Im kommenden Jahr startet die MotoGP in eine völlig neue Ära - mit brandneuen 850ccm-Motorrädern, aber auch mit einem neuen Reifenhersteller. Pirelli übernimmt den Status als Einheitslieferant der Königsklasse von Michelin, die stattdessen künftig die Superbike-Weltmeisterschaft beliefern werden. Ein Wechsel, der bei vielen MotoGP-Fans freudig zur Kenntnis genommen wurde - speziell aus einem Grund.

MotoGP-Fans hoffen: Ohne Michelin auch keine Reifendruckregel mehr?

Zur Saisonmitte 2023 führte Michelin nämlich die ungeliebte Reifendruckregel ein. Eine Vorgabe, wie hoch der Luftdruck in Vorder- und Hinterreifen mindestens sein soll, gab es in der MotoGP schon immer. Daran gehalten wurde sich aber nicht immer - unter anderem, weil es kein einheitliches Messsystem gab. Das änderte sich 2023 jedoch, weil Michelin und die Verantwortlichen der Königsklasse darin ein Sicherheitsrisiko sahen.

Michelin raus, Pirelli rein! Folgen der MotoGP-Reifenrevolution (06:21 Min.)

Wer den vorgeschriebenen Mindestdruck nicht einhält, wird seither bestraft. Im zweiten Halbjahr 2023 wurde zunächst auf ein Prinzip der Strafensteigerung gesetzt, ab 2024 sollte dann eigentlich jedes Vergehen zur Disqualifikation vom Rennergebnis führen. Dies wurde dann aber doch als zu hart eingestuft, weshalb seither jedes Reifendruckvergehen im Sprint eine 8-Sekunden-Zeitstrafe und jedes Vergehen im Grand Prix eine 16-Sekunden-Zeitstrafe nach sich zieht.

Allseits unbeliebt: Keiner mag die Reifendruckregel der MotoGP

Das große Problem mit der Reifendruckregel: Es ist nicht immer möglich, sie einzuhalten. Der Reifendruck hängt nämlich auch stark von der Rennsituation ab. Bei der Fahrt im Verkehr erhöht er sich durch die Abluft der anderen Motorräder und stärker rutschende Reifen. Herrscht hingegen freie Fahrt, kann er absinken. Welches Szenario im Rennen eintrifft, ist für Fahrer und Teams aber unmöglich vorherzusehen. Man kann auf einen guten Start und freie Fahrt spekulieren, aber eine Garantie gibt es dafür wahrlich nicht. Wird der Reifendruck dennoch sehr hoch angesetzt, erhöht er sich im Verkehr nur noch weiter und macht Überholen damit praktisch unmöglich. Zudem steigt das Sturzrisiko.

Setzt ein Fahrer den Reifendruck wiederrum sehr niedrig an, weil er mit viel Verkehr rechnet und dann aber doch freie Fahrt hat, kann der Druck in den Keller gehen. Das passierte in den vergangenen Jahren schon mehrfach und hatte dann skurrile Rennverläufe zur Folge. Bestes Beispiel: Beim Saisonstart 2025 verkalkulierte sich das Ducati-Team bei Marc Marquez. Der MotoGP-Superstar musste sich daraufhin hinter Bruder Alex zurückfallen lassen und etliche Runden in dessen Windschatten drehen, um keine Strafe zu riskieren. Mit echtem Racing hat das natürlich nichts zu tun, weshalb Ex-MotoGP-Pilot Alex Hofmann seinerzeit auch sehr deutlich wurde:

Ein weiteres Problem: Die Strafen für Reifendruckvergehen lassen oftmals lange auf sich warten und werden teilweise erst Stunden nach Rennende verkündet. Vor wenigen Wochen in Austin verlor Pedro Acosta seinen Podiumsplatz im Sprint etwa zweieinhalb Stunden nach Zielankunft noch. 2025 war Maverick Vinales im Katar-GP Ähnliches passiert, weshalb auch KTM-Boss Pit Beirer schon deutliche Worte über die Reifendruckregel verlor. Mit seiner Schimpftirade sprach der Deutsche wohl vielen Fans aus der Seele und daher auch die Hoffnung, diese ungeliebte Regel mit dem Hersteller-Wechsel zu Pirelli wieder loszuwerden.

Keine MotoGP-Erlösung: Reifendruckregel auch für 2027 bestätigt

Doch diese Hoffnung zerschlug sich am Donnerstagnachmittag. Im Rahmen mehrerer Meetings in den vergangenen Wochen beschloss die Grand-Prix-Commission - bestehend aus Vertretern von Motorradweltverband FIM, Promoter MotoGP Sports Entertainment Group, Teamvereinigung IRTA und Herstellerbund MSMA - nämlich, dass die Reifendruckregel auch 2027 beibehalten werden wird. "Das derzeit in der MotoGP-Klasse eingesetzte Reifendruckkontrollsystem wird auch in der Saison 2027 weiterverwendet", heißt es in einer Pressemitteilung.

Damit gilt also im ersten MotoGP-Jahr Pirellis ein Mindestdruck in Vorder- und Hinterreifen. Ob dieser identisch zu jenen der aktuellen Michelin-Ära ausfallen werden, muss in den nächsten Monaten erst noch festgelegt werden, zumindest die Strafen bei einem Vergehen bleiben aber gleich. Im Sprint muss der vorgeschriebene Luftdruck für mindestens 30 Prozent der Runden eingehalten werden, im Grand Prix für mindestens 60 Prozent der Runden. Anderenfalls gibt es besagte Zeitstrafen über 8 oder 16 Sekunden. Damit ist nun auch fix, was uns Pirelli- Motorradsportchef Giorgio Barbier schon vor geraumer Zeit im Exklusiv-Interview verraten hatte. Es gibt aber zumindest berechtigte Hoffnung, dass die Reifendruckregel ab 2028 dann aus der Königsklasse verschwinden könnte. Mehr dazu hier.

Neben dem Erhalt der Reifendruckregel für 2027 wurde am Donnerstag noch eine weitere, höchstspannende Entscheidung verkündet. Es wird in der MotoGP ab kommender Saison keine Wildcards mehr geben! Markus liefert euch im nachfolgenden Artikel alle Infos dazu: