Obwohl das vierte Rennwochenende der Saison 2026 gerade erst begonnen hat, wird das Starterfeld für die MotoGP 2027 allmählich immer klarer. 14 der 22 Plätze scheinen inzwischen vergeben, einzig die offiziellen Bestätigungen lassen aktuell noch auf sich warten. Die jüngste Entwicklung: Yamaha hat Alex Rins vor die Tür gesetzt und sich Ai Ogura als künftigen Teamkollegen von Jorge Martin geschnappt. Ein Überraschungscoup, der nun Trackhouse unter Zugzwang setzt.

"Es gibt nichts zu verstecken. Ai hat uns gesagt, dass er nicht mit uns weitermachen wird", machte auch Teammanager Davide Brivio am Freitag in Jerez kein Geheimnis mehr daraus, dass Ogura seinen Rennstall mit Saisonende 2026 verlassen wird. Der Yamaha-Deal darf also als fix angesehen werden. Gut für Raul Fernandez, dessen Vertragsverlängerung nun oberste Priorität geniese. Wer sein neuer Teamkollege werden soll, ist derweil aber noch unklar. "Wir haben jetzt wohl einen Platz zur Verfügung und es gibt genug Interesse. Ein paar Manager haben schon angerufen. Wir evaluieren jetzt die möglichen Optionen", gab Brivio während des 60-minütigen Trainings im Gespräch mit Boxengassenreporter Jack Appleyard weiter an.

Davide Brivio verrät: Trackhouse will 2027 keinen MotoGP-Rookie!

In der Gerüchteküche waren in den vergangenen Tagen die Namen einiger Moto2-Piloten aufgetaucht. Schließlich gilt Brivio als Teammanager, der gerne jungen Talenten eine Chance in der Königsklasse gibt. Das tat er jüngst mit Ogura, zuvor aber auch schon mit Maverick Vinales, Alex Rins oder Joan Mir. Kein Wunder also, dass nun über eine abermalige Wiederholung dieses Szenarios spekuliert wurde. Speziell Intact-Pilot und Austin-Sieger Senna Agius stand dieser Tage im Zentrum der Spekulationen.

Ziemlich überraschend schob Brivio dem nun aber einen Riegel vor. In Jerez von Appleyard danach befragt, ob er auch jetzt wieder einen Neuling in die MotoGP holen könnte, antwortete der Trackhouse-Boss unmissverständlich: "Ich habe immer gerne mit Rookies zusammengearbeitet und es genossen, sie wachsen zu sehen. Das ist immer ziemlich aufregend. Aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Trackhouse ein konkurrenzfähiges Motorrad hat und wir deshalb auf gute Ergebnisse abzielen sollten."

Ein Rookie garantiert solche natürlich nicht, ein gestandener Siegfahrer schon eher. "Es ist an der Zeit zu versuchen, einen erfahrenen Piloten zu holen, der sofort bereit ist, um Podien und vielleicht auch Siege zu kämpfen. Das Motorrad gibt das her. Dieses Potenzial wollen wir jetzt ausnutzen", verdeutlichte Brivio das Anforderungsprofil des Ogura-Nachfolgers, wohlwissend "dass 2027 alle Motorräder neu sein werden und es einen Reset gibt. Aber ich bin zuversichtlich, dass Aprilia einen guten Job machen wird. Mit einem erfahrenen Piloten können wir auf Podien und die Top-Fünf abzielen, das müssen wir nutzen."

Trackhouse hat das MotoGP-Podium auch 2027 fest im Blick, Foto: Trackhouse Media
Trackhouse hat das MotoGP-Podium auch 2027 fest im Blick, Foto: Trackhouse Media

Trackhouse will siegfähigen MotoGP-Fahrer: Joan Mir in der Pole Position?

Schlechte Neuigkeiten also für Agius und Co., deren Aussichten auf die zweite Trackhouse-Aprilia damit empfindlich geschrumpft sind. Stattdessen scheinen nun zwei aktuelle MotoGP-Piloten die wahrscheinlichsten Kandidaten beim US-Rennstall zu sein. Einerseits handelt es sich dabei um Joan Mir. Der Honda-Pilot wurde in den vergangenen Wochen ohnehin schon immer wieder mit Trackhouse in Verbindung gebracht, weil er ein ausgezeichnetes Verhältnis zu Brivio pflegt. 2019 holte dieser Mir als Suzuki-Oberhaupt in die MotoGP, 2020 wurde man gemeinsam MotoGP-Weltmeister. Da käme eine Wiedervereinigung wahrlich nicht überraschend.

