"Er verdient dieses Ergebnis. In Italien auf einem italienischen Motorrad zu gewinnen, ist etwas ganz besonderes. Ich freue mich sehr für ihn und Aprilia", kommentierte Francesco Bagnaia den emotionalen ersten Heimsieg von Kumpel Marco Bezzecchi am Sonntagabend. Der gebürtige Turiner weiß schließlich, wovon er spricht. Zwischen 2022 und 2024 gewann Bagnaia den Italien-GP selbst drei Jahre in Folge und Nummer vier hätte er am Sonntag wohl nur zu gerne folgen lassen. Doch daraus wurde trotz starker erster Rennhälfte nichts. Das Warten auf den ersten MotoGP-Sieg seit Motegi im letzten Herbst geht weiter.
Packende Schlussphase: Francesco Bagnaia rettet MotoGP-Podium in Mugello
"Ich hatte schon darauf gehofft", gab Bagnaia in seiner Rennanalyse im MotoGP-Format 'After the Flag' offen zu, den vierten Erfolg vor Heimpublikum im Blick gehabt zu haben. Zu Beginn von Runde drei in Führung gegangen, sah es zunächst ja auch gut aus, "aber dann hat der Hinterreifen zu sehr nachgelassen. Mir war dann sofort klar, dass mich 'Bezz' überholen würde. Es ging dann für mich nur noch darum, ruhig zu bleiben. Anderenfalls hätte ich auch noch das Podium verloren, denn das war das Maximum für mich."
Selbst danach hatte es in der letzten Runde aber sogar ausgesehen. Nachdem Bagnaia von Bezzecchi und dessen Aprilia-Teamkollege Jorge Martin regelrecht stehen gelassen wurde, kam von hinten auch noch Ai Ogura mit Siebenmeilenstiefeln angeflogen. "Als ich vier Sekunden Vorsprung auf Pedro [Acosta] hatte, dachte ich, dass ich das managen könnte. Als ich [auf dem Pitboard, Anm.] dann aber Ai hinter mir gesehen habe, war mir sofort klar, dass er mich noch einholen würde. Er ist unglaublich in den letzten Runden. In Kurve 12 habe ich sein Motorrad zum ersten Mal gehört."
Für Bagnaia begannen dann bange Momente, in der Schlusskurve folgte der augenscheinlich unvermeidbare Angriff des Trackhouse-Piloten. Bagnaia hatte jedoch damit gerechnet. "Ich habe mir gesagt, dass ich in der letzten Kurve so hart wie möglich bremsen müsste, um ihm ja keinen Platz zu geben. Wenn er dennoch versuchen würde, mich zu überholen, würde er dann weitgehen", berichtete er. Genau so kam es, Bagnaia zog innen wieder vorbei und gewann daraufhin den Sprint zur Ziellinie. "Die Strategie war am Limit, aber richtig", atmete der 28-Jährige deshalb auf und berichtete dann noch von einem kleinen Schreckmoment: "Mein Dashboard hat mir plötzlich angezeigt, dass es noch zwei Runden waren. Da war ich kurz etwas verwirrt, denn noch eine Runde hätte ich mich nicht vorne halten können. Zum Glück war die karierte Flagge dann aber doch da."

Mugello als Wendepunkt? Francesco Bagnaia hofft Rückkehr zur alten MotoGP-Form
Das nachträgliche Podium vor zwei Wochen in Barcelona ausgeklammert, hat es Bagnaia damit erstmals seit Motegi 2025 wieder an einem Sonntag unter die besten Drei der MotoGP geschafft. Trotz der deutlichen Niederlage gegen Aprilia - Bezzecchi distanzierte ihn in den letzten zehn Rennrunden noch auf 5,098 Sekunden - zog er deshalb ein zufriedenes Fazit. Ob die gezeigte Leistung ein Boost sei? "Ja, sehr", lautete die eindeutige Antwort. "Es ist recht klar, wo wir zu kämpfen haben. Es fehlt uns an Grip am Heck, auch im Vergleich mit den anderen Ducatis. Wir gehen deshalb unseren eigenen Weg. Seit zwei Jahren hat mein Motorrad eine andere Balance und wir versuchen, wieder zur alten zurückzufinden. Schritt für Schritt kommen wir näher und das zeigen auch die Ergebnisse, die jetzt wieder kommen."
Tatsächlich erinnerte Bagnaia in der ersten Rennhälfte des Italien-GPs wieder an seine beste Zeiten aus 2022, 2023 oder 2024. Aber ist dieser Aufwärtstrend wirklich auch von Dauer? Von vermeintlichen Durchbrüchen hatte er in den vergangenen zwölf Monaten schließlich immer wieder gesprochen, nur um dann meist schon am nachfolgenden Wochenende noch tiefer in die Krise zu stürzen. "Es stimmt schon, dass dieser Grand Prix immer gut für mich war", wusste auch Bagnaia selbst. "Aber dieses Ergebnis kann ein Wendepunkt sein. Wenn wir so weitermachen wie zuletzt, dann verspreche ich euch, dass wir wieder [ganz vorne, Anm.] ankommen werden."
Diesmal soll also alles anders sein. "Wir sind auf dem richtigen Weg, wir müssen ihn nur weitergehen", unterstrich der Ducati-Pilot erneut. Doch was macht ihn da so optimistisch? "Seit Saisonbeginn arbeiten wir mit einem anderen Mindset. Ich gebe zuhause in jedem Training alles, um wieder das alte Level zu erreichen. Das Motorrad funktioniert jetzt anders als in der Vergangenheit. Aber wir versuchen dieses Gefühl zurückzubringen und das schaffen wir gerade. Das nächste Rennen ist der Balaton Park. Dort ist der Grip hoch, also werden wir vielleicht auch weniger Probleme mit dem Heck haben. Und dann kommen Assen und Brünn, da werden wir sicher konkurrenzfähig sein."

Worte, an denen sich Bagnaia in den kommenden Wochen jetzt messen lassen muss. Was glaubt ihr: Ist ihm in Mugello endlich ein Durchbruch von Dauer gelungen oder gibt es zeitnah den nächsten Rückfall? Sagt es uns in den Kommentaren! Dass es bislang noch nicht zur Rückkehr zur alten Form gereicht hatte, hatte Valentino Rossi zuletzt auch dem Ducati-Team angekleistert. Alle Infos dazu gibt es hier:



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