Die MotoGP musste am Sonntag in Ungarn nach einem heftigen, durch Jorge Martin ausgelösten Startcrash erstmal durchatmen. Danach war zunächst dieselbe Langeweile wie am Samstag im Sprint zu befürchten. Die beiden Protagonisten an der Spitze hielten sich aber nicht an die Regieanweisung. Ein harter Zweikampf der Extraklasse verzückte die Fans, obwohl es wieder einmal denselben Ausgang wie immer gab.
Marc Marquez: Bei zwei Kämpfern kommt eine harte Schlacht heraus
"Wenn ein Kämpfer auf den anderen trifft, dann kommt eine harte Schlacht dabei heraus", sagte Sieger Marc Marquez nach dem Rennen. Sein Kronprinz hatte ihm das Leben in einem Privatduell um die Spitze mehr als schwer gemacht. Pedro Acosta lieferte dem Weltmeister den Kampf, den er am Samstag noch nicht leisten konnte. Am Ende stand trotzdem Sieg Nummer 100 in der Motorrad-WM für Marquez auf der Habenseite. Auf die besten Erfolge blicken wir hier zurück:
Für Acosta hingegen bedeutet die erneute Niederlage einen Negativrekord. Mit nun 13 Podiumsplatzierungen ohne Sieg hat er Collin Edwards übertroffen. Den lange überfälligen ersten Triumph hat ihm auch Marquez bereits mehrfach verwehrt. Bitterkeit gibt es aber keine. Die beiden sind harte Rivalen, schätzen sich aber auch dafür. "Es ist immer schön, mit dem Champion zu kämpfen. Jemanden wie ihn zurückzuüberholen, ist nie einfach. Das hat mir gefallen. Ich glaube, das ist jetzt schon das dritte Duell mit Marc, das ich verloren habe. Aber wenn wir uns weiter mit ihm duellieren können, dann bedeutet das auch, dass wir eine gute Saison fahren", zog der 'Hai' sein Fazit.
Der Fehler des Marc Marquez: Reifenwahl gibt Pedro Acosta eine Chance
Doch bevor wir zum heißen Duell der Runden 14 und 15 kommen, muss erst die Ausgangslage in den Blick rücken. Am Samstag im Sprint war Marquez einfach konkurrenzlos vom Start weg davongefahren. Was war diesmal anders? Die Antwort ist schwarz und kommt aus dem Hause Michelin.

Marc Marquez wählte einen Hinterreifen, der ihm das Leben etwas schwerer machte. "In der Startaufstellung habe ich das entschieden und zum Glück bin ich jetzt hier [als Sieger in der Pressekonferenz, Anm. d. Red], sonst würde Gigi [Dall'Igna] mich umbringen. Pecco [Bagnaia] kann das auch bestätigen: Alle Ducati-ingenieure haben uns dazu gedrängt, dass wir den Soft nehmen, aber beide haben wir uns für den Medium entschieden. Ich glaube das war falsch, weil wir uns am Anfang schwertaten. Mit dem Soft wäre es einfacher gewesen, aber zum Glück hatte ich genug Speed", kommentierte die Nummer 93.
Lob für KTMs MotoGP-Star: Hat er perfekt gemacht!
Im Gegensatz dazu setzte Acosta auf den weichen Reifen am Heck. Für den Jungstar die richtige Wahl: "Ich bin zufrieden mit meiner Entscheidung. Ich hatte viele Fragezeichen beim Medium. Den habe ich am Freitag und Samstag ausprobiert. Da funktionierte er nicht wie erwartet. Also haben wir uns für das geringere Übel entschieden. Am Start habe ich hart gepusht und dann meine Pace aufrechterhalten."
Der KTM-Pilot wusste seinen Reifenvorteil zu in der Starphase zu nutzen. "Am Anfang hat er es perfekt gemacht. Er überholte mich und pushte. Ich hatte ein paar Probleme, den Reifen auf Temperatur zu bringen, aber ich blieb geduldig und find dann wieder an, zu attackieren", lobte Marc Marquez seinen Gegner. Sobald die Reifen im Fenster waren, knabberte der Titelverteidiger Acostas Vorsprung Runde um Runde weg. Es war ihm klar: "Mit freier Bahn wusste ich, dass ich schneller sein würde."
Immer Platz gelassen, doch Marc Marquez scherzt: Bei drei Runden Zweikampf vielleicht nicht im Ziel!
Doch Acosta würde nicht einfach Platz machen. In Runde 14 griff Marquez erstmals an. Es folgten zwei Runden harter Zweikampf, wie ihn sich die Fans wünschen. "Ich kenne Pedro, er bremst hart. Das war am Limit, wir haben uns zwei oder dreimal berührt, aber immer noch den richtigen Platz gelassen. Es wäre sehr leicht, hier einfach die Linie zuzumachen, aber wir haben uns stets den Platz gelassen. Das ging zwei Runden lang so", freute sich Marc Marquez über grandioses Racing, und fügte scherzhaft hinzu: "Wenn das noch eine dritte Runde so gegangen wäre, dann komme ich oder er vielleicht nicht ins Ziel (lacht, Anm. d. Red.)."
Am Ende setzte sich der Ducati-Pilot aber durch und fuhr davon. In der erneuten Niederlage hätte Pedro Acosta Frust schieben können, aber auch bei ihm gab es nichts dergleichen zu hören: "Sobald er mich endgültig überholte, fuhr er einfach weg. Es waren aber einige gute Manöver und ich konnte mehrfach zurückkämpfen. Für mich war das eine schöne Erfahrung." Und das gilt wohl auch für alle Zuschauer.
Was meint ihr? Wann kann Pedro Acosta endlich einmal den Spieß umdrehen und seinen ersten Sieg holen? Sagt es uns in den Kommentaren.



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