Am Samstagabend hatte sich Jorge Martin noch optimistisch gezeigt, im Ungarn-GP deutlich besser abschneiden zu können als im Sprint, wo ihm lediglich Platz sechs gelungen war. "Ich bin nicht weit weg. Eine kleine Setup-Änderung könnte mir schon viel Rundenzeit bringen", meinte er selbstbewusst. Bestätigen konnte der WM-Anwärter diese Aussagen am Sonntag allerdings nicht, denn sein Rennen war - ebenso wie das dreier Kollegen - schon in Kurve eins zu Ende.
Nach MotoGP-Startkollision: Keine Verletzung, aber Strafe für Jorge Martin
Eigentlich ganz gut weggekommen, vermasselte Martin die erste Bremsphase nach dem Rennstart nämlich komplett. Die Front seines Motorrads begann sichtlich zu wackeln, er verlor die Kontrolle und krachte mit hohem Tempo in die vor ihm fahrenden Fahrer. Zunächst erwischte der Weltmeister von 2024 ausgerechnet Aprilia-Teamkollege Marco Bezzecchi und in weiterer Folge wurden dann auch noch Raul Fernandez, Fermin Aldeguer und Fabio Di Giannantonio zu Boden gerissen. Einzig Letzterer konnte das Rennen nochmal aufnehmen und als Zwölfter immerhin noch vier WM-Punkte retten.
Für Martin und auch für Bezzecchi ging es daraufhin in Medical Center, denn sie hatten bei der Kollision am Start sichtlich einstecken müssen. Die erfreuliche Nachricht: In beiden Fällen konnte Aprilia recht schnell Entwarnung geben. Es wurden bei beiden Piloten keine Knochenbrüche entdeckt, womit ihre Rennstarts in zwei Wochen in Brünn (19. bis 21. Juni) nicht in Gefahr sein sollten. Bei Bezzecchi wurden 'nur' Prellungen am rechten Bein und an der rechten Hand festgestellt, bei Martin am Rücken und dem rechten Fuß. Fernandez kam ebenso wie Aldeguer sogar gänzlich mit dem Schrecken davon. Damit dann aber auch genug der positiven Nachrichten für Noale und den 'Martinator'.
Denn die MotoGP-Stewards untersuchten den Zwischenfall natürlich sofort und verkündeten um 15:35 Uhr am Sonntagnachmittag ihr gespannt erwartetes Urteil. Sie erkannten Martin wenig überraschend als Schuldigen und belegten ihn mit einer harten Strafe, weil er mit seinem Verhalten eine gefährliche Situation für mehrere Fahrer samt Kollision verursacht habe. Beim nächsten Grand Prix, an dem der 28-Jährige aus Madrid teilnehmen wird [vermutlich also in Tschechien, Anm.] wird er gleich zweimal durch die Longlap-Penalty fahren müssen.
"Wir riskieren unser Leben!" - Fabio Di Giannantonio fordert härtere Strafen
Martin selbst konnte sich am Sonntag nicht mehr zu seinem Startpatzer oder seiner Strafe äußern, denn Aprilia sagte seine Medienrunde ab. Unfallgegner Di Giannantonio sprach aber sehr wohl und der VR46-Pilot kochte regelrecht. "Ich bin wirklich angepisst", wütete er vor versammelter Medienlandschaft und machte dann mehr als deutlich, dass ihm eine doppelte Longlap-Penalty nicht ausreichte: "Ich spreche nicht nur wegen Jorge, sondern auch für mich. Wir riskieren da immer zu viel. Es geht nicht nur darum, dass wir die Front verlieren. Wir riskieren das Leben von uns und anderen Fahrern. Heute hätte es viel schlimmer ausgehen können und das kann uns doch nicht im Geringsten gefallen. Wenn wir das nicht mit gut gemeinten Strafen kapieren, dann braucht es eben schlimme Strafen. Es ist eigentlich komplett verrückt, dass du vor dem Rennen nicht für ein gutes Resultat betest, sondern dass du heil durch die erste Kurve kommst."

Es ist schließlich auch erst drei Wochen her, dass die MotoGP in Barcelona nur mit viel Glück um eine Tradögie beim Rennstart herum kam. Damals verbremste sich Johann Zarco und blieb mit seinem Bein im Motorrad von Francesco Bagnaia hängen. Er kam in Anbetracht des Unfalls um das Schlimmste herum, droht nun aber dennoch für längere Zeit auszufallen. Welche Strafe ihn bei seiner Rückkehr erwartet, ist bislang noch nicht bekannt. Klar ist aber, dass die MotoGP auf diese immer häufiger vorkommenden Startunfälle reagieren musste. Vergangene Woche berichtete Sportdirektor Carlos Ezpeleta erstmals von angedachten Sicherheitsupdates und allem Anschein nach werden zwei davon schon in Kürze umgesetzt. Denn wie 'Motorsport.com' am Sonntag berichtete, soll der Abstand zwischen den Startreihen ab dem Deutschland-GP von neun auf zwölf Meter vergrößert werden und die Verwendung der Holeshot-Devices ab dem Großbritannien-GP untersagt werden. Auch ohne härtere Strafen scheint also eine Entschärfung der kritischen Start-Situation in Sicht.
Aprilia-Boss kritisiert Jorge Martin: Zu viel Risiko in Kurve eins!
Doch wie kam es denn jetzt eigentlich zur Startkollision am Balaton Park? Fabio Quartararo machte am Sonntagnachmittag weniger Martin, sondern primär die Strecke dafür verantwortlich. "Ich war konzentriert auf die erste Kurve, aber natürlich habe ich gesehen, wie Martin aufgeschaukelt wurde. Ich kenne diese Erfahrung, da mir das letztes Jahr passiert ist. Ich wusste also sicher, dass da etwas passieren würde in der ersten Kurve. Der Grip war sehr schlecht. Das gesamte Wochenende waren die Bedingungen wirklich schlecht. Im Rennen war das fast wie auf Öl, einfach super rutschig", kritisierte der Yamaha-Pilot.
Das erkannte auch Aprilias Racing-CEO Massimo Rivola an, doch der Italiener übte auch klare Kritik an seinem Schützling. "Das ist schwierig zu akzeptieren, aber wir können es jetzt sowieso nicht mehr ändern. Ich möchte mich erstmal bei allen beteiligten Fahrern entschuldigen. Das Gute ist, dass niemand schwerer verletzt wurde, denn den Bildern zufolge war das Risiko heute hoch", begann er in einer extra einberufenen Medienrunde. Einem etwa von ServusTV-Experte Alex Hofmann vermuteten Defekt am Holeshot-Device widersprach er anschließend, machte klar: "Das Frustrierende ist für mich, dass einer unserer Fahrer heute diesen Fehler in Kurve eins gemacht hat, die einfach nicht passieren dürfen. Natürlich war es Pech, dass er dann in eine andere Aprilia hineingestürzt ist. Aber wir sollten da alle einfach etwas entspannter in Kurve eins gehen - speziell dann, wenn die Bedingungen so schwierig sind."
Was meint ihr: Ist eine doppelte Longlap-Penalty eine angemessene Strafe für Jorge Martin? Und was haltet ihr von den geplanten Startänderungen ab Deutschland bzw. Großbritannien? Sagt es uns in den Kommentaren!
Abseits des Chaos in Kurve eins hat sich Marc Marquez am Sonntag derweil seinen 100. Grand-Prix-Sieg geschnappt. Wir haben auf seine besten zurückgeblickt:



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