Gerade mal sechs Tage ist es her, dass Aprilia in Mugello das vielleicht beste Wochenende der eigenen MotoGP-Geschichte erlebte. Die ersten drei Plätze im Qualifying, Doppelsieg im Sprint, Doppelsieg im Grand Prix und das alles auf der vermeintlichen Lieblingsstrecke des größten Rivalen. Spätestens damit schien deshalb klar, dass die RS-GP nun auf allen MotoGP-Strecken herausragend gut funktioniert. Doch das war womöglich ein Trugschluss.
Am Balaton Park Circuit spielen die Motorräder aus Noale an der Spitze bislang nämlich kaum eine Rolle. Nach den Trainings am Freitag fehlten Raul Fernandez als bestem Aprilia-Piloten happige 0,501 Sekunden auf Platz eins und im Qualifying lag Marco Bezzecchi als bestplatzierter RS-GP-Fahrer sogar 0,643 Sekunden hinter Polesitter Marc Marquez zurück. Dass er seine Aprilia im Sprint als Dritter immerhin noch auf das Podium stellen und damit einen gebrauchten Tag retten konnte, lag primär an einer verkorksten Startphase von Fermin Aldeguer.
Aprilia-Piloten erklären: Darum passt Ungarn nicht zur RS-GP
Was ist da also los in Noale? Warum läuft im Ungarn-GP bislang kaum etwas zusammen? Es scheint, als wäre die RS-GP des Jahrgangs 2026 schlicht nicht für enge Kurven gemacht, die es am Balaton Park Circuit natürlich zu Hauf gibt. "Wenn wir die Bremse lösen, kommen wir recht leicht von unserer Linie ab", kommentierte Jorge Martin am Samstag nach P6 im Sprint und beschrieb dann: "Wir haben Probleme, das Motorrad um die engen Kurven zu lenken. In Sektor zwei, wo es viel auf Downforce ankommt, sind wir extrem konkurrenzfähig. Das Motorrad funktioniert aerodynamisch also sehr gut. Aber sobald wir die Downforce in den langsamen Kurven verlieren, bekommen wir Probleme."
Trackhouse-Kollege Fernandez wählte ähnliche Worte. "Wir können hier unseren Fahrstil nicht zu 100 Prozent umsetzen. Unsere Stärke ist eigentlich die Stabilität, aber hier hast du keine Kurven, in denen es auf Stabilität ankommt", meinte er. Anschließend lobte der Spanier dann auch noch die Konkurrenz: "Es gibt einfach auch zwei Fahrer, die hier den Unterschied machen. Sie leisten bessere Arbeit als wir." Gemeint sind damit natürlich Marquez und Pedro Acosta, die in Ungarn bislang den Ton angegeben haben. Ai Ogura stimmte zu: "Wir untersuchen noch, warum wir hier Probleme haben. Vielleicht liegt es aber einfach an den Fahrern."
Marco Bezzecchi nimmt Aprilia in die Pflicht: Besser anpassen!
"Sie sind super schnell. Sie bremsen besser und lenken dann schnell und eng ein, während wir in diesen engen Kurven noch etwas mehr finden müssen", schlug letztlich auch noch Bezzecchi in die gleiche Kerbe. Daran allein wollte er den deutlichen Rückstand auf Marquez und Acosta aber auch nicht festmachen. Vielmehr nahm der WM-Leader abschließend auch die Aprilia-Truppe in die Pflicht: "Die Bedingungen sind hier ganz anders als letztes Jahr. Der Grip ist deutlich geringer und die Rundenzeiten sind in allen Sessions langsamer gewesen als letztes Jahr. Da ist es schwer, Konstanz zu finden. Du hast in keiner Session die gleichen Bedingungen wie zuvor. Im Sprint habe ich mich in den ersten Runden wie auf Eis gefühlt. Es liegt also nicht nur an der Stop-and-Go-Strecke. Wir müssen uns einfach auch besser an die sich verändernden Bedingungen anpassen."

Bislang war genau das eigentlich immer eine Stärke des Herstellers aus Noale, schon mehrfach konnten in diesem Jahr Rennwochenenden mit beachtlichen Leistungssteigerungen von Freitag auf Samstag oder von Samstag auf Sonntag gedreht werden. Und genau darauf wird auch jetzt wieder gehofft. "Wir lernen die Strecke mit jeder Runde besser kennen und finden vielleicht eine Linie, die uns hilft. Ich denke, dass wir uns morgen verbessern können", meinte 'Bezz' und Stallgefährte Martin gab zu verstehen: "Ich bin nicht weit weg und ich denke, dass mir eine kleine Setup-Änderung schon viel Rundenzeit bringen könnte. Wir müssen die Reifen einfach mehr zum Arbeiten bringen. Normalerweise machen wir von Samstag auf Sonntag einen Schritt. Ich hoffe, dass wir das morgen wieder tun können."
Noch sollte man die Aprilias für den Ungarn-GP also nicht abschreiben, zumal auch unklar ist, ob Marc Marquez sein dominantes Niveau vom Samstag über eine gesamte Renndistanz aufrechthalten kann. Was glaubt ihr: Schlagen die Aprilias am Sonntag abermals zurück? Sagt es uns in den Kommentaren. Wie Marquez' Galavorstellung im Sprint möglich wurde, erfahrt ihr derweil in diesem Artikel:



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