Am Rande der verbleibenden Europa-Saison der Formel 1 wird im Unterbau in den nächsten Wochen bis zum Spanien-GP in Madrid bereits eine Meisterschaft entschieden. Die Formel 3 hat fünf Wochenenden geschlagen, und vier - darunter ein ungewöhnliches Finale mit drei Rennen in Madrid - stehen noch an. Motorsport-Magazin.com gibt ein Update, wie es um die Titelaspiranten steht, bevor es in Spa weitergeht.
Nach den Nahost-Absagen steht inzwischen fest, dass die Formel 3 ihre Saison jedenfalls im F1-Rahmenprogramm in Spa, Budapest, Monza und Madrid beenden wird. Erst vor einer Woche wurde hier verkündet, dass in Madrid als Ersatz für den Verlust von Bahrain ein zweites Hauptrennen ins Programm gequetscht wird. Statt des üblichen Qualifying-Sprint-Hauptrenn-Formates gibt es dort am Freitag zwei Qualifyings, einen Sprint, und dann am Samstag und am Sonntag je basierend auf einem Qualifying ein langes Hauptrennen.
Ex-McLaren-Junior Ugo Ugochukwu gibt 2026 den Ton an
Heißt einfach gesagt: 10 Rennen bereits gefahren, 9 verbleiben noch, also mehr oder weniger Saisonhalbzeit. Zu dieser hat sich mit dem 19-jährigen Amerikaner Ugo Ugochukwu erst einmal ein klarer Favorit etabliert, nachdem er im Winter nach einem mageren ersten F3-Jahr den McLaren-Förderkader verlassen hatte.
Jahr zwei läuft für Ugochukwu aber nach einem Teamwechsel zum Meisterteam Campos hervorragend. Zwei Siege und drei weitere Podien haben ihm eine Tabellenführung mit 18 Punkten Vorsprung eingebracht. Er ist in einer turbulenten Saison bislang der Einzige, der schon zwei Siege auf dem Konto hat, und repräsentativ für ein Jahr, in dem Erfahrung zählt. Vier aus den Top-5 sind in ihrem zweiten Jahr.

Audi-Junior Freddie Slater besticht im ersten Formel-3-Jahr
Da fällt es natürlich auf, wenn man der einzige Fahrer unter den Top-5 in seinem ersten Jahr ist. Nicht nur das trifft auf Freddie Slater zu, der in diesem Winter der erste Fahrer im neuen F1-Nachwuchskader von Audi wurde. Der 17-jährige Brite hat sich nach fünf Wochenenden als Ugochukwus erster Herausforderer vom Rest sogar etwas abgesetzt und wie sein amerikanischer Rivale bereits fünf Podien. Niemand sonst stand so oft auf dem Treppchen.

Was Slater fehlt, ist der erste Sieg. In Spielberg und Silverstone war der in Griffweite, aber beide Male ließ er sich auf der Strecke niederringen. Hier besteht Nachholbedarf. Seine absolute Pace wird hingegen nur besser. In Silverstone holte er seine erste F3-Pole.
Rohe Pace ist das, was dahinter Theophile Nael auf dem dritten Rang hält. Der Franzose hatte das Vorjahr mit einem prestigeträchtigen Macau-Sieg beendet und schien davon beflügelt mit drei Poles in Serie in sein zweites F3-Jahr zu starten, doch die Umsetzung im Rennen lässt gegenüber seines Campos-Teamkollegen Ugochukwu zu Wünschen übrig.
Nur einmal verwandelte Nael eine Pole auch in einen Hauptrennsieg. Ansonsten gab es viele Strafen, mehrmals selbstverschuldet, Fehlstarts, Abkürzen, magere Rennpace, das alles resultiert in mittlerweile 44 Punkten Rückstand und einer bizarren Ergebnisbilanz. In 10 Rennen schrieb Nael sechs Nuller. Auf der anderen Seite stehen drei Podien.
Ex-Förderpiloten statt Academy-Stars geben den F3-Ton an
Neben dem Ex-McLaren-Kadermitglied Ugochukwu ist mit Noah Stromsted auch ein Ex-Mercedes-Junior vorn dabei. Stromsted ist ein weiterer der zahlreichen Fahrer mit nur einem Sieg. Dafür zeigt der 18-jährige Däne in seinem zweiten F3-Jahr Konstanz mit sechs Top-5-Ergebnissen. Der Sieg im Hauptrennen von Spielberg war aber auch das einzige Podium.
Die Top-5 komplettiert Bruno del Pino, der sich ebenfalls lange mit Konstanz über Wasser hielt und das Auftakt-Sprintrennen in Australien gewann. Seither ging es aber langsam rückwärts. Seit P2 im Monaco-Sprint war er nicht mehr unter den Top-5, seit dem Spielberg-Sprint nicht mehr in den Punkten. So haben eine Reihe weniger konstanter Fahrer zu ihm aufgeschlossen.

