einen Joker zugespielt hatte: "Es war das Unglück der anderen und das Glück für mich, dass ich mit frischen Reifen auf Rang acht in den Re-Start gehen durfte."

Da der Gresini-Pilot nicht über Q1 hinausgekommen war, hatte er noch einen frischen Soft-Hinterreifen übrig. Und da die Renndistanz durch zwei Abbrüche auf 12 Runden verkürzt wurde, hielt dieser auch bis zum Ende durch. Sein Husarenritt auf frischen Michelins zum ersten Pokal der Saison kann daher aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin Arbeit besteht: "Ich fühle mich nicht besonders wohl auf diesem Motorrad, mir fehlt das Gespür in den Kurven. Außerdem fehlt mir das letzte bisschen Grip, mit dem ich letztes Jahr den Unterschied machen konnte. Hier und in Le Mans haben wir aber ein paar Lösungen gefunden. Ich bin motiviert, den Weg weiterzugehen."

Fermin Aldeguer feierte auf dem Podium noch Rang drei, Foto: Gresini Media
Fermin Aldeguer feierte auf dem Podium noch Rang drei, Foto: Gresini Media

Barcelona-Erfolg kein Durchbruch: Top sechs das nächste Ziel für Aldeguer

Der Spanier ist realistisch genug, zu wissen, dass solche Erfolge nicht ständig wiederholt werden können. Ambitioniert bleibt er aber durchaus. Die neue Vorgabe liegt höher als die Ergebnisse vor Barcelona: "Ich brauche mehr Zeit. Ich denke aber, dass ich öfter in den ersten sechs sein kann. Das wäre ein klares Ziel für mich. Aber ich brauche mehr Zeit, um näher an die Werksbikes [von Ducati, Anm. d. Red.] heranzukommen. Ich brauche mehr Vertrauen in Linkskurven und auch bessere Fitness." Zumindest konnte er nun aber das Gefühl mitnehmen, dass der Erfolg wieder kommen kann. Auch wenn dies durch außergewöhnliche Umstände geschah.

Einem gelang der Kampf mit schwierigen Umständen aber sogar noch besser. Der Sieg in Barcelona war ein Sinnbild für die Karriere des Fabio Di Giannantonio: