Am Sonntag, 26. Juli 2026 gewann Mirko Bortolotti das zweite DTM-Rennen in Oschersleben - 18 Tage später, am Donnerstag, 13. August, war der Sieg des GRT-Lamborghini-Piloten erst einmal futsch. Die Sportkommissare disqualifizierten den Ex-Champion vom Sonntagsrennen in Oschersleben nach einer Anhörung von GRT-Teamchef Gottfried Grasser auf dem Nürburgring, wo nun das nächste DTM-Rennwochenende ansteht.
GRT wird vorgeworfen, ein Radlager in Bortolottis Lamborghini Temerario GT3 verbaut zu haben, das nicht der DTM-Homologation entspricht. Das GRT-Team hat fristgemäß eine Berufung gegen das Urteil angekündigt und nun 96 Stunden Zeit, also bis zum Sonntagabend, um diese schriftlich zu bestätigen. Solange bleibt das Rennergebnis aus Oschersleben vorläufig.
Fan-Frust über lange Wartezeit bis zur Bortolotti-Disqualifikation
Spannend: Bortolotti muss im Samstags-Rennen am Nürburgring ebenso mit 20 Kilo Erfolgsballast fahren wie Maro Engel, der nach der Disqualifikation als vorläufiger Oschersleben-Sieger gewertet wird.
Viele Beobachter und Fans fragten sich am Donnerstagabend nach der Bekanntgabe des Urteils aber vor allem, warum es so lange dauerte, um Bortolotti zu disqualifizieren. Verständlich, schließlich will niemand zweieinhalb Wochen und womöglich noch viel länger warten müssen, bis ein Rennsieger feststeht. Der Frust vieler DTM-Anhänger ist deshalb nachvollziehbar.
Spezielle Untersuchung des Radlagers vom Lamborghini
Gleichzeitig gilt es die Hintergründe zu erschließen, die zu dieser langen Untersuchungsphase führten - und die sind komplexer als man annehmen würde. Nach dem Rennen in Oschersleben wurden seitens der Dekra die vorderen Radlager und Radnaben des Lamborghini demontiert, um sie einer genauen Untersuchung zu unterziehen.
Um die Radlager aus dem Radträger zu lösen, benötigt es Spezialwerkzeug - das musste erst einmal bei Lamborghini angefordert werden. Eine Vorbestellung der Werkzeuge war nicht möglich, weil die Sportkommissare erst zu Beginn eines Rennwochenendes entscheiden, auf welche Fahrzeugteile die Technischen Kommissare ihren Fokus richten sollen.
Die Untersuchung selbst wurde durch ein Gutachten von einem speziellen Labor, in diesem Fall von einem Institut der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt, dokumentiert. Die Erstellung mehrerer Gutachten, die im Zweifelsfall gerichtsfest sein sollen, dauerte ebenfalls mehrere Tage. Anschließend wurden die Ergebnisse der Untersuchung an den Technischen Delegierten der DTM geschickt.
Beim DMSB habe man somit erst am Dienstagabend in dieser Woche erfahren, dass ein Reglement-Problem beim Radlager vorliegt. Der nachfolgende Donnerstag vor dem Auftakt am Nürburgring bildete dann die erstbeste Gelegenheit für die Sportkommissare, um GRT-Chef Grasser zu einer Anhörung vorzuladen und seine Argumentation anzuhören.
"Natürlich wünschen sich DMSB und Fans gleichermaßen ein möglichst zügiges endgültiges Ergebnis einer Rennveranstaltung", teilte ein DMSB-Sprecher auf Anfrage von Motorsport-Magazin.com mit. "Genauigkeit aber geht in diesem Fall vor Schnelligkeit. Jeder Teilnehmer darf eine sauber vorbereitete Untersuchung und eine korrekte Dokumentation erwarten. Diese liefern die Technischen Kommissare von DEKRA oder wie in diesem Fall ein externes Labor - und zwar so schnell es unter den jeweiligen Bedingungen technisch möglich ist."
GRT-Chef: Berufung fünf Minuten nach Urteil angekündigt
"Wir wurden am Sonntag nach dem zweiten Rennen in Oschersleben aufgefordert, das betroffene Radlager für eine genauere Untersuchung auszubauen", sagte Grasser zu Motorsport-Magazin.com. "Die Dekra hat das Radlager mitgenommen, aber erst gestern (Donnerstag, 13.08.2026, d. Red.) wurde mir hier am Nürburgring um 16:00 Uhr von den Sportkommissaren mitgeteilt, dass dieses Radlager nicht dem Technischen Reglement 2026 der DTM entspricht."
Grasser war für den Fall einer möglichen Disqualifikation vorbereitet und kündigte "fünf Minuten nach der Urteilsverkündung" eine Berufung an. Warum das so schnell ging? "Als wir in Oschersleben aufgefordert wurden, das Radlager auszubauen, haben wir uns auf die Möglichkeit vorbereitet, in Berufung gehen zu können, sollte es zu der jetzt feststehenden Entscheidung kommen."

So argumentiert Grasser gegen die Disqualifikation
Wie aus dem Urteil hervorgeht, habe Grasser bei der Anhörung erklärt, dass bei früheren und anderen Veranstaltungen eine Modifikation der Radlager zulässig gewesen sei und man vergessen habe, diese für das DTM-Rennwochenende in Oschersleben auszutauschen. Zudem habe Grasser erklärt, dass eine Klarstellung zum Sportlichen Reglement der DTM 2024 weiterhin im Download-Center im Ordner für das Jahr 2024 heruntergeladen werden könne und seiner Auffassung nach wie vor gültig sei.
Dazu erklärte uns der Österreicher auf Nachfrage: "Aus meiner Sicht haben die Sportkommissare nicht bedacht, was dazu im Download-Fenster des DTM-GT3-Reglements zu finden ist. Das einzige Bauteil, was dort nämlich freigestellt wurde, ist das Radlager. Ich haben den Sportkommissaren den Ausdruck aus der Klassifikation des Download-Fensters und die damit verbundene Klarifizierung vorgelegt. Demzufolge gibt es kein weiteres Bauteil, das darin überhaupt erwähnt wird. Nur das Radlager ist freigestellt."
Wandert der Fall bis vors DMSB-Berufungsgericht?
Außerdem erklärte Grasser, dass der Lamborghini Temerario GT3 von Bortolotti ausschließlich in der DTM zum Einsatz komme und in keiner anderen Serie. Dazu muss man wissen: Das Grasser-Team engagiert sich dieses Jahr mit dem neuen Temerario auch in der GT World Challenge Europe.
Das DTM-Fahrerlager wartet nun mit Spannung auf den Sonntagabend und darauf, ob GRT tatsächlich die Berufung gegen die Bortolotti-Disqualifikation durchziehen wird. In diesem Fall würde die Angelegenheit zu einem späteren Zeitpunkt vor dem Berufungsgericht des DMSB in Frankfurt verhandelt und erst dann final entschieden werden. Bis dahin bleiben sowohl das Oschersleben-Ergebnis als auch der Stand in der Meisterschaft vorläufig.
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