Jetzt ist auch die zweite Doppelspeerspitze bei Audi Formel 1-Geschichte. 2024 mussten Teamchef Andreas Seidl und Verwaltungsratschef Oliver Hoffmann zeitgleich den Hut nehmen. Dieses Mal ist es etwas anders gestrickt, aber nicht weniger explosiv. Nachdem Spekulationen über einen Wechsel von Jonathan Wheatley zu Aston Martin die Runde machten, folgte jetzt die offizielle Bestätigung seitens Audi.

In der offiziellen Pressemitteilung des Rennstall heißt es allerdings, dass Jonathan Wheatley "aus persönlichen Gründen das Team mit sofortiger Wirkung verlässt". Seine Rolle als Teamchef und damit die Verantwortung für das operative Geschäft an der Rennstrecke übernimmt der bisherige Head of Audi F1 Project, Mattia Binotto. Somit berichtet künftig nur noch einer an Audi-CEO Gernot Döllner.

Die Lage bei Red Bull sieht nach zwei Rennen schlecht aus. Audi wirkt hingegen verhältnismäßig gut, doch trügt der Schein? F1-Experte Christian Danner analysiert das Mittelfeld.

Audi setzt künftig voll und ganz auf Binotto

"Mattia Binotto und das Team werden den eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen. Unsere Ausrichtung bleibt unverändert: Wir konzentrieren uns mit aller Kraft darauf, ein Hochleistungsteam aufzubauen, das ab 2030 um Weltmeisterschaften in der Formel 1 fährt. Dafür werden wir unsere Organisationsstrukturen kontinuierlich weiterentwickeln, um unser gemeinsames Ziel nachhaltig zu erreichen", wird Döllner in der Audi-Pressemitteilung zitiert.

Der Abgang von Wheatley nach nur zwei Rennen ist für das F1-Werksteam ein herber Rückschlag – und ein weiterer Abgang in der mittlerweile langen Mitarbeiterliste von Audi. Vom ursprünglichen Führungsteam, das seit Stunde 0 mit dem Projekt vertraut war, sind nur noch Motoren-Chef Stefan Dreyer und Chef-Berater Allan McNish geblieben. Nach außen hin ist man Wheatley für die geleistete Arbeit dankbar. "Wir sind Jonathan Wheatley dankbar für seinen Beitrag zum Projekt in der wichtigen Phase des Einstiegs und wünschen ihm alles Gute für die Zukunft", so Döllner.

Offiziell verlässt der Brite Audi mit sofortiger Wirkung. Üblich ist allerdings, dass hochrangige Teammitglieder mit einem "Gardening Leave" davon abgehalten werden, direkt bei einem Konkurrenten anzuheuern. Das bedeutet, die Teams bezahlen eine Person lieber ein halbes Jahr oder länger fürs Nichtstun, um zu verhindern, dass diese aktuelles und wichtiges Wissen der Konkurrenz preisgibt.

Nach Audi-Abgang meldet sich Aston Martin zu Wort

Noch pikanter: Nicht einmal 30 Minuten nach der Audi-Mitteilung folgte eine Aussendung von Aston Martin. Die Bestätigung von Wheatley als Nachfolger von Adrian Newey? Fehlanzeige! Stattdessen heißt es seitens Aston-Martin-Boss Lawrence Stroll: "Wir werden regelmäßig von hochrangigen Führungskräften anderer Teams kontaktiert, die dem Aston Martin Aramco Team beitreten möchten, aber in Übereinstimmung mit unserer Politik kommentieren wir keine Gerüchte und Spekulationen." Ein echtes Dementi klingt allerdings anders.

Bereits vor dem desaströsen Saisonstart zweifelten viele an der Entscheidung, Adrian Newey zum Teamchef zu befördern. Angesichts der Probleme mit Honda räumte Newey selbst ein, nicht zu seinen Aufgaben zu kommen. Trotzdem betont Stroll: "Angesichts der aktuellen Spekulationen über Adrian Neweys Rolle in unserem Team möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um die Fakten klarzustellen. [...] Adrian und ich haben eine wahre Partnerschaft, die auf einer gemeinsamen Vision des Erfolgs für das Unternehmen basiert. Wir machen die Dinge hier anders, und obwohl wir derzeit nicht die traditionelle Rolle des Teamchefs übernehmen, wie man sie anderswo sieht, geschieht dies bewusst."

Bereits in Australien nahm Newey zu seiner neuen Rolle bei Aston Martin Stellung und betonte, dass er zu seiner Unterstützung ein hochqualifiziertes Senior Leadership Team um sich herum aufgebaut hat. Dieses Team besteht aus Technikdirektor Enrico Cardile, Chief Operating Officer (COO) Paul Field und Chief Financial Officer Robert Yeowart. "Sie erlauben es mir, meine Zeit effizient zu nutzen", betonte Newey. Ob sich zu diesem Team auch Wheatley hinzugesellen wird, damit Newey sich noch mehr um die Probleme des Autos konzentrieren kann, wird die Zukunft zeigen.

Zum Zeitpunkt von Christians Aufnahme war der Knall noch nicht offiziell.

Teamchef-Beben bei Audi! Wheatley vor Wechsel zu Aston Martin?! (18:09 Min.)