Es hatte sich schon länger abgezeichnet, und mangels Alternativen steuert die Formel 1 nun fest auf kürzere Grands Prix zu. Darauf haben sich die Teams am Rande des Monza-Wochenendes verständigt. Es ist eine Konsequenz der Anpassungen am Technischen Reglement, mit dem sich die Serie aus ihrem Hybrid-Dilemma befreien will.
Dieses Dilemma wird nämlich mit sukzessivem Anheben des Benzin-Durchfluss-Limits gelöst. 2027 steigt das Limit um 5 Prozent, 2028 um 13 Prozent, wodurch der Split zwischen Verbrenner und Elektro sich erst auf 58/42 und dann auf 60/40 ändert. Das soll die schlimmsten Probleme mit Elektro-Armut und exzessivem Clipping und Superclipping beheben, welche die Fahrer seit Saisonbeginn verfluchen. Mehr dazu gibt es hier:
Dass das aber andere technische Probleme mit sich bringen würde, war von vornherein klar. Ein erhöhter Benzin-Durchfluss bedeutet einen erhöhten Benzin-Verbrauch, und das bedeutet letztendlich, dass die Tanks der aktuellen Autos zu klein sind, um es ohne Schwierigkeiten über eine GP-Distanz zu schaffen. Um das zu lösen, müssten alle Teams komplett neue Chassis bauen.
Neue Motor-Regeln zu spät: F1-Rennen müssen verkürzt werden
Da die Durchfluss-Änderungen nach langem Tauziehen erst im Juni fixiert werden konnten, war von vornherein klar, dass es nicht realistisch war, von den Teams zu verlangen, so kurzfristig komplett neue Chassis mit komplett neuen Tanks zu bauen. Das ist ein immenser Aufwand von Ressourcen und Budget. Erst recht im Angesicht der Budget-Obergrenze. Einige Teams hatten lange im Voraus geplant, ihre 2026er-Chassis ins 2027er-Jahr mitzunehmen, und ihr Budget dahingehend ausgerichtet.
So hatte Motorsport-Magazin.com schon im Juni berichtet, dass man als Kompromiss über ein Begrenzen der Sichtungsrunden vor dem Start sowie letztendlich auch über eine Senkung der tatsächlichen Grand-Prix-Distanz bei kritischen Events nachdachte. Die Distanz ist seit jeher auf allen Strecken außer Monaco auf jene Rundenzahl festgelegt, mit der man die 305-Kilometer-Marke überschreitet. Zusätzlich hatte man mit Budget-Ausnahmen versucht, einen Puffer für Chassis-Anpassungen zu schaffen.
Doch das alles drohte zu verworren zu werden. Wie 'AutoRacer' und 'The Race' nun berichten, sind die Teams einstimmig zum Schluss gekommen, besser eine einheitliche Kürzung bei allen Rennen (außer beim ohnehin schon bestehenden Sonderfall Monaco) vorzunehmen. Der Richtwert wird um 15 Kilometer auf 290 Kilometer reduziert. Das soll Benzinspar-Orgien verhindern und klare Verhältnisse schaffen, anstatt Chaos mit unterschiedlichen Distanzen an jedem Wochenende. Die Kürzungen entsprechen je nach Rennen zwischen zwei und drei Runden.
Formel 1 betritt mit verkürzten Rennen 2027 kein Neuland
Der Prozess muss nun zwar noch durch die F1-Kommission und dann vom Motorsport-Weltrat der FIA abgesegnet werden, aber mit Unterstützung aller elf Teams sollte das jetzt nur mehr Formsache sein. Aktuell soll die Übereinkunft nur für 2027 gelten. Möglich wäre, dass die Distanz mittelfristig wieder auf 305 Kilometer angehoben wird. Sie kann aber auch bei 290 bleiben, wenn bezüglich der zusätzlichen Durchfluss-Änderungen für 2028 neue Sorgen auftreten sollten.
Die Renndistanz zu ändern ist in der Formel 1 grundsätzlich kein Sakrileg. Zu Beginn der Serie hatte unterschiedliche Grands Prix teils völlig unterschiedliche Distanzen zwischen 300 und 500 Kilometer. Erst in der modernen Ära wurde sie auf 305 Kilometer standardisiert.
Außerdem gibt es sowieso den Sonderfall Monaco, der seit 1968 nur mehr auf 250, später dann auf 260 Kilometer ausgerichtet wurde, auch weil der verwinkelte Stadtkurs so langsam ist, dass eine komplette Distanz heute unmöglich innerhalb des Zwei-Stunden-Limits zu bewältigen wäre. Monaco bleibt auch die einzige Strecke, deren Distanz 2027 nicht angerührt werden soll. Wie immer sind 78 Runden geplant.



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