Neu ist nicht immer besser: Mercedes-AMG hat das 24h-Rennen Nürburgring 2026 mit einem GT3-Auto gewonnen, das bereits seit zehn Jahren zum Einsatz kommt. Wozu der Mercedes-AMG GT3 fähig ist, bewies der Rennwagen aus Affalterbach schon anno 2016, als Mercedes beim Debüt des Fahrzeuges einen fulminanten Vierfachsieg errang. Jetzt, ein Jahrzehnt später, folgte der nächste und insgesamt dritte Triumph beim Eifel-Klassiker.
Da stellt sich die Frage: War der Sieg des #80 Winward-Mercedes (Engel/Stolz/Schiller/Martin) das letzte Hurra für den in die Jahre gekommenen AMG-GT3? Schließlich entwickelt die Affalterbach Racing GmbH seit geraumer Zeit einen Nachfolger, der ebenfalls die Bezeichnung 'Mercedes-AMG GT3' trägt, aber mit modernster Technik ausgestattet wird.
Mercedes 2027 wieder mit altem AMG-GT3 bei 24h Nürburgring
Die Antwort darauf lieferte Mercedes-AMG-Motorsportchef Christoph Sagemüller am Sonntag nach dem Rennen. "Nächstes Jahr werden wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch nicht mit dem neuen Fahrzeug beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring fahren", verriet Sagemüller im Exklusiv-Interview mit Motorsport-Magazin.com. "Das funktioniert mit den Homologationsperioden nicht. Es ist super, dass wir dieses Jahr den Titel geholt haben. Nächstes Jahr werden wir wieder hier sein und wieder angreifen - aber noch nicht mit dem neuen GT3."
Zumindest beim 24h-Rennen Nürburgring 2027 darf der aktuelle Mercedes-AMG GT3, der 2020 sein letztes Evo-Paket erhielt, also noch eine Extrarunde drehen. Das bedeutet allerdings nicht zwingend, dass Mercedes seinen neuen GT3-Boliden nicht schon im kommenden Jahr in anderen Kategorien einsetzen wird - möglicherweise zunächst zu Testzwecken unter realen Bedingungen.
Mercedes-AMG bleibt geheimnisvoll: Wann kommt der GT3-Nachfolger?
Denn: Die Affalterbacher machen weiterhin ein Geheimnis daraus, wann der neue Mercedes-AMG GT3 sein reguläres Renndebüt geben wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass es schon 2027 soweit sein wird, sinkt mit jedem voranschreitenden Monat.
Andererseits ist es nicht völlig ungewöhnlich, dass Hersteller speziell am Nürburgring lieber zunächst ein etabliertes Auto anstelle eines flammneuen einsetzen. Bestes Beispiel: Am vergangenen Wochenende fuhr Abt Sportsline mit dem Lamborghini Huracan GT3 Evo2, obwohl der Nachfolger namens Temerario bereits im Einsatz ist, unter anderem in der DTM.
Mercedes schrammt an Nürburgring-Doppelsieg vorbei
Mercedes-AMG hatte Ende März die ersten Erlkönig-Bilder des künftigen GT3-Autos veröffentlicht, dem der neue Straßenwagen 'Mercedes-AMG GT Black Series' als Homologationsmodell dient. Laut FIA-Vorgaben muss ein Hersteller mindestens 300 Serienfahrzeuge bauen, um daraus ein GT3-Auto für den Einsatz in Serien wie der DTM, WEC oder GT World Challenge ableiten zu können.
Klar ist nur, dass die nächste GT3-Generation erneut mit einem V8-Motor ausgestattet wird, wobei genaue Motorenparameter noch nicht verraten werden. Ein V8-Aggregat war es auch, dass Mercedes zum Sieg bei der 54. Auflage des Nürburgring-Rennens führte. Es hätte locker ein Doppelsieg werden können, wäre der #3 Mercedes um Max Verstappen nicht dreieinhalb Stunden vor Schluss einer defekten Antriebswelle zum Opfer gefallen.
"Der Nürburgring ist für uns eine sehr wichtige Plattform", sagte Sagemüller. "Den allerersten Sieg hier haben wir vor 100 Jahren als Mercedes errungen und 2016 folgte der historische Vierfachsieg. Diese zehn Jahre ohne Sieg waren lang - neunmal hier anzutreten, sich akribisch vorzubereiten und es dann nicht zu schaffen, das zehrt. Umso mehr merkt man jetzt, wie erlöst alle sind - Fahrer, Mechaniker, wir natürlich auch. Da fällt uns schon ein Stein vom Herzen."
Sagemüller: Verstappen ein riesiger Gewinn für den GT-Sport
Dass es Mercedes-AMG mit einem Kraftakt gelungen war, den Formel-1-Superstar Verstappen für das Rennen zu gewinnen, darf als weiterer Erfolg gewertet werden. Die Führungsetage hatte sich schon vor Monaten persönlich dafür eingesetzt, dass ein NLS-Rennen für den Red-Bull-Piloten verschoben wurde, damit sich Verstappen wie gefordert ausgiebig auf das 24h-Rennen vorbereiten konnte. Der Niederländer sorgte mit seinem Debüt für einen weltweiten GT3-Boom und hat der Nordschleife zusätzlichen Glanz verliehen.
AMG-Motorsportchef Sagemüller: "Allein die Tatsache, dass ein viermaliger Formel-1-Weltmeister so viel Leidenschaft für den GT-Sport zeigt, ist eine große Sache für uns und den Sport. Das hilft uns enorm. In den Medien und in Fankreisen wurde sehr viel über den GT-Sport gesprochen. Das wäre so noch vor einem Jahr undenkbar gewesen. Natürlich freut es mich auch persönlich, dass er uns als Marke gewählt hat und auf dem Mercedes-AMG GT3 fährt. Aber am Ende, und das müssen wir als oberstes Ziel sehen, ist es für den Sport ein riesiger Gewinn."
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