China zeigte der Formel 1 die Grenzen der 2026er-Revolution auf. Gleich sieben Fahrer sahen wegen technischer Defekte die Zielflagge nicht, vier kamen gar nicht erst bis zum Start. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein einziges Technik-Debakel.
Doch wiegen die Zuverlässigkeitsprobleme der neuen Fahrzeuggeneration tatsächlich so schwer oder sind sie bei einer so tiefgreifenden Regelrevolution fast zwangsläufig zu erwarten? Grund genug, sich einmal anzusehen, wie es bei der letzten Regelrevolution im Jahr 2014 verlief, als nach acht Jahren der 2,4-Liter V8-Saugmotor gegen den 1,6-Liter V6-Turbomotor ersetzt wurde.
Das Zwischenfazit der Formel 1 nach zwei Rennen 2026 fällt positiv aus. Nur das Qualifying macht noch Sorgen. Vor dem Japan GP gibt es aber keine Änderungen.
Den direktesten Vergleich liefert der Australien GP, der sowohl 2014 als auch in diesem Jahr den Saisonauftakt bildete. 2014 gingen 22 Fahrer an den Start, fünf fielen wegen technischer Defekte aus - vier davon im Zusammenhang mit der neuen Power Unit. Lewis Hamilton musste seinen Mercedes schon nach zwei Runden mit Fehlzündungen abstellen.
Ein ähnliches Problem vermeldete Red Bull Racing am Boliden von Sebastian Vettel. "Es sieht so aus, als hätte sich ein Zylinder verabschiedet, aus welchem Grund auch immer", erklärte Christian Horner. Pastor Maldonado und Romain Grosjean wurden ebenfalls von Problemen an der Power Unit gestoppt. Marcus Ericsson musste seinen Caterham wegen Öldruck-Problemen abstellen.
Die technische Ausfallquote lag damit bei 22,72 Prozent. Insgesamt sahen sogar nur 13 Fahrer die Zielflagge. Besonders bitter: Daniel Ricciardo wurde nach dem Rennen aufgrund eines zu hohen Benzinflusses disqualifiziert. Dagegen verlief der Australien GP 2026 trotz der Diskussionen im Vorfeld vergleichsweise glimpflich. Von 22 Piloten überquerten 16 die Ziellinie.
Nur zwei Ausfälle waren klar auf technische Defekte zurückzuführen, hinzu kam Nico Hülkenbergs Nicht-Start, zu dessen Ursache sich Audi allerdings bedeckt hielt. Isack Hadjar fiel mit einem Hydraulikproblem aus, Valtteri Bottas mit einem Defekt am Benzinsystem. Die technische Ausfallquote lag bei 13,63 Prozent und damit klar unter jener des Saisonauftakts zwölf Jahre zuvor.
2026 vs. 2014: Eine Sache fällt auf
Was 2026 auffällt, sind die technisch bedingten Nicht-Starts. Während in Australien nur Hülkenberg betroffen war, traf es in China gleich vier Fahrer: Hülkenberg-Teamkollege Gabriel Bortoleto, Alex Albon, Oscar Piastri und Weltmeister Lando Norris. Einen Totalausfall wie bei McLaren in China sucht man in der modernen Formel 1 erfolglos.
Beide Autos laborierten an einem Elektronikproblem an der Power Unit, allerdings laut Stella mit unterschiedlichen Auslösern. Albons Nicht-Start begründete sich auf einem Problem mit der Hydraulik.
Bei Bortoleto hüllte sich Audi wie schon bei Hülkenberg in Australien in den Mantel des Schweigens. Dazu kamen weitere Defekte im Rennen: Bei Lance Stroll streikte die Batterie, bei Max Verstappen die Kühlung. Fernando Alonso stellte seinen Aston Martin nach 32 Runden ab, weil die vom Motor ausgehenden Vibrationen so stark waren, dass er nach eigener Aussage Hände und Füße nicht mehr spürte.
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Angesichts der Komplexität des neuen Reglements lassen sich die Defekte bis jetzt in die Schublade "Kinderkrankheiten" einordnen. Die Systeme sind neu, extrem eng miteinander verzahnt und noch nicht in allen Bereichen ausgereift. Vor diesem Hintergrund hebt sich China 2026 mit einer technischen Ausfallquote von 27,27 Prozent zwar negativ ab, fällt im Vergleich mit dem zweiten Saisonrennen 2014 aber nicht völlig aus dem Rahmen.
Beim Malaysia GP, dem zweiten Saisonrennen 2024, lag die technische Ausfallsquote bei 22,72 Prozent. Unterm Strich lässt sich der holprige Saisonstart durchaus als ein Begleitphänomen einer gravierenden technischen Regelrevolution ansehen. Oder siehst du es anders? Teile uns deine Meinung in den Kommentaren mit!



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