Das Formel-1-Rennen in Belgien war für George Russell nach nur fünf Kurven vorbei. Beim Zweikampf mit Lewis Hamilton platzierte er seinen Mercedes in Les Combes auf der Außenseite. Beim Einlenken verlor der Ferrari kurz die Kontrolle und erwischte Russell am Hinterrad. Der drehte sich über die Strecke und blieb im Kiesbett stecken. Ein bitterer Ausfall für den einstigen WM-Favoriten, der schon das ganze Spa-Wochenende mit seiner Leistung zu kämpfen hatte.

Russell kollidiert mit Hamilton: Das war gefährlich!

"Was zum Teufel ist passiert?", wütete Russell direkt nach der Kollision am Funk. "Ich hatte keine verdammte Batterie, als ich die Gerade runtergefahren bin. Jungs, das ist inakzeptabel. Verdammt nochmal inakzeptabel, das ganze Wochenende." Mit zittrigen Händen fasst er sich ungläubig an den Kopf, als er noch im Cockpit sitzt. Als er vor die Medien trat, war er schon etwas gefasster, eine Erklärung fehlt ihm aber immer noch.

Er hatte einen guten Start hingelegt, konnte seine dritte Startposition durch La Source, Eau Rouge und Raidillon behaupten. Im Windschatten von Max Verstappen und Kimi Antonelli hatte er eigentlich gute Karten. Doch dann fehlte ihm plötzlich die Power. "Aus irgendeinem Grund hat meine Batterie entschieden, sich in Kurve eins nicht aufzuladen. Ich bin aus der ersten Kurve mit 35 Prozent weniger Power rausgekommen. Auf dem Hügel nach Eau Rouge hatte ich 0 Prozent. Ich war langsamer als ein Formel-2-Auto", erzählte Russell.

Das Deployment-Problem machte sich auch beim Turbo bemerkbar, Russell hatte keinen Boost. Auf der Kemmel-Geraden fand er sich ohne Energie in der Zwickmühle zwischen Verstappen vor ihm und Hamilton sowie Oscar Piastri hinter ihm. "Es war gefährlich", meinte Russell über seinen Batteriestand. "Ich hätte von vorneherein nicht in dieser Situation sein sollen. Das ist der Hauptgrund, warum ich wütend bin. Ich war in einer großartigen Position in Kurve eins und ich war bereit, gegen die zwei vor mir in Kurve fünf zu kämpfen."

Toto Wolff: Problem betraf alle Mercedes-Motoren

Schon das ganze Wochenende – eigentlich schon seit mehreren Wochenenden – beschwerte sich Russell über sein Auto, dass ihm massiv Topspeed fehlt. Das soll heute aber nichts damit zu tun gehabt haben. "Es war etwas komplett anderes", bestätigte der Mercedes-Pilot. Was war es nun? "Um ehrlich zu sein, das wissen wir selbst nicht", gab Russell zu. Er ist nach seinem zweiten Ausfall der Saison am Boden zerstört: "Ich bin mittlerweile abgestumpft gegenüber Enttäuschung. Wenn es dir so oft passiert, dann wirst du es gewohnt."

Laut Mercedes-Teamchef Toto Wolff hat das Batterieproblem alle Motoren aus seiner Fabrik am Start betroffen – auch Kimi Antonelli. "Deswegen hat er die Position in der ersten Kurve [gemeint Eau Rouge, Anm. d. Red.] verloren. Es wurde nicht die ganze Energie eingesetzt, die wir haben sollten. Das müssen wir unter Kontrolle kriegen. Wir haben den stärksten Motor, aber wir sind nicht stabil genug. Das sind auch wertvolle Punkte, die wir in der Konstrukteurs-WM verlieren", meinte der Österreicher.

Während Wolff auf der einen Garagenseite in Champagner getränkt wird, muss er auf der anderen Seite Aufbauarbeit leisten. "Wir müssen einfach versuchen, ihm [Russell] das beste Material zur Verfügung zu stellen, um ihm auch wieder Vertrauen ins Auto zu geben. Wir versuchen unser Bestes und manchmal ist unser Bestes nicht gut genug. Manchmal schon. Aber wir pushen extrem hart", versicherte Wolff.

Russell gibt Hamilton keine Schuld an Ausfall: War nicht absichtlich

Lewis Hamilton erklärte seinen Kontrollverlust noch am Funk damit, dass er im Startgetümmel die Haftung an der Frontachse verlor. Die Stewards akzeptieren diese erschwerenden Umstände, sahen ihn trotzdem in der Hauptverantwortung für die Kollision und bestraften ihn mit einer Fünf-Sekunden-Strafe. Die Standard-Strafe wären zehn Strafsekunden gewesen.

Für Russell war die Situation ein reiner Rennunfall. "Er hat es nicht absichtlich gemacht. Er hat mehr Schuld als ich, aber er hat nichts Rücksichtsloses getan." Mit der Nullnummer und Platz vier für Hamilton verliert Russell den zweiten WM-Rang an seinen ehemaligen Teamkollegen. Er ist mit fünf Punkten Rückstand auf P3.