Der Automobilklub und DTM-Promoter ADAC hat am Rande des Saisonfinals in Hockenheim das Konzept für ein Motorsport-Reglement der Zukunft enthüllt. Ziel ist es dabei, unterschiedliche Antriebstechnologien auf ein vergleichbares Niveau in den Wettbewerb zu bringen. Konkret geht es um Rennen mit Autos, die Verbrenner-Motoren mit E-Fuels oder Wasserstoff, Batterie oder Brennstoffzelle nutzen.

Das zukunftsorientierte Konzept hört auf den Namen 'XT1'. Herzstück dieser Idee ist ein herstellerspezifisches Multi-Purpose-Chassis mit vier Elektromotoren und einer Gesamtleistung von mehr als 1.000 PS. Bei einem angestrebten Gewicht von 1.600 Kilogramm erwartet der ADAC Rundenzeiten auf dem Niveau der aktuellen GT3-Generation.

XT1 Reglement-Konzept des ADAC für den Motorsport
Foto: DTM

ADAC: "Konzept ersetzt keine bestehende Fahrzeugklasse"

Die Energiequelle für die Elektromotoren soll frei wählbar sein. Rennen unter diesem weltweit nutzbaren Reglement könnten mit dem Beginn der neuen Dekade möglich sein. Eine technische Arbeitsgruppe mit Vertretern des ADAC und interessierten Herstellern soll bis zum Jahresende 2026 auf Basis des Konzepts ein Reglement entwickeln.

"Bei der Konzeption von XT1 haben wir sowohl die Anforderungen des Werksports als auch von Privatteams berücksichtigt", sagt ADAC-Motorsportchef Thomas Voss. "XT1 ist keine Rennserie, sondern ein weltweit einsetzbares und vielfältig adaptierbares Konzept. Es eignet sich sowohl für packende Sprintrennen als auch - erstmals - für 24-Stunden-Rennen mit einem elektrifizierten Antriebsstrang. Das Konzept ersetzt keine bestehende Fahrzeugklasse, sondern versteht sich als Ergänzung zu den aktuellen Klassen, die künftig gemeinsame Wettbewerbe auf einer Plattform austragen können."

Die Entwicklungs- und Laufkosten sollen auf dem aktuellen GT3-Niveau liegen. Die Autos sollen über geringe Downforce verfügen, um Rad-an-Rad-Kämpfe zu ermöglichen. Fahrhilfen wie ABS oder ESP sind nicht vorgesehen. "Wir wollen keine Autos, die wie auf Schienen fahren. Und der Fahrer muss das Auto beherrschen - nicht andersherum", so Voss. "Wir wollen auch kein Energie-Management, sondern Vollgas-Rennen."

Geplant seien Rennen mit einem stehenden Start - anders als in der aktuellen GT3-DTM, in der die Rennen rollend aufgenommen werden. Technische Features wie Push-to-Pass oder das aus der Serie bekannte 'Air-Brake' seien denkbar.

XT1 Reglement-Konzept des ADAC für den Motorsport
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Hersteller zuletzt zurückhaltend bei neuen Motorsport-Konzepten

Mehrfach hatte der ADAC in der Vergangenheit betont, selbst keine Rennwagen bauen zu können. Für dieses XT1-Konzept ist die Mitarbeit von Autobauern also zwingend erforderlich. Die hatten sich zuletzt bei neuen Reglements eher vorsichtig gegeben. Um ein einst von der FIA ausgearbeitetes Konzept für elektrische Tourenwagen ist es inzwischen ruhig geworden. Ebenso fand der frühere DTM-Chef Gerhard Berger mit seiner ITR keine Hersteller für ein vollelektrisches DTM-Konzept. "Bei der heutigen Vorstellung hat kein Hersteller den Raum vorzeitig verlassen", witzelte Voss.

Die Vorstellung eines Reglement-Konzepts bildet allerdings den ersten Schritt, um die Hersteller überhaupt an einen Tisch zu bekommen und eine Basis herzustellen. Motorsport-Fans müssen sich keine Sorgen machen: Die aktuelle DTM mit verbrennungsmotorischen GT3-Rennwagen wird es auch in den kommenden Jahren geben. Das hatte ADAC-Motorsportchef Voss in der Vergangenheit betont, sich dabei aber offen für zukünftige Konzepte gezeigt.

XT1 Reglement-Konzept des ADAC für den Motorsport
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BoP soll dank neuem Reglement-Konzept entfallen

"Wir übernehmen mit dem wegweisenden Konzept XT1 die Vorreiterrolle, ein nachhaltiges und international einsetzbares technisches Reglement zu entwickeln, das konsequent serienrelevante Technologien berücksichtigt", sagt ADAC-Sportpräsident Dr. Gerd Ennser. "Alle Automobilhersteller sind eingeladen sich zu beteiligen und gemeinsam mit dem ADAC aus diesem Konzept ein Reglement zu entwickeln."

Die Elektromotoren, Inverter, Kraftübertragung sowie das zentrale Steuergerät stellt sich der ADAC als standardisierte Komponenten vor. XT1 setzt auf ein "Balance of Technology"-System, das Chancengleichheit zwischen den verschiedenen Energiequellen schaffen soll. Dieses berücksichtigt Unterschiede in Gewicht, Aerodynamik, Energieverbrauch und Kühlbedarf.

XT1 Reglement-Konzept des ADAC für den Motorsport
Foto: DTM

Zusätzlich sollen aerodynamische Fenster, Gewichtskompensationen und gemeinsame Windkanaltests eingesetzt werden, um ein faires Wettbewerbsumfeld zu schaffen. Die oftmals gescholtene Balance of Performance im GT-Motorsport soll mit diesem Konzept entfallen.