In der Moto3 scheint die Entscheidung zu Gunsten von Maximo Quiles bereits gefallen und auch in der Moto2 kristallisiert sich nach dem ersten Saisondrittel nun immer mehr heraus, dass die Weltmeisterschaft 2026 nur über einen Fahrer gehen wird: Manuel Gonzalez. Der 24-Jährige aus Madrid liegt auf bestem Weg zum größten Erfolg seiner Karriere, weil er ein paar entscheidende Lektionen gelernt hat.
Saustark! Manuel Gonzalez dominiert die Moto2 in Mugello
"Das war saustark, was er da gemacht hat", strahlte Intact-Teamchef Jürgen Lingg im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com , nachdem sein Schützling im Italien-Grand-Prix eine der dominantesten Vorstellungen der jüngeren Moto2-Geschichte hingelegt hatte. Die 6,218 Sekunden von Aron Canet auf Ai Ogura im Indonesien-GP 2024 sind bislang der größte Vorsprung, den ein Pilot der mittleren Klasse auf den 2024 eingeführten Pirelli-Reifen herausfahren konnte. Hätte Gonzalez in der letzten Runde kein Tempo rausgenommen, wäre diese Bestmarke am Sonntag gefallen. Fast sieben Sekunden lag er zu Beginn von Runde 19 schon in Front, so wurden es am Ende aber 'nur' 5,327 Sekunden.
Ob er mit einer solch überlegenen Vorstellung gerechnet habe? "Ganz ehrlich, ich habe es gehofft", scherzte Lingg und begründete dann: "Wir lesen die Trainings natürlich ein bisschen anders und schauen uns die Gegner genau an. Da hat man schon gesehen, dass er eine sehr hohe Pace fahren kann. Das war anders als in Barcelona, wo die Boscoscuro nach Runde vier solche Zeiten noch halten konnte und wir nicht. Hier haben wir gesehen, dass es anders herum ist. Dass sie diesen Drop haben und wir nicht. Es kann natürlich immer viel passieren, aber es hat sich abgezeichnet, dass er super schnell fahren kann. Der Plan war, dass er wegfahren soll, aber das muss man dann auch erstmal so umsetzen."
Gonzalez selbst sprach nach Zielankunft von einer an diesem Sonntag perfekten Symbiose aus Mensch und Motorrad. Alles harmonierte, aber ein Leichtes war der dritte Saisonsieg deshalb noch lange nicht. Ivan Ortola hielt lange mit und brachte den Intact-Piloten dadurch fast aus dem Konzept. "Ich war mir nicht sicher, ob ich schnell genug fahre und habe mich gefragt, ob ich noch mehr pushen muss. Dann habe ich es in ein paar Kurven übertrieben und angefangen, Fehler zu machen. Da musste ich mich erstmal wieder beruhigen", gewährte Gonzalez einen Einblick in seine Gedankenwelt. "Es war ein hartes Rennen, sowohl körperlich als auch mental und auch für die Front. In einigen Runden hätte ich sie fast verloren. Da habe ich mir gesagt, dass ich lieber nochmal etwas Tempo rausnehmen und Zeit verlieren muss. Denn auf Platz eins zu stürzen, wäre schlimm gewesen. Am Ende zählt nur der Sieg, egal ob mit einem Zehntel oder fünf Sekunden Vorsprung."

Intact-Boss erkennt: Manuel Gonzalez jetzt ruhiger und reifer
Speziell im letzten Teil dieser Rennanalyse wird deutlich, welch wichtige Entwicklung 'ManuGasss' in diesem Jahr gemacht hat. "Er lässt sich nicht mehr von anderen beirren", erkannte Lingg und war anschließend voll des Lobes: "Letztes Jahr war er noch etwas emotionaler und heute ist er ruhiger. Das hat man auch schon zu Beginn der Saison gemerkt. Da war es noch nicht sein Motorrad. Er hat zwar in Thailand gewonnen und gute Resultate eingefahren, aber er war nie so richtig glücklich. Trotzdem ist er ruhig geblieben, hat sich auf seine Arbeit konzentriert und versucht, sich zu adaptieren. Er lässt sich jetzt nicht mehr durch andere Dinge durcheinanderbringen. Und das hilft natürlich auch der Crew, wenn er seine Anforderungen sofort auf den Punkt bringt. Er nimmt seine Jungs da richtig mit und das ist toll, mit anzuschauen. Er ist definitiv gereift."
"Ich habe verstanden, dass ich nicht in jeder Session und in jeder Runde Erster sein muss. Ich gehe den Freitag und den Samstag ruhiger an. Ich ziehe meine eigene Strategie durch und konzentriere mich darauf, das Beste aus meinem Paket herauszuholen. Ich denke nicht mehr an meine Rivalen und daran, was sie vielleicht tun können", offenbarte Gonzalez auch selbst, dass seine 2026er-Version nur noch wenig mit der 2025 im WM-Kampf dramatisch an Diogo Moreira gescheiterten Version zu tun hat. "Wir haben an Freitag und Samstag auch ein paar Dinge verändert, zum Beispiel mit Blick auf die Reifen. Das hilft mir jetzt, während des gesamten Wochenendes eine bessere Pace aufrechtzuhalten. Wir haben jetzt mehr Erfahrung und sind auf alle Situationen besser vorbereitet."
Die wohl wichtigste Lektion, die Gonzalez gelernt hat, ist aber wohl folgende: "Mit Ergebnissen wie heute gewinnst du die Weltmeisterschaft nicht. Die Schlüsselmomente sind die schwierigen Rennen. Das sind die Rennen, in denen du leidest und vielleicht stürzen könntest. Wir fahren 22 Rennen, da zählt jeder Punkt. Manchmal musst du dann halt Platz sechs oder sieben akzeptieren, das sind die wirklich wichtigen Punkte. Letztes Jahr hatten wir ein paar Rennen, in denen wir diese Punkte verloren haben. Solche Tage werden dieses Jahr wieder kommen und dann müssen wir darauf vorbereitet sein."

Auch 2025 hatte Gonzalez in Mugello gewonnen, damals lag er dann 40 Punkte vor dem späteren Weltmeister Moreira. Auch damals deutete dann vieles auf einen Titelgewinn in der mittleren WM-Klasse hin. Dazu gekommen ist es bekanntlich aber nicht, stattdessen blieb Mugello sogar Gonzalez' letzter GP-Sieg im Jahr 2025. Heute sind es nach Mugello 34,5 Punkte Vorsprung auf den WM-Zweiten Izan Guevara. Ein ähnlicher Absturz wie im Vorjahr ist natürlich auch jetzt nicht komplett auszuschließen. Wahrscheinlich wirkt er aktuell aber gewiss nicht. Dazu ist die Nummer 18 der Moto2 inzwischen tatsächlich zu reif und gefestigt. Im Frühsommer 2026 lässt sich deshalb festhalten: Der WM-Titel geht nur über 'ManuGasss'.
Was meint ihr: Gelingt Manuel Gonzalez und Intact GP in diesem Jahr endlich der große Wurf? Sagt es uns in den Kommentaren!
Weshalb Mugello speziell für MotoGP-Fahrer eine so brutale Rennstrecke ist, verrät euch Markus derweil in unserem neusten Video:



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