"Morgen wird ein Ducati-Tag", hatte Marc Marquez am Samstag nach dem zweiten Sprintsieg seiner MotoGP-Karriere am Sachsenring selbstbewusst angekündigt. Tatsächlich verkam der Deutschland-GP am Sonntag aber nicht zu Festspielen der Desmosedici. Vielmehr patzten Bruder Alex und Fabio Di Giannantonio, weshalb im Rennen gleich zwei Aprilias den Weg auf das Podium fanden. Da zumindest er selbst aber ablieferte, kümmerte Marc Marquez die RS-GP-Überzahl auf dem Podest kein Bisschen.

Marc Marquez stellt historischen MotoGP-Rekord mit Sachsenring-Sieg ein

MotoGP-Sieg Nummer zehn am Sachsenring bedeutete die Einstellung eines 51 Jahre alten Rekords von WM-Ikone Giacomo Agostini, der bislang als einziger Pilot in der Königsklasse zehn Mal auf der gleichen Strecke gewinnen konnte. "Zehn Siege in der MotoGP-Klasse auf der gleichen Strecke? Das ist etwas Fantastisches. Ich bin zwar nicht zu 100 Prozent glücklich, weil ich Alex gerne neben mir auf dem Podium gehabt hätte, aber wir haben zumindest in meiner Garage wirklich großartig gearbeitet und das Maximum aus diesem Wochenende herausgeholt", jubelte Marquez im Interview beim MotoGP-Format 'After the Flag' auf die Einstellung dieses besonderen Bestwerts angesprochen.

Im Rennen selbst wurde es - wie schon am Vortag - ein Start-Ziel-Sieg. Anders als im Sprint musste der Ducati-Werksfahrer diesmal aber etwas mehr zittern. "Ich hatte zu Beginn ein komisches Gefühl mit der Front. Ich habe nicht verstanden, ob ich Graining bekomme oder nicht", berichtete Marquez, keinen Spaziergang zum Sieg gehabt zu haben. "Ich musste dann etwas Tempo rausnehmen und wurde deshalb wieder eingeholt. Später habe ich die Front dann aber verstanden und als ich dann wieder gepusht habe, konnte ich die Lücke auch wieder öffnen. Ich wusste, dass es auf dieser Strecke schwierig werden würde, einen Rückstand von anderthalb oder zwei Sekunden nochmal aufzuholen."

Tatsächlich wurde die Nummer 93 nicht mehr eingeholt. Selbst Ai Ogura konnte keinen beträchtlichen Boden mehr gutmachen, nachdem er in der Schlussphase an Trackhouse-Teamkollege Raul Fernandez vorbeigegangen war. Die logische Konsequenz sind die nächsten 37 Punkte für Marquez, die ihn in der Fahrerwertung nun schon auf Rang drei nach vorne gespült haben. Auf den Führenden Jorge Martin fehlen nur noch 18 Zähler - und das, nachdem der Titelverteidiger infolge des Italien-GPs vor sechs Wochen schon 102 Punkte im Rückstand gewesen war.

MotoGP-Weltmeister? Marc Marquez: Nur unter einer Bedingung!

"Ich kann mir das nicht erklären, ich verstehe die letzten Rennen nicht", konnte Marquez über diese drastische Wende im Titelkampf nur schmunzeln. Nicht Wenige haben den 33-Jährigen aus Cervera längst wieder als Favoriten auf die MotoGP-Weltmeisterschaft 2026 ausgemacht. Er selbst stimmte am Sonntag aber nur unter einer Bedingung zu: "Die Wahrheit ist: Wenn ich wirklich um diese Weltmeisterschaft kämpfen will, dann muss ich noch einige Dinge verbessern. Oder besser gesagt: Ich muss den rechten Arm verbessern. Das ist der einzige Punkt, in dem ich nachlegen muss."

Marc Marquez im MotoGP-Training am Sachsenring
Marc Marquez fühlt sich weiterhin nicht bei 100 Prozent, Foto: IMAGO / Alexander Trienitz

Nach der erneuten Schulteroperation Mitte Mai sieht sich Marquez weiterhin nicht vollständig fit. "Ich habe noch einige Schwachpunkte, die ich verbessern muss. Es gibt einige Stellen, wo ich das Motorrad nur fahre. Da kann ich nicht mit meinem Körper spielen. Daran muss ich arbeiten", gab er an. In der dreiwöchigen Sommerpause werden deshalb viele Stunden im Fitnessstudio auf den MotoGP-Superstar warten. Das Resultat dieser wird dann entscheidend für den weiteren Saisonverlauf: "Wenn ich einen Schritt mit meinem Arm machen kann, werde ich um die Weltmeisterschaft kämpfen. Wenn nicht, dann muss ich von Wochenende zu Wochenende schauen und sehen, was wir dort jeweils ausrichten können."

In der Weltmeisterschaft bereits überholt hat Marquez jedenfalls Marco Bezzecchi, der am Sonntag erfolgreich in Italien operiert wurde. Ziel ist das Comeback in Silverstone, doch es gibt Zweifel. Mehr dazu in diesem Artikel: