Am Dienstag nach seinem Horror-Unfall im Grand Prix in Barcelona begab sich Johann Zarco zu einem Spezialisten, um seine Bänderverletzung im Knie genauer untersuchen zu lassen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die erste MotoGP-Pause seiner Karriere wird lang. Der LCR-Pilot zeigte sich sehr selbstkritisch.

Bittere Diagnose: Lange Wartezeit, ehe Johann Zarco erst operiert werden kann

Wie sein Team am Dienstagmittag mitteilte, fand die Untersuchung bei Bertrand Sonnery-Cottet, einem renommierten Facharzt für Orthopädie, am Centre Orthopedique Santyin in Lyon statt. Durch die dortigen Erkenntnisse wird davon ausgegangen, dass Zarco einige Wochen lang warten muss, eher er eine Operation der Bänderverletzung am Knie unterzogen werden kann. Ein solcher Eingriff verlangt nach einer Verheilung seiner anderen Verletzungen am Bein, wie etwa der zugezogenen Wadenbeinfraktur. Erst nach der Operation kann dann ein konkreter Reha-Plan für ihn erstellt und eine Rückkehr an die Rennstrecke angepeilt werden.

Damit steht fest, dass Johann Zarco erstmals in seiner nun 17 Jahre lang andauernden Weltmeisterschaftskarriere Rennen aufgrund von einer Verletzung verpassen wird. Einsätze beim Double-Header in Mugello (29. Bis 31. Mai) und Ungarn (5. bis 7. Juni) sind nach den Informationen von LCR auszuschließen. Aber auch zwei Wochen danach geht es bereits mit dem nächsten Double-Header aus Brünn und Assen weiter. LCR will weitere Informationen liefern, sobald Genaueres prognostiziert werden kann.

Johann Zarco selbstkritisch nach Re-Start-Teilnahme: Wütend auf mich selbst!

Bereits vor der Mitteilung seines Teams hatte sich Johann Zarco in einem Interview mit der französischen Zeitung 'L'Epuipe' sehr selbstkritisch zu seinem Unfall geäußert. Der Honda-Pilot war bereits beim ersten Horror-Crash des Sonntags durch Trümmerteile des Motorrads von Alex Marquez in Mitleidenschaft gezogen worden. Trotzdem fuhr er beim Re-Start wieder mit. Bei diesem ereignete sich dann sein folgenschwerer Unfall, als er in Kurve 1 auf Luca Marini auffuhr und sich in einer Folgewirkung mit dem linken Bein im ebenfalls mitgerissenen Motorrad von Francesco Bagnaia verklemmte.

Fabio Di Giannantonio wird von Trümmerteilen getroffen
Zarco war bereits beim ersten Crash betroffen, Foto: IMAGO / Xinhua

Für das Risiko des Re-Starts ging er nun mit sich ins Gericht und nahm die Schuld des Unfalls auf sich: "Mein Fuß war bereits blau. Wir haben Eis auf die Prellung gegeben und der Schmerz wurde etwas geringer. Da hätte ich die Entscheidung treffen sollen, mich aus dem Rest des Rennens zurückziehen. Die Eindrücke von Alex' Unfall und dieser Schlag auf meinen Fuß: Das hat mich wirklich runtergezogen. Ich war nicht mehr im Fokus, als wir uns wieder in die Startaufstellung einreihten." Er fügte hinzu: "Ich bin wütend auf mich selbst, dass ich am zweiten Start teilnahm."

Johann Zarco löst den Startunfall beim Re-Start in Barcelona aus
Zarco löste den zweiten Startunfall aus, Foto: IMAGO / PsnewZ

Starke Schmerzen bei schlimmstem MotoGP-Unfall der Karriere: Noch nie so etwas erlebt

Trotz der schrecklichen Erinnerungen berichtete der MotoGP-Veteran von den Momenten des Unfalls: "Ich wurde [im Windschatten, Anm. d. Red.] von Marini eingesaugt und konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen, um ihm auszuweichen. Ich schleuderte in das Motorrad [von Bagnaia, Anm. d. Red.] und mein linkes Bein verklemmte sich zwischen Hinterrad, Sitz und Auspuff. Ich blieb im Kies liegen und schrie vor Schmerzen. Mein Bein erlitt Verbrennungen und alle stürmten zu mir, aber sie hatten Angst, dass sie die Verletzung noch schlimmer machen würden, wenn sie mich bewegten. Also habe ich selbst an meinem Bein gezogen und dann haben sie mir geholfen."

Mit 35 Jahren und gegen Ende seiner Karriere machte Zarco dann leider doch noch die Erfahrung der schlimmsten Seite seines gefährlichen Sports. "Sie haben mich festgehalten, meinen Anzug aufgeschnitten und mir eine Infusion gelegt, um die Schmerzen zu lindern. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Es war einfach nur furchtbar", gab er an. Es ist zu hoffen, dass es im Verlauf der nächsten Wochen wieder bessere Neuigkeiten für ihn gibt. Wie bereits zahlreiche Fans und Wegbegleiter möchte auch Motorsport-Magazin.com Johann Zarco eine gute Genesung wünschen.

Auch wenn Zarco die Schuld des Startunfalls aufgrund mangelnder Konzentration auf sich nahm, so ist ein solcher Vorfall in Barcelona mittlerweile leider eher die Regel als die Ausnahme. Die MotoGP-Fahrer übten daher Kritik und haben auch eine konkrete Forderung: