Nach Jahren der Krise arbeitet Honda aktuell an der großen MotoGP-Wiederauferstehung. Dafür investiert man kräftig in das Projekt für 2027: Das betrifft einerseits die technische Entwicklung, aber auch den Fahrermarkt. Mit Fabio Quartararo wird ein echter Spitzenfahrer kommen, zudem konnte man sich für kolportierte zwei Millionen Euro jährlich die Dienste von Ausnahmetalent David Alonso sichern.
Honda 2027 mit sechs Bikes? Tech3 als Objekt der Begierde
Doch damit nicht genug: Im MotoGP-Paddock ist man sich einig, dass der Aufstieg von Ducati zur Supermacht der vergangenen Jahre wesentlich darauf zurückzuführen ist, dann man mit aktuell sechs und zwischenzeitlich acht Motorrädern das größte Kontingent im Feld stellt beziehungsweise stellte. Diesen Weg möchte Honda nun kopieren und 2027 von aktuell zwei auf drei Teams aufstocken.
Neu an Bord kommen soll dabei die aktuelle KTM-Kundenmannschaft von Tech3. Die Abwerbungsversuch sind kein Geheimnis. Manche Insider im Fahrerlager sehen die Entscheidung bereits zugunsten von Honda gefallen. Doch KTM-Motorsportchef Pit Beirer widerspricht dieser Sichtweise entschieden. "Wir sind sehr zuversichtlich", erklärt er am Freitag in Jerez im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com . "Tech3 ist eben das einzige Team im Fahrerlager, das vor einem Neuanfang steht. Deshalb wollen sie nicht alles einfach so weiterführen wie bisher."
Neue Tech3-Führung beurteilt KTM-Partnerschaft neu
Der Traditionsrennstall steht ja seit dieser Saison unter neuer Führung. Teamgründer Herve Poncharal verkaufte sein Lebenswerk an ein Konsortium rund um Ex-Formel-1-Teamchef Günther Steiner. "Tech3 will nicht Herve Poncharal 2.0, sondern Günther Steiner 1.0 machen", weiß Beirer. "Wir wissen, dass ein anderer Hersteller gerne mit ihnen zusammenarbeiten möchte. Aber auch wir führen sehr gute Gespräche mit ihnen und werden uns anstrengen, um eine weitere Zusammenarbeit hinzubekommen."

KTM sucht nicht nach Tech3-Ersatz
Wieso es zwischen KTM und Tech3 noch zu keiner neuen Einigung gekommen ist, will Beirer nicht verraten. Die monetäre Power von Honda spiele aber keine Rolle: "Finanziell liegt nicht viel zwischen unserem Angebot und dem von Honda. Es geht um andere Dinge. Aber wie gesagt: Ich bin zuversichtlich." Im KTM-Lager arbeitet man deshalb aktuell auch nicht an einem Plan B im Fall eines Tech3-Abgangs. "Es gibt Signale von anderen Teams, die gerne mit uns sprechen würden, aber wir wollen gar nicht in diese Richtung denken. Wir wollen Tech3 weiterhin bei uns haben, weil es dort viele Leute gibt, mit denen wir sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten. Wir suchen derzeit nicht aktiv nach Alternativen."
Klar ist aber auch: Die Zeit drängt. "Es sollte jetzt dann schon bald eine Entscheidung geben, denn es gibt im Anschluss natürlich noch viele andere Dinge zu klären: Welche Fahrer kommen zum Einsatz? Wie sehen die Crews aus?", verdeutlich Beirer. Das MotoGP-Paddock kämpft freilich aktuell aber mit einem gewaltigen Rückstau an Entscheidungen. Die Hersteller der Königsklasse - Ducati, Aprilia, KTM, Honda und Yamaha - konnten mit dem Promoter MotoGP Sports Entertainment Group (vormals Dorna) noch keine Einigung für die nächste fünfjährige Vertragsperiode ab 2027 erzielen. Und solange dieser Kontrakt nicht in trockenen Tüchern ist, gibt es auch keine offiziellen Bekanntgaben was Fahrer oder Kundenteams angeht.
Beirer sieht im politischen Kräftemessen zwischen Herstellern und Promoter aber Licht am Ende des Tunnels: "Ich denke, dass es nun relativ schnell gehen könnte. Es gibt Annäherungen an allen Fronten."



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