Vor zwei Wochen erlebte die MotoGP in Barcelona zwei wahrlich schreckliche Unfälle, die schon im Nachgang des Katalonien-GPs für ordentlich Gesprächsstoff sorgten. Um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden, will die MotoGP Sports Entertainment Group (ehemals Dorna, Anm.) jetzt Konsequenzen ziehen. Mehrere Anpassungen werden geprüft, die am Donnerstag in Mugello in einem Meeting mit den Teams diskutiert wurden und zum Teil sogar noch 2026 umgesetzt werden könnten.
MotoGP evaluiert Anpassungen nach Barcelona-Schock
"Wir versuchen, aus jedem Zwischenfall zu lernen. Wir sind uns einig, dass die Regeln und Prozesse in Barcelona korrekt ausgeführt wurden, aber es gibt dennoch Dinge, die verbessert werden können", kündigte Sportdirektor Carlos Ezpeleta am Freitag im offiziellen Livestream der MotoGP an. Wie er des Weiteren bekanntgab, könnten aus dem Zarco-Crash gleich drei Veränderungen hervorgehen und aus dem Auffahrunfall von Alex Marquez zumindest eine.
"Einmal geht es um das Grid selbst. Wir spielen mit dem Gedanken, zwischen den Fahrern [Startboxen, Anm.] mehr Platz zu schaffen, damit sie mit größeren Abständen durch Kurve eins hindurchkommen können", lautet die erste Idee. Diese könnte laut Ezpeleta schon in der laufenden Saison umgesetzt werden, spätestens aber 2027. Etwas mehr Zeit braucht man eventuell an manchen Strecken, die größere Veränderungen benötigen würden. "In manchen Fällen müssen wir den Abstand von der letzten Kurve bis zur Startlinie oder andere größere Dinge berücksichtigen", so der MotoGP-Sportdirektor. Startaufstellungen mit starker Steigung oder Gefälle beziehungsweise Startaufstellungen die in eine Kurve führen sind für die MotoGP natürlich ein Tabu.
Holeshot-Device-Verbot schon 2026?
Schneller und einfacher umsetzbar wäre wohl die nächste Idee. "Wir sprechen über ein generelles Verbot von Holeshot-Devices auf allen Strecken", verrät Ezpeleta. Die Vorrichtungen zum Absenken der Motorräder am Start gelten seit Jahren als Sicherheitsrisiko und sind 2027 auch nicht mehr erlaubt. Sie verkomplizieren Kurve eins durch das veränderte Fahrverhalten für die Fahrer zusätzlich, immer wieder kommt es auch zu Zwischenfällen, bei denen sich die Devices nicht wie vorgesehen durch das erste Bremsmanöver deaktivieren. "Der Vorschlag liegt nun auf dem Tisch der Hersteller", sieht Ezpeleta nun die Werke in der Pflicht.
Diese sind auch gefordert, wenn es darum geht, Verletzungen wie jene von Johann Zarco in Barcelona zukünftig zu vermeiden. Der LCR-Pilot wurde ja mit seinem Bein im Bereich des Hinterrades von Francesco Bagnaias Ducati eingeklemmt, schwere Bänderverletzungen waren die Folge. "Zarcos Unfall war der dramatischste den wir hatten, aber es gab schon mehrere vergleichbare", weiß auch Carlos Ezpeleta. "Wir sprechen deshalb mit den Herstellern über eine Schutzabdeckung in diesem Bereich. Die Gespräche sind positiv und eine Lösung scheint nicht allzu weit entfernt."
MotoGP plant Defekt-Warnsystem
Der vierte Vorschlag aus dem Meeting am Donnerstag in Mugello bezieht sich auf den fürchterlichen Unfall von Alex Marquez, der ins Heck von Pedro Acostas defekter KTM gekracht war und anschließend in Richtung Streckenmauer geschleudert wurde. "Das Ziel ist ein System, das im Fall eines technischen Defekts nachkommende Fahrer warnt", erklärt Ezpeleta. "Bei diesem Unfall in Barcelona hätte das wohl nichts gebracht, weil Alex so dicht hinter Pedro gefahren ist. Aber es gibt Fälle, in denen so ein System einen entscheidenden Unterschied machen könnte."
Alle diese Vorschläge werden nach dem Meeting mit den Teams am Donnerstag am Freitagabend auch mit den Fahrern in der traditionellen Zusammenkunft mit den Fahrern im Rahmen der Safety-Commission besprochen. Diese seit langer Zeit etablierte Institution hat in den vergangenen Jahren allerdings zunehmend an Bedeutung verloren. Nahm früher regelmäßig fast das gesamte Feld daran teil, tauchte zuletzt oft nicht einmal eine Handvoll Fahrer auf. Durchaus denkbar allerdings, dass die Vorkommnisse von Barcelona und die nun angeregten Veränderungen zumindest in Mugello wieder zu einer größeren Teilnehmerzahl führen.
Während diese angeregten Änderungen gute Chancen haben, auf positives Fahrer-Feedback zu treffen, gibt es für einen anderen Vorschlag nur Ablehnung der Piloten. Was es damit auf sich hat, lest ihr hier:



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