Selten erregt ein Pilot mit Rang sieben viel Aufmerksamkeit, aber dieser siebte Platz von MotoGP-Weltmeister Marc Marquez in Mugello sagte viel mehr aus als die damit eingefahrenen neun Punkte. Beim Comeback nach Schulter-OP lieferte der Superstar eine große Show und kämpfte rundenlang wie ein Löwe. Die Botschaft auf und neben der Strecke war klar: Die Nummer 93 hat noch lange nicht fertig!

Marc Marquez sieht Niederlage kommen, aber: Wollte mich teuer verkaufen!

Die Zuschauer bekamen beim Comeback des Champions einiges geboten. Der Ducati-Pilot zeigte seinen Kampfgeist: "Ich gab einfach alles, bis der Körper beziehungsweise der rechte Arm 'Stopp' sagte. Ich fühlte mich schon sehr müde und sah auf der Boxentafel, dass immer noch zehn Runden zu fahren waren. Das war schon ein bisschen frustrierend, aber ich versuchte zu kämpfen. Ich wusste, dass ich diesen Kampf verlieren würde. Aber ich nahm mir vor: Wenn ich schon verliere, dann verkaufe ich mich teuer. Das war ein großartiger Kampf mit vielen Fahrern."

Bis über die Rennhälfte hinaus verteidigte Marquez den vierten Rang mit Händen und Füßen, ehe er dann doch langsam Federn lassen musste. Vor allem Pedro Acosta trickste der Titelverteidiger einige Male aus und konterte mit dem starken Topspeed der Ducati auf Start-Ziel. Über seinen Gegner hatte Marquez aber nur lobende Worte übrig. Das Mantra eines vorsichtigen Wochenendes im Angesicht der Vorgeschichte wurde im Rennen über Bord geworfen: "Nein, das war nicht zurückhaltend. Das war ein voller Kampf gegen Acosta. Aber ich kämpfte mit ihm auf einem besseren Motorrad. Nur aus diesem Grund konnte ich dagegenhalten. Ich versuchte, meine Erfahrung zu nutzen, um ihn in den ersten beiden Sektoren abzuwehren."

Schulteroperation erzielt ihre Wirkung: Taubheit im Arm verschwunden!

Die Show war großartig für die Zuschauer, aber für Marc Marquez ging es letztlich um etwas anderes. Mugello stellte den Startschuss für einen erneuten Wiederaufbau seiner Karriere dar. "Die wichtigste Erkenntnis des Wochenendes ist, dass keine Taubheit auftrat. Ich habe nun wieder Gefühl im Arm. Das war das Ziel der Operation", stellte er zufrieden fest, dass das Leiden durch die herausoperierten Schrauben tatsächlich weg war.

Marc Marquez im Warm Up in Mugello
Marquez empfand kein Taubheitsgefühl mehr, Foto: IMAGO / IPA Sport

Nun wird sich zeigen, wohin die Reise mit dieser Erleichterung gehen kann: "Jetzt werde ich versuchen, diesen Arm wieder ans Limit zu pushen. Dann werden wir sehen, wo ich damit hinkommen kann. Niemand kann sagen, ob ich in Zukunft wieder der Alte sein kann. Aber ich werde es versuchen. Ihr kennt meine Einstellung. Ich will es versuchen und dann werden wir weitersehen."

Dass er schon in Mugello zurückkehrte und dann im Rennen nicht eine Position kampflos aufgab, ist am Ende einfach typisch für ihn. Das weiß Marc Marquez auch selbst so einzuschätzen: "Ich bin froh über meine Entscheidung, hierhergekommen zu sein. Ein Teil von mir sagte: Bleib lieber daheim und komme auf dem Balaton Park [das Rennen in Ungarn findet kommendes Wochenende statt, Anm. d. Red.] zurück. Das ist eine leichtere und langsamere Strecke. Aber ein anderer Teil von mir sagte, dass ich in meiner ganzen Karriere immer alles gegeben habe. Und wenn ich nicht auf das Bike steige, selbst wenn nur kleine Chancen bestehen und es noch das OK der Ärzte braucht, dann bist du nicht mehr Marc."

Ende der MotoGP-Karriere kein Thema: Ich will es nochmal versuchen!

Und letztlich wischte er nicht nur mit der beherzten Fahrt, sondern auch mit seinen Aussagen Stimmen des Zweifels aus dem Weg, die ihm ein Ende der Laufbahn nachsagen. "Wenn ich hier bin, dann weil ich meine Karriere weiterführen möchte. Dieses Jahr habe ich es noch nicht genießen können, aber letztes Jahr hatte ich so viel Freude. Ich will es nochmal versuchen. Wir werden dann sehen, wie meine körperliche Verfassung in Zukunft aussehen wird", kündigt er an.

Marc Marquez im Paddock in Mugello
Marc Marquez hat noch nicht genug, Foto: IMAGO / ABACAPRESS

Gleichzeitig schraubt er mit dieser Klarstellung aber auch die Erwartungshaltung für das Jahr 2026 herunter. Ohnehin hat der Ducati-Star in der Fahrerwertung schon den gewaltigen Rückstand von 102 Punkten auf Marco Bezzecchi aufgerissen. Vielmehr wird die laufende Saison nun zur Vorbereitung für weitere Jahre in der Königsklasse: "Ich kam nicht her, weil ich um den Titel kämpfe und Punkte mitnehmen wollte. Ich bin hier, weil ich meine Karriere noch weiter verlängern möchte."

Während Marc Marquez also unbedingt weitermachen will, könnte Raul Fernandez diese Chance verwehrt bleiben. Obwohl er am Samstag sogar den Sprint gewann, droht ihm das aus in der Königklasse: