Pole Position, Sprintsieg, Grand-Prix-Sieg und dazu ein Doppelausfall der beiden Aprilia-Werkspiloten - das MotoGP-Wochenende in Ungarn hätte für Marc Marquez kaum besser verlaufen können. Ganze 30 Punkte nahm er WM-Leader Marco Bezzecchi innerhalb zweier Rennen ab, auf Jorge Martin und Fabio Di Giannantonio holte er sogar 33 Punkte auf. Kein Wunder, dass nun jeder fragt: Ist Marquez wieder zurück im Titelkampf 2026?

Zurück im MotoGP-Titelkampf? Marc Marquez braucht noch Zeit

Im Rahmen der offiziellen MotoGP-Pressekonferenz sah sich der 33-Jährige aus Cervera auch selbst mit dieser Frage konfrontiert. Sein erster Impuls? Nein. "Ich bin noch nicht bereit", begann er seine umfängliche Antwort. "Ich würde wirklich gerne 'Ja' sagen, aber ich bin noch nicht in der nötigen Verfassung. Ich fühle mich noch nicht bereit für diesen Kampf. An diesem Wochenende war ich es vielleicht, aber in Mugello war ich noch zehn Sekunden im Rückstand", begründete er.

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Die körperliche Limitation sei aktuell also noch zu groß, um ernsthaft über einen Eingriff in den WM-Kampf der MotoGP nachzudenken. Die erst vor vier Wochen operierte rechte Schulter benötige noch mehr Zeit, um wieder vollständig zu regenerieren. "Marc muss sich erst wieder vollständig erholen und zu 100 Prozent fit werden. Und das wird sicher noch mindestens einen Monat dauern, vielleicht auch zwei", drückte auch Ducatis Teammanager Davide Tardozzi erstmal auf die Euphoriebremse.

Bei den nächsten beiden Grands Prix in Tschechien (19 bis 21. Juni) und Assen (26. bis 28. Juni) könnte also erstmal wieder Schadensbegrenzung statt voller Attacke angesagt sein. "Das sind zwei Strecken, die rechts herum führen und sehr fordernd für die rechte Schulter sind", stimmte auch Marquez selbst dieser These zu.

Brünn und Assen entscheidend: So wird Marc Marquez noch Teil des Titelkampfs

Doch dann? Dann geht es zum Abschluss der ersten Saisonhälfte auf den Sachsenring (10. bis 12. Juli) und dort scheinen 37 Punkte für Marquez nach der Galavorstellung am Balaton Park nur Formsache. Je nach Resultaten in Brünn und Assen könnte der Spanier also all jene Punkte, die er bei den nächsten beiden Grands Prix verlieren wird, schon in Deutschland wieder ausgleichen und mit einem Rückstand um die aktuellen 72 Zähler auf Bezzecchi in die Sommerpause gehen. Und dann müsste er in der zweiten Saisonhälfte im Schnitt nur noch sieben Punkte pro Grand-Prix-Wochenende aufholen, um 'Bezz' am Jahresende in Valencia doch noch abzufangen. Für einen bestenfalls wieder vollständig fitten Marquez sicher kein Ding der Unmöglichkeit.

Marc Marquez war in Ungarn nicht zu schlagen, Foto: MotoGP Press
Marc Marquez war in Ungarn nicht zu schlagen, Foto: MotoGP Press

"Es wird viel von Brünn und Assen abhängen", sagte der Titelverteidiger deshalb auch selbst und klang anschließend schon deutlich optimistischer: "Wir werden sehen. Ich will jetzt erstmal die Sommerpause nutzen und meine neuen 100 Prozent erreichen. Dann werden wir in der zweiten Saisonhälfte besser verstehen, wohin die Reise gehen kann. Aber ihr kennt mich: Wenn ich hier bin, dann um zu kämpfen - in jedem Rennen, in jedem Training."

Zwischen den Zeilen klingt da also sehr wohl eine gewisse Resthoffnung durch, nochmal in den Titelkampf eingreifen zu können. Doch Marquez war es abschließend auch nochmal ein Anliegen zu betonen, dass "alles möglich ist. Letztes Jahr haben die Leute nach Motegi nur darüber gesprochen, wie viele Rennen ich dieses Jahr wohl gewinnen würde. Dann kam Indonesien und hat alles verändert. Mit Alex [Marquez, Anm.] ist es das Gleiche. Letztes Jahr standen wir noch oftmals zusammen auf dem Podium und dieses Jahr sind wir dann innerhalb einer Woche im gleichen Krankenhaus gelandet. So ist das im Leben halt. Du kannst nur den Moment genießen und immer daran glauben."

Tatsächlich kann sich innerhalb eines Augenblickes alles ändern. Diese Erfahrung musste am Sonntag auch das Aprilia-Team machen. Ein kleiner Fehler von Jorge Martin hatte immense Konsequenzen und Boss Massimo Rivola war deshalb mächtig sauer: