Nach einem Dreierpodium in Barcelona hätte Ducati am Sonntag wohl liebend gerne das nächste Zeichen im MotoGP-Titelkampf mit dem aufmüpfigen Nachbarn aus Noale gezeigt. Schließlich war Mugello in den letzten Jahren auch die Ducati-Strecke schlechthin. Seit 2022 wurden alle Rennen von Motorrädern aus Borgo Panigale gewonnen, der Heim-Grand-Prix verkam stets zu roten Festspielen. Und danach sah es auch 2026 zunächst wieder aus: Fabio Di Giannantonio schnappte sich alle drei Trainingsbestzeiten, am Freitagnachmittag landeten fünf Ducatis in den Top-Sechs. Ausgerechnet dann, als es zählte, folgte jedoch das böse Erwachen.

Aprilia trumpf auf Ducatis MotoGP-Lieblingsstrecke groß auf

Topspeedrekord im FP2. Die erste MotoGP-Rundenzeit in Mugello unter der 1:44er-Marke. Die erste Pole Position im Autodromo seit 1999. Zum ersten Mal überhaupt drei RS-GPS in Startreihe eins. Ein ungefährdeter Doppelsieg im Sprint und eine wahre Machtdemonstration im Grand Prix. Ausgerechnet der Erzrivale trumpfte an Samstag und Sonntag groß auf. Nur mit viel Glück reichte es für Ducati überhaupt noch zu einem Podiumsbesuch durch Francesco Bagnaia, anderenfalls hätte es sogar den erst zweiten Dreifachsieg in der MotoGP-Geschichte für Aprilia gegeben.

Muskelrisse durch MotoGP-Überbelastung: Brutales Mugello (07:55 Min.)

Weil es aber ausgerechnet der künftige Teamkollege von Marco Bezzecchi war, der Ai Ogura einen Abstecher auf das Podest verwehrte, kümmerte dieser kleine Makel in einem anstonsten bockstarken Wochenende bei Aprilia niemanden. Im Gegenteil, die Freude über die Galavorstellung in Mugello war gigantisch. "Das ist ziemlich speziell, ich freue mich wie ein Igel", rang Racing-CEO Massimo Rivola am Sonntagabend fast schon nach Worten. "Am Mittwoch waren wir mit unseren Fahrern in Pontedera, wo Piaggio [der Konzern, zu dem Aprilia gehört, Anm.] sitzt und die Roller sowie die ikonische Vespa baut. Dort all die Leute zu sehen und am Sonntag dann hier auf dem Podium zu sein, das macht mich sehr emotional."

Was Aprilias Erfolg im vermeintlichen Ducati-Land noch süßer machte: Unabhängig von der roten Dominanz im Autodromo war man auf dieser Strecke, die nur 240 Kilometer vom eigenen Werk in Noale entfernt liegt, selbst eigentlich nie erfolgreich gewesen. Lediglich einmal, im Jahr 2022, hatte es Aleix Espargaro als Dritter auf das Podium geschafft. Davon abgesehen hatte der zweite italienische MotoGP-Hersteller seit Neuerfindung der Königsklasse im Jahr 2002 keinerlei Erfolge in Mugello vorzuweisen. Und es hatte ja selbst 2026 zunächst nicht danach ausgesehen. Nach den Trainings am Freitag lagen Bezzecchi und Martin nur auf den Plätzen sieben und acht, zudem schaffte es erstmals in der laufenden Saison keine Trackhouse-Maschine direkt in Q2.

Aprilia feiert Mugello-Triumph: Sind jetzt überall konkurrenzfähig!

"Aus sportlicher Sicht gibt uns dieser Erfolg große Genugtuung, aber uns Technikern bedeutet er noch viel mehr. Mugello war auf dem Papier nie eine Strecke, die uns gelegen ist. Jetzt aber hierher zu kommen und den Topspeedrekord sowie den Rundenrekord aufgestellt zu haben, verdeutlicht die Qualität unserer Arbeit", freute sich Technikdirektor Fabiano Sterlacchini daher besonders über diese beachtliche Trendwende. Wie sie gelungen ist? "Wir haben die Charakteristik dieser Strecke analysiert und uns bestmöglich vorbereitet. Während dem Wochenende haben wir durch Meetings und Analysen mit den Fahrern ihren Fahrstil, das Setup des Motorrad, die Elektronik und alles anpassen können. Das haben wir sehr gut hinbekommen."

Marco Bezzecchi war am Sonntag der gefeierte Held, Foto: MotoGP Press
Marco Bezzecchi war am Sonntag der gefeierte Held, Foto: MotoGP Press

"Was mich noch stolzer macht ist, dass wir am Freitag oftmals nicht die Schnellsten sind, uns während des Wochenendes aber deutlich steigern können", stieß Rivola in die gleiche Kerbe. Der Italiener frohlockte daher: "Das ist die Bestätigung, dass wir jetzt praktisch überall konkurrenzfähig sind. Wir haben zwei starke Fahrer, die auf allen Strecken abliefern. Deshalb können wir mit Zuversicht nach vorne schauen."

Frust im Ducati-Lager: Niederlage gegen Aprilia beim Heimspiel schmerzt!

Während in Mugello diesmal also Aprilia feiern durfte, kehrte bei Ducati Ernüchterung ein. "Ob das schmerzt? Auf jeden Fall", machte Teammanager Davide Tardozzi im Interview mit 'Sky Italia' kein Geheimnis daraus, wie sehr ihm diese Heimschmach wehgetan hatte. Er gab offen zu, "dass sie besser waren als wir und schon seit Beginn der Saison schneller sind. Es liegt jetzt an uns daran zu arbeiten, Marc und Pecco wieder in die Lage zu versetzen, dass sie um Siege kämpfen können. Ich schätze, dass wir zwei bis drei Zehntel pro Runde zurückliegen. Aber wir haben erkannt, in welchen Phasen der Runde sie stärker sind als wir und daran werden wir jetzt arbeiten."

Davide Tardozzi hatte in Mugello wenig Grund zur Freude, Foto: Ducati Media
Davide Tardozzi hatte in Mugello wenig Grund zur Freude, Foto: Ducati Media

Ob die Lücke zu Aprilia in der laufenden Saison aber nochmal geschlossen werden kann? Das werden die kommenden Monate zeigen. Klar ist jedenfalls: Der italienische Rivale wird sich nach der Mugello-Gala nicht auf die faule Haut legen, hat vielmehr Blut geleckt. "Nach dem schwierigen Wochenende in Barcelona mit vielen Stürzen und einer enttäuschenden Performance war es wichtig für uns, an diesem Wochenende eine Antwort zu geben. Das haben wir geschafft und darüber sind wir sehr froh", kommentierte Sterlacchini und schickte dann eine Kampfansage gen Borgo Panigale: "Wir reisen jetzt mit viel Hunger nach Ungarn. Wir werden dort mit der gleichen Intensität weiterarbeiten wie bisher."

Was meint ihr: Kann Ducati Aprilia im MotoGP-Jahr 2026 nochmal einholen oder sollten sich die Roten jetzt besser auf 2027 fokussieren? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!

Ein ganz besonderer Moment war der Mugello-Erfolg auch für Marco Bezzecchi. Der WM-Leader gab zu, unter enormem Druck gestanden zu haben. Wie er seinen emotionalen Heimsieg wahrgenommen hat, erfahrt ihr hier: