Eigentlich sollten Punkte in der Formel 1 einen Fahrer glücklich machen. Besonders, wenn man einen Großteil der Saison im hintersten Hinterbänklerfeld gefahren ist und beim letzten Grand Prix mit einer Top-Strategie zum ersten Mal aus eigener Kraft unter die Top 10 kam. Doch Fernando Alonso weiß seinen wundersamen Platz neun von Zandvoort nicht zu schätzen.
"Nicht wirklich", lautet seine Antwort, als er in Monza auf seine Zufriedenheit mit dem Ergebnis angesprochen wird. "Es löst keine Freude in mir aus. Wenn du über die Ziellinie fährst, dann bist du natürlich glücklich für deine Crew und die Leute in der Fabrik. Sie haben sich diese Punkte verdient, nachdem wir so lange hinterhergefahren sind. Aber persönlich fahre ich für nichts und gebe dabei 100 Prozent meiner besten Leistung. In Zandvoort war das nicht anders", lässt Alonso keinen Zweifel daran, dass er derzeit den Zenit seines Könnens verschwendet.
Für den 45-Jährigen, der ohnehin schon mit seinem Verbleib in der Königsklasse hadert, ist es nicht genug, gerade so in die Punkteränge zu kommen. "Wir können mit P9 nicht zufrieden sein, und das sind wir auch nicht. Es war ein netter Motivator. Jetzt wissen wir zumindest, dass wir Schritte in die richtige Richtung machen", kann Alonso seinen zwei WM-Punkten zumindest etwas Gutes abgewinnen.
Alonso scherzt über Windschattenspiele in Monza
Bei Aston Martin hat sich in den letzten Rennen einiges getan: In Ungarn kam ein komplett neues Chassis, in den Niederlanden ein neuer Honda-Motor. Der soll laut Alonso aber keine wirkliche Verbesserung sein: "Die Fahrbarkeit ist ein Problem und die zusätzliche Power war in Zandvoort schwer einzuschätzen. Vielleicht ist Monza ein wahrer Test."
Für den Großen Preis von Italien erwartet der Spanier nicht viel. Er bereitet sich eher auf eine Katastrophe vor. Die energiearme Strecke mit kaum Bremspunkten und vielen Geraden wird ohnehin ein Fiasko für die neue Autogeneration , mit Superclipping auf fast jeder Gerade, doch für Aston Martin fällt die Herausforderung gleich doppelt schwer. Das Honda-Aggregat ist zwar nicht mehr so schwach wie die erste Version, hat aber dennoch einen ziemlichen Rückstand gegenüber der Konkurrenz.
"Vielleicht bin ich zu pessimistisch und werde morgen eine nette Überraschung erleben, aber ich glaube, dass uns hier und in Las Vegas die schwierigsten Wochenenden der Saison erwarten. Vielleicht auch in Baku", prognostiziert der zweifache Weltmeister nichts Gutes.
Ein in diesem Jahr besonders großes Thema – noch mehr als sonst – in Monza ist der Windschatten. Auf den langen Geraden will jeder möglichst wenig Luftwiderstand haben, um schneller zu sein. 2026 kommt hinzu, dass man dadurch bei gleicher Geschwindigkeit auch Energie spart – ein großer Vorteil auf der energiehungrigen Strecke. Als Alonso von Motorsport-Magazin.com danach gefragt wurde, wie nah er am Vordermann sein muss, um den perfekten Windschatten abzugreifen, scherzte er: "Ich muss wahrscheinlich vor ihm starten."
Trotz Schwarzmalerei: Alonso hat vollstes Vertrauen in Honda!
Zwischen all dem Pessimismus versteckt sich aber auch Optimismus. Vor allem die Entwicklung auf der Chassis-Seite gibt ihm Hoffnung: "Wir fühlen es in den Kurven, da sind wir viel besser dabei. Das gibt jedem in Silverstone [Hauptquartier von Aston Martin, Anm. d. Red.] Mut. Wenn wir mit dieser Philosophie, Strategie und Entwicklungsgeschwindigkeit weitermachen, werden wir irgendwann zu den Schnellsten in den Kurven zählen. Wir müssen nur weiter daran arbeiten."
Aber da ist noch der zweite entscheidende Part des Autos: der Motor. Auch hier hat Alonso, der in Sachen Honda eigentlich ein gebranntes Kind sein sollte, ebenso volles Vertrauen. "100 Prozent", versichert der Spanier. "Das Engagement von Honda ist riesig. Die Einrichtungen in Japan gehören zu den besten. Das Personal und Management des vorherigen Projekts arbeiten jetzt wieder zusammen. Ich habe keine Bedenken und vertraue Honda vollkommen."
Zur Erinnerung: Ein Problem zu Beginn der Zusammenarbeit zwischen Honda und Aston Martin war, dass die Entwicklungskapazitäten des Motorenbauers nicht mehr vorhanden waren. Auch das Kernteam, das für die erfolgreichen Jahre mit Red Bull verantwortlich war, ist nach dem angekündigten Formel-1-Ausstieg in andere Abteilungen abgewandert. Nur etwa 30 Prozent der originalen Mannschaft sollen noch am neuen Projekt tätig gewesen sein.
Maximal zwei bis drei Jahre: Alonso gibt Honda-Marschplan vor
Alonsos Geduld mit Honda währt aber nicht ewig. "Wir müssen den Prozess irgendwie abkürzen. Wir haben nicht auf dem Level gestartet, den wir wollten. Ich glaube, wir können dorthin kommen, aber das darf nicht fünf oder sechs Jahre dauern", setzt der 45-Jährige klare Linien. "Wir möchten das maximal in den nächsten zwei bis drei Jahren erreichen." Dass Honda den Antrieb verbessert, ist ein Muss für ihn. Nicht nur, weil er für das Team bessere Ergebnisse möchte, sondern auch, weil es einen Einfluss auf seinen Formel-1-Verbleib hat.
Wer aber glaubt, dass Alonso mit dieser Deadline seine verbleibende Zeit in der Formel 1 verraten hat, liegt falsch. "Es geht mir nicht nur ums Auto. Ich kann auch professionell sein und mit meinen 100 Prozent um Platz 15 kämpfen wie um ein Podium", versichert er. Wie er schon oft betonte, geht es bei ihm um die Motivation. Wie lang er die aufrechterhalten kann? "Ich denke, bis ich 80 oder 90 bin."
Während Fernando Alonso über einen Formel-1-Ausstieg nachdenkt, kann Lando Norris gar nicht genug vom Formelsport bekommen. Er hat ein eigenes Nachwuchsteam gegründet. Alle Infos dazu gibt es in diesem Artikel:



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