Seit dem Saisonbeginn trat Aston Martin in der Formel 1 auf der Stelle, während die restlichen Teams ein Upgrade nach dem anderen lieferten. Das Team aus Silverstone, das erstmals als Honda-Werksrennstall an den Start geht, lag und liegt so weit zurück, dass es zunächst grundlegendere Dinge aussortieren musste, ehe überhaupt an Nachbesserungen zu denken war.

Schon länger ist aber die Rede davon, dass rund um die Sommerpause ein erstes breit gefächertes Paket für den AMR26 eingeführt werden sollte. Bis zuletzt war allerdings unklar, welchen Termin das Team für dieses große Update anpeilt. In einem Nebensatz hatte Teamvertreter Mike Krack am Sonntag die Bemerkung fallen gelassen, dass man "die nächsten zwei Events in der bestehenden Situation" durchbringen werde. Er ging anschließend aber nicht genauer darauf ein, ob das tatsächlich als eine fixe Ansage in Bezug auf die Upgrades zu verstehen sei.

Adrian Newey: Aston-Martin-Upgrade kommt in Ungarn

Am Dienstag griff Teamchef Adrian Newey allen Spekulationen vor und bestätigte in einem Interview auf der Webseite des Teams, dass man mit den ersten großen Upgrades den Großen Preis von Ungarn anpeilt - also nach Silverstone und Spa das dritte Rennen im Juli. Dann sollen die neuen Teile sogar in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen, um beide Autos damit ausstatten zu können.

Ein komplett neues Chassis wird es, entgegen vereinzelter Gerüchte, die in den letzten Monaten aufkamen, nicht geben. Trotzdem kann man erwarten, dass das Auto von Fernando Alonso und Lance Stroll eine neue Optik tragen wird. Newey erklärte, welche Bereiche im Fokus stehen. "Die Vorderradaufhängung bleibt unverändert. Die Hinterradaufhängung wird leicht adaptiert. Wir haben eine neue Nase entwickelt und die aerodynamische Oberfläche substanziell überarbeitet."

Der Aston Martin speckt ab: "Fast am Gewichtslimit"

Mit diesen Neuerungen einhergehend soll sehr viel Gewicht im Auto abgebaut werden, vor allem im vorderen Teil des Chassis. Dieses musste deshalb sogar neu homologiert werden und Crashtests überstehen. Seit Saisonbeginn schleppt der AMR26 extrem viel Übergewicht mit sich herum. Verlässliche Zahlen liegen zwar keine vor, aber plausible Gerüchte sprechen von 10 bis 15 Kilogramm, die der AMR26 über dem Mindestgewicht von 768 Kilogramm liegen soll. Grob kalkuliert wären das schon einmal drei bis fünf Zehntel pro Runde.

Newey führte zwei Gründe für das Übergewicht auf. "Einiges davon kommt von der Integration der Power Unit und unseren Lösungen für die Vibrationsprobleme, die wir mit Honda durcharbeiten mussten. Aber wir haben auch keinen so guten Job erledigt, wie wir hätten sollen, wenn es darum ging Gewicht zu sparen." Letzteres sei auf die extrem späte Entwicklung und Fertigung des Autos zurückzuführen: "Wenn man in Eile designt, dann ist das Gewicht das erste, das Schaden nimmt, weil man nicht die Zeit hat alles eingehend zu optimieren."

Ab Ungarn sollten die Gewichtsprobleme beinahe vollständig ad acta gelegt werden. "Das Ziel befindet sich sehr nah am Gewichtslimit", betonte Newey und fasste die Intention hinter den Upgrades noch einmal zusammen: "Während die Kernstruktur ähnlich ist, ist es ein aerodynamisches Paket kombiniert mit signifikanter Gewichtsreduktion.

Adrian Newey gesteht: Haben nicht als Einheit gearbeitet

Der Aston Martin war im Winter erst spät fertig geworden und kam bei den als Shakedown betitelten ersten Testfahrten in Barcelona erst wenige Minuten vor dem Ende des vorletzten Tages erstmals auf die Strecke. Newey führte das schon öfters darauf zurück, dass das Auto erst ab dem März 2025 entwickelt wurde und erst im April 2025 im Windkanal stand.

Bei den Tests sorgte der Bolide aufgrund seines eigenwilligen Designs für Schlagzeilen, in Form seiner robusten Nase und eines Seitenkastens mit extremem Undercut. Auf der Hinterachse verfügte der AMR26 damals wie heute über aufsehenerregende Lösungen.

Schnell verflog aber der Hype, als das Auto defektanfällig und nicht konkurrenzfähig war, auch wenn Newey sich beim Saisonauftakt noch davon überzeugt zeigte, dass der Rückstand vorwiegend motorseitig beheimatet sei, und das Chassis das fünftbeste im Feld sei. Nachdem bereits Krack von diesen Behauptungen zurückruderte, klingt das inzwischen auch bei Newey anders.

Das Red-Bull-Designgenie äußerte sich überraschend deutlich zur suboptimalen Arbeitsweise des Silverstone-Teams, das in den letzten Jahren personell und infrastrukturell massiv aufgestockt hat: "Wir haben eine talentierte Gruppe an Leuten, aber als Organisation haben wir noch nicht so gut zusammengearbeitet, wie man es gerne hätte und bildeten noch keine geschlossene Einheit."

Kann das Upgrade Fernando Alonso in der Formel 1 halten?

Auch vor sich selbst macht er dabei keinen Halt, und nahm die Schwierigkeiten mit dem Chassis auf seine Kappe: "Aerodynamisch haben wir eine mutige Richtung eingeschlagen - was vor allem von mir vorangetrieben wurde - ohne den Luxus, dass wir mehrere Konzepte gleichzeitig tiefgehend analysiert hatten, weil die Zeit gegen uns war."

"Ich würde nicht sagen, dass die Richtung grundsätzlich falsch ist, aber sie hat einige Herausforderungen aufgeworfen, die wir nicht erwartet hatten", relativiert Newey diese Einschätzung aber. Das Upgrade soll nicht nur die Formel-1-Saison 2026 wieder in eine richtige Richtung lenken, sondern auch dabei helfen die Fahrersituation zu klären.

Fernando Alonso hatte in Barcelona über ein potenzielles Karriereende gesprochen, womöglich schon am Ende dieser Saison, Aston Martin möchte den zweifachen Weltmeister aber Argumente liefern, in der Königsklasse zu bleiben. "Fernando freut sich sehr auf das Upgrade und wenn es performt, hoffen wir, dass er ein weiteres Jahr im Cockpit sitzen wird."

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