Am Samstag war Raul Fernandez noch der gefeierte Held. Eine bockstarke Vorstellung bescherte ihm und dem Trackhouse-Team den ersten MotoGP-Sprintsieg überhaupt. Anschließend brachten die Emotionen aus ihm heraus, denn 2027 droht trotz bislang sehr ansehnlicher Saison mit zwei weiteren Podestplätzen das Aus in der Königsklasse. Um sich doch noch irgendwie für eine Weiterbeschäftigung in der MotoGP zu empfehlen, wäre eine weitere Topplatzierung am Sonntag deshalb umso wichtiger gewesen. Jegliche Hoffnungen darauf waren aber schon nach wenigen Hundert Metern zu Nichte.
Von 2 auf 18: Raul Fernandez fällt beim MotoGP-Start weit zurück
Eigentlich sehr gut gestartet, deutete am Sonntagmittag um kurz nach 14 Uhr Ortszeit zunächst alles daraufhin, als würde Fernandez hinter Marco Bezzecchi als Zweiter in die erste Kurve des Italien-Grand-Prix einlenken. Doch dann ging der 25-jährige Spanier in 'San Donato' viel zu weit. Er konnte einen Trip durch das Kiesbett zwar gerade noch verhindern, als er auf die Ideallinie zurückkehrte, war aber trotzdem schon fast das gesamte Feld vorbei. Nach Kurve eins stand lediglich noch Platz 18 zu Buche, das Rennen war gelaufen.
"Zunächst einmal muss ich mich bei meinem Team entschuldigen", begann Fernandez am Sonntagabend dann in seiner Medienrunde. Hatte er sich also schlicht verbremst und ein besseres Ergebnis als Rang neun damit selbst verbaut? Diese Aussage ließ zunächst darauf schließen, aber nein. Es gehörte schon noch mehr dazu, wie der Trackhouse-Pilot im Anschluss verriet.
"Das war merkwürdig. Ich hatte von gestern eigentlich den richtigen Bremspunkt, meine Referenz war die erste weiße Linie", gab Fernandez an, nichts anders gemacht zu haben als im Sprint, als er hinter Marc Marquez und Jorge Martin auf Platz drei liegend in die erste Kurve eingebogen war. "Als ich gebremst und durch die Gänge nach unten geschaltet habe, konnte ich heute den zweiten Gang aus irgendeinem Grund nicht einlegen. Er wollte nicht rein."
Mysteriöser Getriebefehler kostet Raul Fernandez in Mugello
Ein Getriebeaussetzer also, den der Sprintsieger nicht erklären konnte. "Das war echt komisch, denn danach hat das Getriebe problemlos funktioniert", rätselte er. Der Schaden war nach Kurve eins aber schon getan: "Ich musste die Vorderradbremse dann noch stärker ziehen und als ich das getan habe, hat Marco [Bezzecchi] vor mir seine Linie verändert. Das war kein Fehler von ihm, aber ich bin dadurch in seinen Windschatten geraten und musste noch stärker bremsen. Dann hatte ich einen Rutscher, konnte das Motorrad nicht mehr stoppen und musste weitgehen."

Dass sich Fernandez im Anschluss immerhin noch bis auf Platz acht nach vorne kämpfen konnte - aufgrund einer nachträglichen Strafe für eine Kollision mit Luca Marini in Kurve zehn wurde er nur als Neunter gewertet - war da wenig Trost. "Es tut mir wirklich Leid für das Team und für Aprilia. Ich denke, dass wir heute eine fantastische Chance hatten. In Australien habe ich gewonnen, aber heute habe ich mich zum ersten Mal richtig stark gefühlt, nochmal besser als gestern. Ich war auch nicht nervös. Ich wusste genau, was ich beim ersten Anbremsen zu tun hatte", gab er zu Protokoll und ließ tief blicken: "Ich kann es gar nicht richtig beschreiben, ich fühle mich einfach schlecht. Wenn du um das Podium hättest kämpfen können und dann Achter wirst, ist das schwierig. Ich bin kein Titelkandidat, aber in solchen Momenten muss ich eigentlich da sein. Das ist ein sehr komisches Gefühl gerade."
Viel besser gelaunt war am Sonntag aus gegebenem Anlass Rennsieger Marco Bezzecchi. Dem Aprilia-Werkspiloten fiel nach seinem langersehnten Triumph eine gigantische Last von den Schultern:



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