Am Samstag war er noch der große Verlierer. Während Raul Fernandez und Jorge Martin am Sprintpodium einen Aprilia-Doppelsieg feierten, hatte Marco Bezzecchi die Top-Drei am Samstag wieder einmal verpasst - trotz Rundenrekord und Pole Position. Er hatte beim Start gepatzt und vermutlich auch die falsche Reifenwahl getroffen. So war ein enttäuschender Platz vier dann das Maximum für die Nummer 72. Nicht aber 24 Stunden später: Im Grand Prix am Sonntag klappte es endlich mit dem großen Wurf vor Heimpublikum.
MotoGP-Rennverlauf in Mugello nicht nach Plan, aber Bezzecchi bleibt cool
"Das ist ein Traum, der wahrgeworden ist", strahlte Bezzecchi nach seinem wohlverdienten Debütsieg in Mugello. Schon als kleines Kind war er vor knapp 20 Jahren im Autodromo zu Gast gewesen und hatte damals MotoGP-Ikone Valentino Rossi bei dessen Triumphzügen im Italien-GP zujubeln können. Seither wollte 'Bezz' seinem späteren Mentor im VR46-Team unbedingt nachahmen.
Am Sonntag klappte es endlich, aber leicht gemacht wurde es dem Aprilia-Piloten wahrlich nicht. Anders als bei seinen bisherigen drei Grand-Prix-Siegen in dieser Saison führte Bezzecchi diesmal nicht vom Start bis zum Ziel, sondern fand sich erst in einem harten Duell mit Teamkollege Jorge Martin und dann hinter Kumpel Francesco Bagnaia wieder. "Ich wollte vorne bleiben, weil ich wusste, dass mein Vorderreifen dann länger durchhalten würde, wenn ich freie Luft hätte. Dann ist aber Pecco wie eine Rakete an mir vorbeigeflogen", blickte er auf die actionreiche Anfangsphase des Italien-GPs zurück.
Hinter Bagnaia liegend galt es dann, Ruhe zu bewahren. "Ich habe versucht, nah dranzubleiben, aber auch nicht zu nah. Dass Jorge etwas abgefallen ist, hat mir das nötige Selbstvertrauen gegeben, abzuwarten. Erst als Jorge wieder näher kam habe ich mir gesagt, dass es jetzt Zeit ist, in Führung zu gehen und abzuhauen. Ich wusste, dass ich das könnte", offenbarte Bezzecchi trotz suboptimalem Rennverlauf eine breite Brust. Und das zurecht, denn innerhalb von zwei Runden fuhr er sich anderthalb Sekunden Vorsprung heraus. "Als ich Pecco überholt hatte, bin ich einfach meinen Rhythmus gefahren. Das Gefühl auf dem Motorrad war unglaublich."

Marco Bezzecchi gesteht: Druck beim Heimrennen war immens
Noch besser war das Gefühl allerdings nach Zielankunft. Dort brachen die Emotionen regelrecht aus dem WM-Führenden heraus. Schon auf der Inlap wurde ausgiebig gefeiert, im Parc Ferme und auf dem Podium dann noch umso mehr. Für Bezzecchi war es übrigens nicht nur der erste Sieg in Mugello, sondern auch das erste Podium überhaupt als MotoGP-Pilot. Ein Fakt, der ihn offenbar schon länger beschäftigt hatte: "Jahr für Jahr musste ich mitansehen, wie andere Fahrer rauf durften. Ich konnte es nie, obwohl ich es so sehr wollte und habe mich immer gefragt: 'Verdammt, wann darf ich endlich?'. Aber ich habe ich einfach hart weitergearbeitet und jetzt ist dieser Traum wahrgeworden."
Dass es 2026 so weit sein könnte, hatte sich ob des starken Aprilia-Saisonstarts schon länger abgezeichnet. Als Führender in der Weltmeisterschaft nach Mugello gekommen, war die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit groß - und genau das ließ den sonst so besonnenen und abgezockten Bezzecchi nicht kalt. Er gab offen zu: "Das war ein hartes Wochenende. Der Druck war enorm. Die Fans waren fantastisch, aber du fühlst dann auch eine Menge Verantwortung. Jeder hat mir gesagt, dass ich gewinnen soll und dass sie wegen mir da sind. Das war hart. Zum ersten Mal habe ich Druck durch so etwas gespürt. Aber es war natürlich auch schön zu sehen, dass dich so viele Leute unterstützen. Das hat mir Gänsehaut verschafft."
Folglich war Bezzecchi am Sonntagnachmittag nach Feststehen seines Sieges natürlich auch darum bemüht, diese besonderen Momente aufzusaugen. "Die letzten zwei Runden war es wirklich schwer, die Konzentration hochzuhalten. Denn im Augenwinkel habe ich gesehen, wie die Fans auf den Tribünen alle aufgesprungen sind und mir zugewunken haben", gewährte er weitere Einblicke in die Momente des Triumphs. "Als ich dann endlich die Ziellinie überquert habe, war das ein sensationelles Gefühl. Vom Podium aus so viele Fans mit meinen Flaggen zu sehen … da habe ich mich fast wie ein Superstar gefühlt."

Marco Bezzecchi: Mit Schwestern-Power und F1-Unterstützung zu Heimsieg!
Passenderweise wurde die Zielflagge am Sonntag auch noch von Formel-1-Pilot Kimi Antonelli geschwenkt. "Er ist ein guter Freund von mir, in den letzten drei Jahren sind wir uns immer näher und näher gekommen. Ihn heute hier zu haben, ist dann natürlich besonders schön", kommentierte 'Bezz'. Der aktuelle WM-Leader auf vier Rädern war aber nicht die einzige emotionale Unterstützung, die er an diesem Wochenende im Schlepptau hatte. Auch Bezzecchis Schwestern waren vor Ort, spielten vor den beiden Rennstarts an Samstag und Sonntag sogar 'Grid Girl'. "Wir sind sehr eng, sehen uns aber leider nicht sehr oft. Laura lebt in Mailand und Silvia in Rom, also recht weit weg von mir. Sie jetzt hier gehabt zu haben, bedeutet mir also sehr viel", kommentierte er und scherzte, dass ihn die beiden künftig gerne häufiger zu MotoGP-Rennen begleiten dürften.

Abschließend bezeichnete Bezzecchi den Italien-GP 2026 noch als das vermutlich beste Rennen seiner MotoGP-Karriere. Würdet ihr dem Aprilia-Piloten da zustimmen? Sagt es uns in den Kommentaren!
Während es bei Bezzecchi aktuell kaum besser laufen könnte, gilt das für Raul Fernandez leider nicht. Trotz Sprintsieg am Samstag droht ihm 2027 das MotoGP-Aus. Markus hat alle Infos für euch:



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