Es gibt jedoch ein Problem: Trackhouse scheint für Mir allenfalls eine Art 'Plan B' zu sein. Erst am Donnerstag verkündete er in seiner Medienrunde nämlich, weiterhin im Honda-Werksteam bleiben zu wollen und der Ansicht zu sein, dass er diesen Platz neben Fabio Quartararo auch verdient hätte. Darf Mir bleiben, würden die Japaner also wohl den Vorzug erhalten und selbst wenn diese lieber Luca Marini, Diogo Moreira oder David Alonso den Zuschlag geben sollten, könnte Mir alternativ auch in einem potenziellen Honda-Kundenteam um Tech3 unter kommen.

Joan Mir wurde 2020 unter Davide Brivios Führung Weltmeister, Foto: MotoGP.com
Joan Mir wurde 2020 unter Davide Brivios Führung Weltmeister, Foto: MotoGP.com

Überrascht Enea Bastianini mit MotoGP-Wechsel zu Trackhouse?

Das bringt dann Enea Bastianini ins Spiel. Der Italiener gilt zwar auch als heißer Anwärter auf den zweiten Gresini-Platz neben Daniel Holgado, meinte am Donnerstag aber, noch nichts final entschieden zu haben. Vielmehr gab 'La Bestia' sogar an, mit seiner Arbeitgeberwahl für 2027 den ein oder anderen "überraschen zu können". Zunächst unklar, was er damit aussagen wollte, könnte das nun einen Wechsel zu Trackhouse bedeuten. Zumindest Aprilia um Racing-CEO Massimo Rivola hatte in der Vergangenheit ohnehin schon mehrfach um ihn gebuhlt und nach Bekanntwerden des Abgangs von Jorge Martin zur Saison 2027 galt er abermals als Kandidat, ehe dann Francesco Bagnaia den Zuschlag erhielt.

Auch in der Personalie Bastianini gibt es aber einen Haken aus Trackhouse-Sicht. Denn dessen aktueller Arbeitgeber KTM verfügt über eine Option, den 2026 auslaufenden Vertrag um eine weitere Saison bis Ende 2027 zu verlängern. Wird diese gezogen, kann Bastianini nicht wechseln. Und das ist durchaus eine Option. "Wenn man den Fahrermarkt ganz nüchtern analysiert, gibt es für uns nicht viele Optionen, die besser sind als Enea", kommentierte Motorsportchef Pit Beirer am Freitag im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com .

KTM-Boss Pit Beirer stellt klar: Enea Bastianini könnte 2027 bleiben

Dass Bastianini die Österreicher mit Jahresende verlassen wird, ist also noch längst nicht in Stein gemeißelt. Beirer stellte zeitgleich aber auch klar: "Wir brauchen den guten Enea." Sein Potenzial hatte er zwar immer wieder aufblitzen lassen, oftmals aber auch enttäuscht. Ob es eine KTM-Zukunft geben wird, dürfte also auch von den Entwicklungen der nächsten Tage und Wochen abhängen: "Wir wissen, was er kann. Wir glauben an ihn und trauen uns zu, ihn dorthin zurückzubringen, wo er hingehört. Deshalb interessiert er uns auch für die Zukunft. Er ist ein Fahrer, der um das Podium fahren kann. Wir wissen, was er kann und was wir gemeinsam erreichen können. Aber wir wissen auch, dass wir es nicht schaffen, ihm das Fahrgefühl zu geben, was er immer bräuchte, damit er permanent vorne mitfahren kann. Wir werden uns um ihn bemühen. Aber wir können ihn auch nicht unter Vertrag nehmen, solange wir kein Kundenteam haben."

Enea Bastianini könnte 2027 weiterhin in KTM-Orange antreten, Foto: KTM Media
Enea Bastianini könnte 2027 weiterhin in KTM-Orange antreten, Foto: KTM Media

Um das Tech3-Team ranken sich wie bereits angesprochen Gerüchte, dass die Truppe von Günther Steiner 2027 zum Honda-Kundenteam werden könnte. Sollte das passieren, wäre Bastianinis KTM-Aus wohl besiegelt und der Weg zu Trackhouse frei. Bleibt Tech3 aber bei KTM und der Italiener liefert in den kommenden Grands Prix ähnlich gut wie etwa in Austin ab, könnte der Vertrag durchaus auch verlängert werden. Dann würde Trackhouse in die Röhre schauen. Sollte dann auch noch Mir absagen, wird es interessant zu sehen sein, wie Brivio reagieren würde. Nimmt er dann andere erfahrene, zuletzt aber eher enttäuschende Piloten wie Alex Rins, Brad Binder und Franco Morbidelli ins Visier? Oder würde der dann doch lieber auf einen Moto2-Rookie setzen?

Die Zukunft wird es zeigen - und damit ihr es nicht verpasst, sobald es soweit ist, könnt ihr seit Saisonbeginn unserem WhatsApp-Kanal folgen. Dort informieren wir euch sofort über die jüngsten Entwicklungen auf dem Transfermarkt.