Der Kurs von Spa-Francorchamps steht für Vollgas bis rund 340 km/h und anspruchsvolle Kurven wie Eau Rouge, Pouhon und Blanchimont. Doch in diesem Jahr mussten die Formel 1-Piloten oft bremsen. Das hat nach Ansicht von F1-Experte Christian Danner der berühmten Ardennenachterbahn den "Kick genommen".
"Für den Zuschauer ist es immer noch Spa so wie er es kennt, denn er merkt ja nicht so ganz genau, was da im Cockpit passiert. Den Fahrern hat es sicherlich den Kick genommen, den Spa immer bereit hatte", so Danner. Was er genau mit Kick meint, erklärt er im AvD Motorsport-Magazin ausführlich. Das Video dazu gibt’s hier in voller Länge:
Früher war nicht alles besser - Spa schon
Christian Danner kennt die sieben Kilometer lange Rennstrecke in Belgien sowohl aus seiner aktiven Zeit als auch von unzähligen Onboard-Aufnahmen. "Ich beschäftige mich wirklich sehr intensiv damit. Ich habe mir alte Onboard-Aufnahmen angeschaut - wie es vor zwei, drei Jahren war, vor 10, 15 Jahren und noch weiter zurück", erzählt Danner.
Genau deshalb weiß er, dass sich in der aktuellen Formel 1 etwas Fundamentales geändert hat – und zwar ist zum Fahrer und seinem Gasfuß ein weiterer Parameter hinzugekommen. "Und dieser Parameter heißt Software." Auch wenn Danner keinesfalls das "Früher-war-alles-besser"-Buch aufschlagen will, kann er die Kritik der Fahrer verstehen. Die bezieht sich vor allem auf die Unberechenbarkeit der Software.
Fahrer-Aussagen wie "ich fahre hier hoch, irgendwo auf der Geraden entlang und meine Software beschließt, wir machen das jetzt anders", höre man laut dem F1-Experten immer häufiger. "Alle, von ganz oben bis ganz unten, von ganz vorne bis ganz hinten, haben dieselben Probleme, wenn auch in unterschiedlicher Art. Das ist kein Gejammer und kein Ewiggestrigsein, sondern das ist die Tatsache einer technischen Grundbedingung. Diese ist mit dem, was man als Rennfahrer ein Leben lang gelernt hat - nämlich: Wenn ich rechts mit dem Fuß aufs Gas gehe, kommt auch was -, nicht mehr deckungsgleich", stellt Danner klar.
Energie-Chaos in der Startphase: Software statt Gasfuß
Die Startphase im Belgien GP brachte das Problem deutlich zutage. Max Verstappen zog nach La Source am Polesetter Kimi Antonelli vorbei, weil zu viel Energie von Turn 1 bis Turn 2 eingespeist war. Jedoch fehlte ihm diese dann auf der Kemmel-Geraden, weshalb Antonelli und auch Charles Leclerc an ihm vorbeizogen. "Ich dachte mir nur: Oh, ich bleibe einfach auf meiner Linie. Wenn ich mich hier bewege, kommt es zu einem Zusammenstoß", schilderte Verstappen die brenzlige Situation.
Das größte Energie-Opfer in der Startphase war George Russell. Der Mercedes-Pilot kam nach eigener Aussage mit 35 Prozent weniger Leistung aus der ersten Kurve heraus. "Ich war langsamer als ein Formel-2-Auto", klagte George Russell. Dass so mancher F1-Fan das Thema Energiemanagement satthat, ist für Danner nachvollziehbar.
Verstappen verkniff sich bereits nach dem Qualifying die Kritik, um "nicht erschossen zu werden". Die Details liest du in diesem Artikel:
Dennoch gibt es für ihn einen wichtigen Punkt, den man nicht unter den Tisch kehren könne: "Der Fan sagt: Nicht schon wieder dieser Elektro-Kram! Es ist halt jetzt so. Aber das ist schon ein Problem, weil das etwas ist, das man per Reglement eigentlich vermeiden will." Danner spielt damit auf das F1-Reglement an. Im Sportlichen Reglement heißt es in Artikel B1.8.1: "Der Fahrer muss das Fahrzeug allein und ohne Unterstützung fahren" [The driver must drive the F1 Car alone and unaided; Anm. der Red.].
Widerspruch zum F1-Reglement?
Es stellt sich allerdings die Frage, ob das auf der Highspeed-Strecke von Spa-Francorchamps noch der Fall gewesen ist? "Die nüchterne Analyse der Jetzt-Situation zeigt, dass das, was der Fahrer mit seinem rechten Fuß auf dem Gaspedal veranstaltet, nicht immer das ist, was an der angetriebenen Achse ankommt", erklärt Danner. Noch vor ein paar Jahren war es schwierig, durch Blanchimont voll zu fahren. 2026 ist es jedoch keine große Sache mehr.
"Weil du vorher ins Superclipping kommst, 30 km/h langsamer wirst oder sogar runterschalten musst und dann irgendwie durch die Kurve eierst", analysiert Danner und fügt hinzu. "Das widerspricht schon den grundsätzlichen Aufgaben eines Rennfahrers oder des Motorsports an sich." Trotz der deutlichen Kritik verliert er aber nicht das Positive aus den Augen: "Es ist anders und ich verstehe, dass es im Cockpit nicht so toll ist, wie es sein könnte. Für uns, die wir zuschauen, ist es aber immer noch toll und sagenhaft."
Permanente Batterie-Probleme in den letzten Formel-1-Rennen haben George Russell gezeichnet. Laut Mercedes-Kollege Kimi Antonelli ist es keine ganz einseitige Story. Mehr dazu in diesem Artikel:



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