Maro Engel, Nicki Thiim, Lucas Auer, Matteo Cairoli oder aktuell Thomas Preining: Mehrere Fahrer wechselten sich in der DTM-Saison 2026 als aussichtsreichste Titelanwärter ab. Einen Namen hatten nur wenige Beobachter auf ihrer Bingo-Karte: Marco Wittmann. Kein Wunder, erlebte der Schubert-BMW-Pilot zur Saisonmitte einen Durchhänger, kassierte einen Nackenschlag beim Norisring-Heimspiel und hatte nach dem fünften Rennwochenende in Oschersleben beträchtliche 56 Punkte Rückstand zur Spitze.

Vier Rennen, drei Podestplätze, zwei Siege und eine Pole Position später sieht die Angelegenheit ganz anders aus: Wittmann hat sich bis auf den dritten Platz in der DTM-Tabelle zurückgekämpft und reist mit 24 Punkten Abstand auf Preining zum Saisonfinale an den Hockenheimring (09.-11. Oktober 2026). Den zweifachen DTM-Champion und den zuletzt glücklosen Mercedes-Piloten Engel trennt sogar nur noch ein Zähler.

Nachträglich bestraft! Kostet dieser Crash Maro Engel den DTM-Titel? (10:51 Min.)

Marco Wittmann sieht sich vor DTM-Finale "in Schlagdistanz"

Während Engel nach zwei selbstverschuldeten Kollisionen den greifbaren DTM-Titel im Endspurt der Saison zu verspielen droht und alles für Preining spricht, könnte Wittmann mit seiner aktuellen Form für eine mittelschwere Sensation gut sein beim Finale. Der 36-Jährige versprühte trotz des deutlichen Rückstandes jedenfalls reichlich Selbstvertrauen: "Dass wir in Schlagdistanz sind für Hockenheim, ist ein Traum! Wenn man überlegt, dass wir über 60 Punkte (56; d. Red.) zurück waren, ist das grandios! Alles, was jetzt noch kommt, wäre ein i-Tüpfelchen."

Wittmann befindet sich auf bestem Wege zu seinem erfolgreichsten DTM-Jahr seit der Einführung des GT3-Reglements 2021. Mit aktuell 173 Punkten hat er mehr Zähler geholt als in jener Saison, wo er im BMW M6 GT3 von Walkenhorst den vierten Gesamtplatz (171 Punkte) erzielte und ebenfalls mit Titel-Chancen zum Finale gereist war. Wittmann errang damals zwei Siege und insgesamt fünf Podestplätze, momentan hat er schon ein Podium mehr auf seinem Konto.

Marco Wittmanns GT3-DTM-Karriere

SaisonTeamSiegePodienPolesGesamtplatz
2021Walkenhorst-BMW252P4 (171 Punkte)
2022Walkenhorst-BMW130P8 (98 Punkte)
2023Project-1-BMW000P13 (91 Punkte)
2024Schubert-BMW120P12 (110 Punkte)
2025Schubert-BMW041P5 (170 Punkte)
2026*Schubert-BMW261P3 (173 Punkte)

* Saison noch nicht beendet, Bortolotti-Urteil offen

Fall Bortolotti: Wittmann könnte Engel überholen

Eine erste 'Kirsche auf der Torte' könnte es sogar schon am 25. September geben, wenn die Oschersleben-Disqualifikation von Mirko Bortolotti vor dem DMSB-Berufungsgericht verhandelt wird. Sollte der Lamborghini-Pilot den Sieg doch noch zurückerhalten, würde Wittmann effektiv zwei Punkte zu Engel gutmachen und dadurch den zweiten Platz in der Tabelle übernehmen. Der Rückstand zu Preining würde in diesem Fall 'nur' noch 23 Zähler (einer weniger als aktuell) betragen.

"Was die Zähler anbelangt, sind wir vor dem Saisonfinale nun ganz gut dabei", meinte Schubert-BMW-Teamboss Torsten Schubert. "Rechnerisch ist noch alles möglich. Nun haben wir Hockenheim vor der Brust und da wollen wir ein schönes Finale fahren und möglichst den Titel holen." BMW-Motorsportchef Andreas Roos formulierte die Zielsetzung noch etwas aggressiver: "Wir wollen voll angreifen und uns den Traum vom Titel doch noch erfüllen."

Titel-Sensation? Sachsenring wäre entscheidender Wendepunkt

Für Wittmann wäre es der dritte DTM-Titelgewinn in Diensten von BMW und der erste nach einer zehnjährigen Wartezeit. Dass sich der Franke ausgerechnet nach dem Wochenende am Sachsenring Hoffnungen machen kann, war eine absolute Überraschung. Der kurvige Motorrad-Kurs liegt dem BMW M4 GT3 Evo mit seinem langen Radstand eigentlich überhaupt nicht und war in der Vergangenheit kein gutes Pflaster für den Münchner Autobauer.

Sollte Wittmann die Titel-Sensation tatsächlich gelingen, müsste man wohl das Samstags-Qualifying am Sachsenring noch vor seinem Nürburgring-Doppelpodest als entscheidenden Wendepunkt hervorheben. Bei der wegen eines Unfalls von Lucas Auer stark verkürzten Zeitenjagd erwischte Wittmann den besten Zeitpunkt auf der Strecke und fuhr völlig überraschend zur Pole Position. Im Rennen konnte er sich selbst mit 20 Kilo Erfolgsballast nach seinem vorangegangenen Nürburgring-Sieg breit genug machen, um vor Jules Gounon und Thomas Preining zu gewinnen.

Obwohl Wittmann am Sonntag im nassen und kniffligen Qualifying nicht das volle Potenzial des BMW ausschöpfte und nur vom 16. Platz startete - Teamkollege Kelvin van der Linde von P7 - glückte ihm im Zwei-Stopp-Rennen eine starke Aufholjagd. Wittmann überquerte den Zielstrich als Siebter und machte zumindest Boden gut auf Engel, der für seinen Abschuss von van der Linde nachträglich bestraft wurde und leer ausging.

Wittmann: "Vollgas geben - aber auch mal raushalten"

"Wir haben uns gut verbessert, nach vorne gekämpft und profitiert von den Zweikämpfen der anderen", schilderte Wittmann seine Sicht. "Das ist das, was ich immer mache: Wenn es zur Sache geht, Vollgas geben, aber vielleicht auch mal raushalten und Punkte mitnehmen. Das hätte ich vor dem Wochenende nicht für möglich gehalten. Wir haben es geschafft, richtig viele Punkte mitzunehmen."

Wittmann muss am Hockenheimring zwar auf den einen oder anderen Patzer von Titelfavorit Preining und der starken Manthey-Porsche-Truppe - vier von sechs Hockenheim-Siegen seit 2023, dreimal durch den Österreicher - hoffen, kann aber auch aus seiner eigenen Kraft schöpfen: Mit vier Siegen im Motodrom (2014, 2017, 2019, 2022) ist Wittmann hier der erfolgreichste aller aktiven Piloten in der DTM. Beim Finale sind für einen Fahrer noch maximal 56 Punkte zu holen: zweimal 25 für den Rennsieg und zweimal drei für die Pole.

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