Fast ein halbes Jahr ist es her, seit Aston Martin bei den Winter-Testfahrten der Formel 1 in Barcelona erstmals sein neues Auto auf die Strecke geschickt hatte. Es handelte sich um ein aufsehenerregendes Konzept, das sich nicht nur radikal von den anderen Boliden unterschied, die man bis dahin zu sehen bekam, sondern auch in zahlreichen Punkten über aggressive Lösungen für die neuen Regeln verfügte.
Doch der Bolide von Adrian Newey war in Kombination mit dem unterlegenen Honda-Motor direkt ab dem Saisonstart eine blanke Enttäuschung. Aston Martin verzichtete in der Folge beinahe vollständig auf kleine Upgrades, sondern arbeitete daran, eine komplett neue Variante des Dienstwagens von Fernando Alonso und Lance Stroll auf die Beine zu stellen. Dieser feiert nun beim Formel-1-Wochenende in Ungarn sein Debüt.
Hier findet ihr alle Bilder des neuen AMR26 in der Galerie:
Radikales F1-Update: Sogar das Monocoque am Newey-Boliden ist neu
Am Freitag bekamen wir den runderneuerten Rennwagen erstmals zu sehen. Gleichzeitig kommunizierte Aston Martin auch im offiziellen FIA-Dokument zu allen aerodynamisch relevanten Updates auch die zahlreichen Umbauten am Auto. So viel ist dabei schon jetzt klar: Bei der Beschreibung des Ausmaßes des Umbaus hat man nicht übertrieben.
Es kann mit Recht von einem neuen Auto gesprochen werden, denn sogar das Monocoque wurde neu gebaut und musste deshalb auch neu homologiert werden. Um etwas Geld bei diesem kostenintensiven Umbau zu sparen, gibt es exakt zwei neue Monocoques. Aktuell ist noch unklar, ob ein drittes gebaut wird. Dabei geht es vor allem um eine Gewichtsersparnis, denn der Aston Martin war zu Beginn der Saison noch deutlich übergewichtig und soll nun knapp am Gewichtslimit liegen, wie Teamchef Adrian Newey im Vorfeld angekündigt hatte.
Das restliche Upgrade ist für den Fall der Fälle auch mit dem alten Monocoque kompatibel, und dieses hat es in sich. Ganze 16 verschiedene Punkte werden aufgeführt, an denen sich der Wagen für Budapest von jenem unterscheidet, das in Spa an den Start ging. Seitdem diese Modifikationen offiziell vor jedem GP-Wochenende kommuniziert werden, hatte erst einmal ein Team (ebenfalls Aston Martin) genauso viele Änderungen am Auto vermeldet, allerdings geschah das beim Bahrain GP 2023, also beim Saisonauftakt. In der laufenden Saison sind 16 Änderungen ein neuer Rekord.

Aston Martin AMR 26: (Fast) nichts bleibt in Ungarn beim Alten
Das Update beginnt bereits am Frontflügel, der gemeinsam mit dem Endplate und der gesamten vorderen Nasensektion angepasst wurde. Die Nase wurde dabei deutlich länger und dünner. Im Januar in Barcelona war diese auffällig voluminös ausgefallen. Jetzt korrigiert man diese Optik. Gleichzeitig kann man damit an der Nase, die gleichzeitig auch die vordere Crash-Struktur bildet, wohl auch weitere Gewichtsreduktionen vornehmen.
Aston Martins Trackside-Chef Mike Krack hatte bereits am Donnerstag angekündigt, dass sich die Philosophie des neuen Autos von dessen Vorgänger unterscheiden wird. Er hatte durchklingen lassen, dass der Rake, also der Winkel der Fahrzeughöhe zwischen Vorder- und Hinterachse, der zu Saisonbeginn sehr stark ausgefallen war, etwas abgeschwächt wird.
Entsprechend geht es mit den Änderungen unvermindert an der Unterseite des Fahrzeugs weiter. Dieses bekommt an der Vorderachse eine angepasste Lippe, und der hintere Deflektor fällt länger aus, um den Luftstrom gemeinsam mit dem neuen Frontflügel besser um die Vorderreifen zu leiten. Am Unterboden bleibt ebenfalls nichts beim Alten. Um den Abtrieb zu erhöhen, wurden die Leitschaufeln an der vorderen Unterbodenkante erneuert und das Floor Board sowie die Unterbodenkante vor den Hinterreifen neu gestaltet. Der Diffusor ist inklusive der dort verbauten Fences und Winglets ebenfalls neu.
Spektakulär fallen die neuen Seitenkästen aus. Newey gräbt dafür eine alte Idee wieder aus, die zu Beginn des 2022er Reglements schon unter anderem am Aston Martin zu sehen war. Statt eines starken Undercuts schweben die Seitenkästen komplett. Darunter zieht sich die Karosse bis zum Motor hin zusammen.
Gering fallen allerdings die Änderungen an der Motorabdeckung aus und ebenfalls nur eine kleine Änderung gibt es an den Kühllamellen und an der Hinterachse. Auch die Änderungen an der Hinterrad-Aufhängung beschreibt das Team als klein. Dort haben sich die Position des Federbeins und der Verkleidungen geändert.
Ergänzt wird das komplette Update mit einem neuen Heckflügel (inklusive Endplate), der gemeinsam mit dem Beam Wing sowohl das Abtriebslevel für den Kurvenmodus erhöhen als auch den Luftwiderstand auf der Geraden im Straight-Mode reduzieren soll. Erreicht wird das dadurch, dass die drei Flügelprofile in der Größenverteilung anders aufgeteilt sind. Dazu kommen noch weitere Winglets auf dem Flap.
Aston Martin AMR26: Wie viel bringt das neue Formel-1-Auto?
Bei all diesen Änderungen ist es fast schon leichter aufzuzählen, was sich nicht geändert hat: Die Vorderachse blieb noch dieselbe und entgegen anderslautenden Gerüchten der vergangenen Tage ist auch das Getriebe weiterhin unverändert, wie Krack am Donnerstag betont hatte. Über den erhofften Zeitgewinn gehen die Meinungen im Formel-1-Paddock auseinander.
Die Rede ist im Paddock-Funk von etwa 1,5 Sekunden. Laut manchen unbestätigten Gerüchten möglicherweise sogar noch mehr. Zum Vergleich: In Spa lag Fernando Alonso als besserer Aston-Fahrer über zwei Sekunden hinter den Cadillacs. Das wären grob umgerechnet auf den wesentlich kürzeren Hungaroring etwa 1,3 bis 1,4 Sekunden.
Auch wenn man einen ziemlich großen Sprung erwarten darf, sind die Probleme von Aston Martin in der Formel 1 damit noch lange nicht ad acta gelegt. Denn der brustschwache Honda-Motor, der weit hinter dem restlichen Feld hinterherhinkt, ist aktuell immer noch unverändert. Die Japaner planen, nach der Sommerpause in Zandvoort einen neuen Antrieb einzuführen.



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