Die umstrittene Reifendruckregel der MotoGP schlug am Sonntag in Barcelona wieder zu. Gleich fünf Fahrern wurden 16 Sekunden Strafe aufgebrummt. Einer verlor dadurch seinen Podestplatz. Seine Aussagen führen wieder einmal vor Augen, wie absurd diese Regel ist.
3 statt 20 Punkte: Reifendruckstrafe wirft Joan Mir in Barcelona weit zurück
Die Rede ist von Joan Mir. Der Honda-Pilot hatte beim dritten Re-Start nach zwei Abbrüchen am Ende Rang zwei erkämpft. Nach zahlreichen Stürzen an den bisherigen Wochenenden stellte dies einen Befreiungsschlag für den Spanier dar. Doch das Punktekonto merkte davon fast nichts. Statt 20 Zählern bekam er durch das Unterschreiten des Mindestdrucks im Vorderreifen nur noch deren drei für Rang 13. Alles zu dem dramatischen Sonntag gibt es bei uns im Video:
In der Pressekonferenz am Sonntag wusste der Weltmeister von 2020 noch nicht, wie die Untersuchung gegen ihn ausgehen würde. Die MotoGP-Stewards verkündeten die Urteile erst deutlich später. Es gab es aber einen Test am Montag, nach dem sich Mir doch noch zum Verlust seines Podiums äußern konnte. Seine Informationen machen sprachlos.
0,004 Bar entscheiden über "unfaire" Strafe in 'MotoGP-Sprint' am Sonntag
Auf die Frage, um wie viel er den vorgeschriebenen Mindestreifendruck unterschritten hatte, antwortete der Honda -Mann: "Es war eine Kleinigkeit. 0,004 [Bar]." Im Prinzip entschied also ein Hauch von Nichts über das Podium. Er wollte sein Schicksal zunächst abhaken: "Für die Punkte in der Meisterschaft zählt es, aber mich kümmert es nicht, denn es ist nicht meine Schuld. Ich habe 100 Prozent gegeben und habe eine großartige Fahrt gezeigt."

Im weiteren Verlauf seiner Medienrunde zeigte sich dann aber doch der Ärger über ein absurdes Regelwerk. "Das Ausmaß der Strafe ist für mich seltsam. Wir haben im Prinzip ein Sprint-Rennen gefahren und die Strafe war die für den Grand Prix.", stellte er fest. Tatsächlich war die Renndistanz nach zwei Abbrüchen auf 12 der ursprünglich 24 geplanten Runden verkürzt worden. Das Strafmaß blieb mit 16 Sekunden aber gleich. Im Sprint, der in Barcelona genau über diese 12 Runden geht, wären es laut Reglement 8 Sekunden Strafe.
Diese Unverhältnismäßigkeit ist ein weiterer Kritikpunkt an der Reifendruckregel. "In einem längeren Rennen werden die Abstände zu den anderen größer. Vermutlich wäre ich dann Neunter oder Achter. Jetzt bin ich 13ter. Das ist nicht fair", stellte Joan Mir klar. Bei 8 Sekunden Strafe wäre es Rang 11 für ihn geworden.
3 Sekunden für Barcelona-Rüpel Ai Ogura: Wo ist die Verhältnismäßigkeit?

Der Unmut der Fans über die Reifendruck-Regel bleibt bestehen, auch im Vergleich zu anderen Strafen. Ai Ogura schoss Pedro Acosta in der letzten Kurve aus dem Rennen und bekam dafür drei Strafsekunden. Der Japaner bezeichnete sein rüdes Manöver als "dumm" und "peinlich". Letztlich fällt seine Bestrafung aber nicht einmal ein Fünftel so hart wie für 0,004 Bar zu wenig Reifendruck aus. Das kann eigentlich niemand mehr nachvollziehen. Dementsprechend klar fielen auch die Beschwerden in den sozialen Netzwerken aus.
Wer auf baldige Erlösung von diesem Irrsinn hoffte, wird enttäuscht. Auch Pirelli, der neue Reifenhersteller ab 2027, wird die Mindestdruckregel beibehalten:



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