"Wir hoffen, dass wir das Wochenende überstehen und zwei Autos an den Start bringen." Adrian Newey scheute in der FIA-Pressekonferenz nach dem ersten Freien Training in Australien nicht davor zurück, die Probleme beim Namen zu nennen. Abgesehen von den unmittelbaren Zuverlässigkeitsproblemen und den massiven Vibrationen, die für Fernando Alonso und Lance Stroll gesundheitliche Gefahren darstellen, ist die Honda-Power-Unit auch noch leistungsschwach.
Bereits bei den Wintertests hieß es im Formel-1-Paddock, dass der Honda-Motor bei der Energie-Rückgewinnung nicht einmal 250 kW schaffe. "Eines der Probleme dieser Regeln ist, dass man umso mehr elektrische Energie einsetzen muss, je weniger Leistung man vom Verbrennungsmotor hat, um dieses Defizit auszugleichen. Das bedeutet wiederum, dass die Batterie bereits leer ist, wenn man die elektrische Energie auf den Geraden eigentlich wirklich braucht. Dadurch entsteht eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale", erklärte Adrian Newey.
Das Design-Genie, das bei Aston Martin mittlerweile auch die Rolle des Teamchefs besetzt, gibt angesichts der Vielzahl an Problemen offen zu, sich machtlos zu fühlen. Die starken Vibrationen am Motor schränken die Streckenzeit massiv ein, weshalb Aston Martin bisher kaum Informationen über den AMR26 sammeln konnte. Trotzdem gibt sich Newey zuversichtlich, dass sich das Team über die Saison aus diesem Teufelskreislauf herausbewegen kann.
Aston Martin & Honda: Lange Liste an Problemen
"Realistisch betrachtet geht es in dieser Saison zunächst einmal, wie ich bereits erwähnt habe, darum, dieses Vibrationsproblem in den Griff zu bekommen, damit wir zuverlässig fahren können, und dann zu sehen, wie viel Leistung sie insbesondere dem Verbrennungsmotor hinzufügen können", so der Brite. Die lange Liste an Problemen auf Seiten der Japaner ruft Erinnerungen an 2015 und 2017 wach. Gleichzeitig war Honda ein Schlüsselfaktor von Red Bulls vier Fahrer- (2021-2024) und zwei Konstrukteurstiteln (2022, 2023) in den letzten Jahren.
Also wie kam es dazu, dass Honda jetzt in dieser Situation steckt? Die Antwort ist ganz einfach: Die angesehene Motorentruppe, die mit Red Bull Erfolge feierte, hat nichts mehr mit der jetzigen Motorenmannschaft gemein. Zur Erinnerung: Honda beschloss Ende 2021, aus der Formel 1 auszusteigen und Red Bull bis Ende 2025 mit den da schon per Reglement eingefrorenen Power Units zu beliefern. Daher wurden die Entwicklungskapazitäten Schritt für Schritt zurückgefahren.
Als sich die Japaner 2023 für ein Comeback mit Aston Martin entschieden, mussten Koji Watanabe und Shintaro Orihara die Entwicklungskapazitäten wieder neu aufbauen. "Als sie sich neu aufstellten, stellte sich heraus, dass sich ein großer Teil der ursprünglichen Gruppe aufgelöst hatte und inzwischen an anderen Projekten arbeitete, etwa im Bereich Solartechnik oder Ähnlichem", erklärte Newey. Sprich: Das Honda-Team, das für Aston Martin die Power Unit baute, bestand mehrheitlich aus F1-Newcomern, die lediglich den Vorteil hatten, auf die Daten ihrer Vorgänger zurückgreifen zu können.
Newey will von Nichts gewusst haben
"Sie brachten nicht die Erfahrung mit, die zuvor vorhanden gewesen war", bestätigte Newey. Hinzu kam, dass 2023 erstmals die Budgetobergrenze für Motoren eingeführt wurde. Die Konkurrenz konnte in den Jahren 2021 und 2022 mit ihren bestehenden Teams und ohne Budgetlimit kontinuierlich weiterentwickeln, während Honda laut Newey mit schätzungsweise 30 Prozent seines ursprünglichen Teams zurückkehrte und obendrein im Zeitalter des Budget-Cap startete. "Sie starteten also mit einem deutlichen Nachteil", betonte Newey.
Aber warum wechselte Aston Martin angesichts all dieser Faktoren überhaupt von Mercedes- zu Honda-Motoren? Neweys Antwort dürfte überraschen: Man hätte davon nichts gewusst. "Wirklich bewusst wurde uns das erst etwa im November vergangenen Jahres, als wir – also Lawrence (Stroll), Andy (Cowell) und ich – nach Tokio geflogen sind, um über die anhaltenden Gerüchte zu sprechen, dass sie ihre ursprünglich angestrebte Motorleistung zum ersten Rennen nicht erreichen würden. Erst im Zuge dieser Gespräche stellte sich heraus, dass nur wenige aus der ursprünglichen Belegschaft wieder dabei waren, als das Projekt neu gestartet wurde."



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