Im KTM-Lager stehen entscheidende Tage an. Das langjährige MotoGP-Kundenteam von Tech3 will noch vor dem kommenden Rennwochenende in Le Mans (8. bis 10. Mai) beschließen, mit welchem Hersteller man ab 2027 zusammenarbeitet: Weiterhin mit KTM, oder doch mit Honda. Die Japaner wollen ihr MotoGP-Projekt ausweiten und zukünftig neben LCR einen weiteren Satellitenrennstall beliefern.

KTM hofft auf Tech3-Verbleib, aber...

Bei KTM glaubt man an eine Verlängerung der Partnerschaft mit Tech3. "Wir sind sehr zuversichtlich", erklärte Motorsportchef Pit Beirer in Jerez im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com . Ein neuer Deal mit Tech3 ist das Wunschszenario der Truppe in Orange: "Wir wollen Tech3 weiterhin bei uns haben, weil es dort viele Leute gibt, mit denen wir sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten. Wir suchen deshalb derzeit nicht aktiv nach Alternativen."

KTM flirtet mit Fabio Di Giannantonio! Was zu MotoGP-Deal fehlt (08:29 Min.)

Beirer verriet aber auch, dass für den Fall eines Tech3-Abgangs andere Optionen vorliegen: "Es gibt Signale von anderen Teams, die gerne mit uns sprechen würden." Eine Äußerung, die aufhorchen lässt. Denn alle anderen Kundenteams der MotoGP scheinen für 2027 keine Änderung des Motorradlieferanten anzustreben: Pramac wird mit Yamaha weitermachen, LCR mit Honda, Trackhouse mit Aprilia, VR46 mit Ducati. Und auch die zwischenzeitlich auf der Kippe stehende Zusammenarbeit zwischen Ducati und Gresini soll in eine neue Runde gehen.

CFMoto-Aspar liebäugelt mit MotoGP

Wie Motorsport-Magazin.com herausgefunden hat, dürfte das Interesse an KTM-Maschinen von einem Rennstall kommen, der aktuell nicht Teil der MotoGP ist. Das Aspar-Team, bereits von 2010 bis 2018 in der Königsklasse am Start, liebäugelt mit einer Rückkehr auf die ganz große Bühne. Teambesitzer Jorge 'Aspar' Martinez hat über die vergangenen Jahre eine beeindruckende Statur aufgebaut: Die Mannschaft ist in diversen Nachwuchs-Cups aktiv, ebenso in der Moto3 und Moto2. Dort tritt man unter dem Banner des chinesischen Motorradbauers CFMoto auf.

Die Aspar-Teamkollegen David Alonso und Dani Holgado
Aspar zählt zu den absoluten Spitzenteams der Moto2, Foto: Aspar Team

Dieser wiederum betreibt ein Joint-Venture mit KTM und hat ebenfalls große Ambitionen im Rennsport. Erst vor gut zwei Monaten wurde bekannt, dass CFMoto 51 Prozent der Unternehmensanteile an der Kalex GmbH übernimmt. Dieses Unternehmen aus der bayrischen Kleinstadt Bobingen dominiert ja seit über einem Jahrzehnt als Rahmenbauer die Moto2-Klasse.

Hersteller auf Raten für die MotoGP?

KTM-Maschinen, eingesetzt vom Aspar-Team und designt in den Farben von CFMoto würde also für alle Parteien viel Sinn ergeben. Startplätze für einen zusätzlichen Rennstall wären in der MotoGP vorhanden: 22 Maschinen stehen aktuell im Grid, 24 Bikes gelten als Obergrenze. Die seit dem Suzuki-Ausstieg Ende 2022 leeren Plätze wurden stets für einen neuen Hersteller freigehalten, doch es fehlt an echten Interessenten: BMW galt immer wieder als heißer Kandidat, doch zu einem Einstieg konnte man sich dort bislang nicht durchringen - und daran wird sich in absehbarer Zeit wohl nichts ändern.

Das CFMoto-Aspar-Konstrukt wäre zwar kein echter neuer Hersteller, für die MotoGP aber dennoch ein wertvoller Neuzugang. Man würde dem chinesischen Riesen - im Vorjahr wurden über 250.000 Einheiten verkauft - die Tür in die Königsklasse öffnen und einen vollwertigen Werkseinstieg schmackhaft machen. CFMoto an Bord würde wiederum der MotoGP den chinesischen Markt zugänglich machen, vielleicht sogar zur Austragung eines Grand Prix. Die MotoGP Sports Entertainment Group soll dieser Tag über eine Rückkehr nach Schanghai verhandeln.

Alle Details zum möglichen China-Comeback der MotoGP lest ihr in unserem Artikel: