Die Verantwortlichen der WEC haben sich über den Winter dazu entschieden, keinerlei Daten zur Balance of Performance mehr der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. BoP-Tabellen sind ab sofort Verschlusssache. Sowieso zu unverständlich für Fans und Medien sowie ohne alle vorhandenen Parameter eh nicht nachvollziehbar, meinte der WEC- und Le-Mans-Veranstalters ACO in Zusammenarbeit mit der FIA.

Es war der nächste Versuch des ACO, das leidige BoP-Thema einfach totschweigen zu wollen - schon 2024 wurde im Reglement ein Maulkorb-Paragraph installiert, der allen Teilnehmern öffentliche BoP-Diskussionen unter Androhung einer Strafe verbietet. Die IMSA-Meisterschaft aus den USA sprang auf den Zug auf und hat inzwischen ebenfalls ein Redeverbot erteilt. Die 'Sowjetunion-ähnlichen' Zustände werden weltweit von Medienvertretern aufs Schärfste verurteilt.

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DTM-Boss über BoP-Maulkorb: Verbot macht keinen Sinn

In der DTM spielt die Balance of Performance bekanntermaßen eine ebenso tragende Rolle beim sportlichen Geschehen - in der deutschen Traditionsserie soll die freie Meinungsäußerung allerdings nicht eingeschränkt werden, betonte ADAC-Motorsportchef Thomas Voss am Rande des Saisonauftakts auf dem Red Bull Ring. Und die BoP-Tabellen bleiben für jedermann einsichtbar.

Zu den Redeverboten des ACO und der IMSA wollte sich Voss nicht äußern, meinte aber mit Blick auf die hauseigene DTM: "Eine Diskussion (über die BoP; d. Red.) zu verbieten, macht keinen Sinn. Im Zweifel kann man es als Teamchef oder als Hersteller sowieso verklausuliert rüberbringen. Wir haben ja auch schon erlebt, dass emotional im Funk etwas gesagt wird. So etwas unter Strafe zu stellen? Es gibt ein Recht auf freie Meinungsäußerung."

ADAC-Motorsportchef Thomas Voss bei der DTM
ADAC-Motorsportchef Thomas Voss hält nichts von Redeverboten, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

BoP zu komplex für seriöse Diskussionen in der Öffentlichkeit?

Ebenso merkte Voss an, dass die BoP-Thematik mit all ihren unterschiedlichen Parametern sehr komplex und eine öffentliche Diskussion darüber deshalb tatsächlich schwierig sei. In der DTM übernimmt die SRO von GT-World-Challenge-Chef Stephane Ratel die Einstufung der unterschiedlichen Fahrzeugkonzepte. Und es vergeht kein Wochenende, an dem nicht mindestens ein Teamchef die BoP in der Öffentlichkeit kritisiert; mal mehr und mal weniger seriös vorgetragen...

"Das Problem ist, dass dieses BoP-Thema in der Öffentlichkeit sehr stark auf das Gewicht und vielleicht noch die Fahrzeughöhe oder so reduziert wird", sagte Voss und dürfte damit Recht haben. "Eine objektive Diskussion in der Öffentlichkeit darüber macht eigentlich gar keinen Sinn. Das muss auch mal in die Köpfe aller Schaffenden rein." BoP-Geplänkel sind auch bei den DTM-Verantwortlichen nicht allzu gerne gesehen, werden als Teil des Sports aber akzeptiert.

Voss auf Ecclestones Spuren: "Bad News are good News"

In der DTM hat die SRO unterschiedliche Möglichkeiten, die Performance der zum Teil stark unterschiedlichen GT3-Konzepte anzupassen, um im besten Fall eine Chancengleichheit herzustellen. Dabei handelt es sich um das Fahrzeuggewicht, die Größe des Restriktors bei Saugmotoren bzw. den Ladedruck bei Turbos, die Fahrzeughöhe mit unterschiedlichen Parametern (vorne, hinten, Schwerpunkt), den Winkel des Heckflügels und den Lambda-Wert.

Ebenso spielt die jeweilige Rennstrecke in die Berechnungen mit ein. Und auch das Verhältnis zwischen den Autos: Wenn bei einem Fahrzeug Änderungen vorgenommen werden, muss der restliche Wettbewerb angeglichen werden. Kein Szenekenner würde bezweifeln, dass diese Einstufungen mit derart vielen Variablen hochkomplex sind und reichlich Raum für Fehler bieten. Dass die meisten Hersteller gerne mal mit ihren Daten geizen, vereinfacht die Aufgabe nicht.

ADAC-Motorsportchef Voss hat sich dennoch mit den BoP-Debatten der Teamchefs, Hersteller und Fahrer abgefunden: "Diskussionen in der Öffentlichkeit helfen einer Rennserie, auch, wenn sie mal negativ sind. Getreu dem Motto von Bernie Ecclestone: Bad News are good News."

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