Die MotoGP erlebt Zeiten der Veränderung. Die Vorbereitungen für das neue Reglement von 2027 laufen auf Hochtouren und offenbar diskutieren die Hersteller mit Neu-Eigner Liberty Media in diesem Zuge auch eine Möglichkeit der Kostenreduzierung. Die Fahrer waren von der Idee in Mugello alles andere als begeistert.

MotoGP-Pläne: Ab 2027 nur noch ein Bike pro Fahrer

Die Rede ist davon, dass auch in der Königklasse ab 2027 auf ein Motorrad pro Fahrer reduziert wird. In der Moto2 und Moto3 ist das der Standard, in der MotoGP hingegen stehen stets zwei Maschinen pro Pilot in der Box. Nach Informationen gut vernetzter spanischer Journalistenkollegen wird aus Kostengründen darüber nachgedacht, nun auch in der höchsten Klasse auf das Ein-Bike-Modell zu setzen. Umgekehrt könnt ihr in unserem neuesten Video sehen, wenn zwei Menschen auf einem MotoGP-Bike sitzen:

Wie brutal ist ein MotoGP-Bike? Jonas Folger: Ultra anstrengend (13:41 Min.)

Dass diese Überlegung eine offenbar ernste Option darstellt, zeigte die Reaktion der Fahrer am Donnerstag vor dem Italien Grand Prix. Einzig Jorge Martin tat die Diskussion als Gerücht ab. "Ich habe davon gehört, aber ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Gerüchte bleiben Gerüchte. Keine Ahnung, ob das wahr ist, oder nicht. Ich mag es, zwei Motorräder zu haben, aber wir werden nicht kontrollieren können, was sie entscheiden. Wenn wir nur ein Bike haben sollten, dann werde ich versuchen, auch das zu genießen", meinte der Spanier relativ gleichgültig.

Schlecht für die Show, kein Flag-to-Flag möglich: Fahrer halten Idee für "einfach schlecht"

Damit blieb er aber in der Minderheit. Seine Fahrer-Kollegen machten klare Ansagen. "Für die Show wäre das schlimm. Eines der coolsten Dinge, die du sehen kannst, ist doch, wenn ein Fahrer im Qualifying stürzt, zurück an die Box rennt und dann Pole-Position mit dem anderen Motorrad holt. Das wollen wir doch sehen, das ist viel Adrenalin", positioniert sich Luca Marini klar.

Flag-to-Flag-Szenarien wären unmöglich, Foto: VR46 Media
Flag-to-Flag-Szenarien wären unmöglich, Foto: VR46 Media

Fabio Quartararo wies neben dem Qualifying-Beispiel auch noch auf einen anderen Verlust für den Sport hin: "Es ist einfach schlecht. Wie soll denn dann noch ein Flag-to-Flag-Rennen funktionieren? Es ist doch auch gut für die Show, wenn du nach Sturz im Qualifying wieder zur Box rennen kannst und auf das andere Bike steigst. Zwei Motorräder sind doch viel schöner."

KTM-Duo warnt: Wenig Fahrbetrieb und Ausfälle in wichtigen Sessions möglich

Für Pedro Acosta sind letztlich alle Sessions betroffen: "Das ist eine wirklich schlechte Idee. Ich verstehe schon, dass die Meisterschaft und die Hersteller die Kosten reduzieren wollen, aber das bedeutet doch: Wenn du im Warm Up stürzt, kannst du das Rennen verpassen. Wenn du im FP2 stürzt, verpasst du das Qualifying. Wenn du in FP1 stürzt, was leicht passieren kannst, da du nicht die besten Reifen dafür hernimmst, dann kannst du dir das Training verbauen." Eine Start-Garantie für die nächste Session sei kaum menschenmöglich: "Ich verstehe ja, dass die MotoGP teuer ist. Aber es kann auch nicht der Weg sein, dass die Jungs in der Box ein Bike innerhalb von drei Stunden komplett von Neu aufbauen müssen."

Manche Bikes können nicht schnell genug repariert werden, Foto: IMAGO / Onzex Press e Imagens
Manche Bikes können nicht schnell genug repariert werden, Foto: IMAGO / Onzex Press e Imagens

Für KTM-Teamkollege Brad Binder wird es auch zu weniger Betrieb kommen, da Setup-Änderungen zwischen den Runs eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen: "Viele Leute werden dann einfach in der Box sitzen und nicht auf der Strecke sein. Ich mag, dass wir zwei Bikes in der MotoGP haben. Es gibt dir die Möglichkeit, mehr herumzuspielen und präziser vorzugehen. Ich persönlich denke, dass es immer zwei Motorräder in der MotoGP sein sollten."

MotoGP-Fahrer akzeptieren Kostenargument nicht: Am Ende immer ein Ersatzmotorrad da

Das sportliche Urteil über den Vorschlag fällt also vernichtend aus, aber auch das Argument der Kosteneinsparung überzeugt die Fahrer nicht. Letztlich würde effektiv alles beim Alten bleiben. "Wenn sie sagen, es sei Aufgrund der Kosten und des Geldes, dann glaube ich nicht, dass es irgendwas ändern wird. Selbst wenn da nur ein Bike in der Garage ist, dann steht hinter der Garage schon ein weiteres bereit, falls ein Problem auftritt", argumentiert Luca Marini.

Die MotoGP-Crew von Pedro Acosta arbeitet am Motorrad
Laut Luca Marini bräuchte es nicht weniger Mechaniker, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Pedro Acosta hat diesen Gedanken ebenfalls und würde sich vielleicht sogar noch auf einen Kompromiss einlassen: "Ich verstehe, dass du vielleicht sagst, dass nur ein Bike pro Session benutzt werden darf. Aber du musst immer ein Ersatzmotorrad für solche Szenarien in der Hinterhand haben. Ansonsten kann dein Wochenende schon am ersten Tag hinüber sein."

Auch das Argument, dass dadurch weniger Mechaniker und damit weniger Gehalt notwendig wären, fegt Honda-Pilot Marini vom Tisch: "Wenn du weniger Zeit [für Reparaturen und Setup-Arbeiten, Anm. d. Red.] hast, dann musst du schneller arbeiten und dafür brauchst du dann auch wieder mehr Mechaniker [an einem Motorrad, Anm. d. Red]. Außerdem macht doch für einen Hersteller ein Mechaniker keinen großen Unterschied in Bezug auf das Gesamtbudget. Den 1000er-Motor gegen einen 850er auszutauschen ist eine viel teurere Idee und diese haben sie bereits beschlossen." Einen Beliebtheitspreis gewinnen die Verantwortlichen mit ihrer Idee also sicher nicht. Es wäre aber auch bei weitem nicht das erste Mal, dass Entscheidungen gegen den Willen der Fahrer getroffen werden.

Was meint ihr? Ist dieser Vorschlag aus Kostengründen nachvollziehbar, oder stimmt ihr den Fahrern zu? Sagt es uns in den Kommentaren.