Red Bull, McLaren, Ferrari: Schwacher aktueller F3-Nachwuchskader?
Nur ein Audi-Junior ist also in den Top-5 vertreten. Die großen Nachwuchsprogramme fehlen nicht nur in den Top-5, sondern auch in den Top-10. Keine Spur von einem Red-Bull-Junior etwa. Der amtierende britische F4-Meister Fionn McLaughlin und der Eurocup-3-Meister Mattia Colnagi haben beide überhaupt erst je ein Punkteergebnis geschafft und liegen im Nirgendwo auf P24 und P25.
Einzig der 17-jährige Mexikaner Ernesto Rivera hält auf P11 die Red-Bull-Flagge hoch. Er hatte nach einer Verletzung im Winter den Saisonstart in Australien auslassen und das erste F3-Rennen der Karriere gleich einmal in Monaco fahren müssen. P5 im Qualifying und Hauptrennen war da eigentlich beachtlich, ein Sieg im Spielberg-Sprint folgte.
McLaren-Junior Matteo De Palo war mit vielen Vorschusslorbeeren in die Saison gestartet, und seine Trident-Teamkollegen Slater und Stromsted zeigen aktuell groß auf. De Palo aber crashte im allerersten Qualifying, fiel in ein Loch und blieb bis Silverstone punktelos. Dort schien der Knopf aufzugehen. P4 im Sprint, Sieg im Hauptrennen erst nachträglich wegen eines illegalen Diffusors aberkannt, aber endlich hatte er auch auf der Strecke bewiesen, dass Selbstvertrauen und Pace noch da waren. Der Titel wird bei aktuell nur 7 Punkten schon abzuschreiben sein, aber jetzt geht es darum, endlich Stabilität reinzubringen.

In Sachen Ferrari Driver Academy ist weiterhin sehr wenig vom 19-jährigen Finnen Tuukka Taponen zu sehen. Auch in seinem zweiten Jahr fliegt Taponen in der Formel 3 unter dem Radar, hat nur drei Punkteergebnisse und kein Podest. Da vor ihm in der Ferrari-Pipeline mit Oliver Bearman (Haas-F1-Pilot) und Rafael Camara (F2-Gesamt-Dritter) aktuell zwei auf hohem Niveau abliefern, sieht es für Taponen zunehmend düster aus.
Für Prema geht währenddessen die Schwächeperiode weiter. Das einstige Top-Team hat nur einen Sprintsieg in Barcelona durch James Wharton auf dem Konto. Davor hatten Wharton und Teamkollege Louis Sharp mit einem heftigen Crash in Australien für einen Albtraum-Start gesorgt. Wharton zog sich dabei auch noch einen Pneumothorax zu. Mit den Gesamträngen 15 (Wharton) und 17 (Sharp) ist nicht viel zu holen.
Weiter geht es für die Fomel 3 wie auch für die Formel 1 am nächten Wochenende auf dem legendären Circuit Spa-Francorchamps. Alle Infos zur Ardennen-Achterbahn gibt es im folgenden Artikel:



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