Generalprobe vor dem Saisonauftakt: Die DTM hat am Dienstag ihren offiziellen Test-Tag am Red Bull Ring veranstaltet. Auf dem österreichischen Kurs, wo Ende April (24.-26.04.) das erste von acht Rennwochenenden steigt, trafen alle 21 GT3-Autos erstmals aufeinander. Ben Dörr (Dörr-McLaren) sicherte sich die Bestzeit nach gut sieben Stunden Fahrzeit bei wechselhaften Bedingungen.

Der junge McLaren-Pilot benötigte nachmittags 1:28.199 Minuten für die Bestzeit des Tages, der in zwei Einzel-Sessions sowie eine Rennstart-Simulation unterteilt war. Am späten Nachmittag setzte Regen ein. Auf Platz zwei im Gesamtklassement folgte Jules Gounon (Winward-Mercedes) mit 0,018 Sekunden Rückstand. Der Franzose erzielte seine persönliche Bestzeit am komplett trockenen Vormittag, bevor er sich in der Mittagspause vorzeitig verabschiedete - dazu später mehr.

Neues Auto, neue Fahrer: ABT stellt alles auf den Kopf (14:35 Min.)

Mercedes, McLaren und Porsche mischen vorne mit

Die Österreicher Thomas Preining (Manthey-Porsche) und Lucas Auer (Landgraf-Mercedes) sortierten sich bei ihrem Heimspiel auf den Positionen drei und vier ein. Mit Auers Teamkollege Tom Kalender direkt dahinter landeten drei Mercedes-AMG GT3 in den Top-5. Spitzenreiter Dörr und AMG-Youngster Kalender trennten 0,282 Sekunden.

Die Dörr-Motorsport-Mannschaft durfte sich ebenfalls über ein gutes Teamergebnis freuen, wenngleich Rundenzeiten bei Testfahrten stets mit Vorsicht zu genießen sind: Timo Glock führte seinen schwarzen McLaren 720 S GT3 zum sechsten Gesamtplatz. Manthey-Neuzugang Ricardo Feller und DTM-Rookie Finn Wiebelhaus (HRT-Ford) komplettierten die Top-8. Damit landeten drei Mercedes-AMG, je zwei Porsche und McLaren sowie ein Ford Mustang auf den vorderen Plätzen.

Neue DTM-Reifen von Pirelli im Fokus

Im Fokus standen die neuen Slickreifen von Pirelli, die dieses Jahr exklusiv in der DTM zum Einsatz kommen werden. Die speziell entwickelten Mischungen sollen einen schnelleren Aufwärmprozess ermöglichen und gleichzeitig einen etwas stärkeren Verschleiß haben, um die Spannung zu erhöhen. "Mit den neuen Reifen wird die größte Challenge, sie so schnell wie möglich zu verstehen", meinte der amtierende DTM-Vizemeister Auer.

Mit Ausnahme einiger Rot-Phasen, unter anderem ausgelöst von Tom Kalender wegen eines mechanischen Problems an der Radaufhängung, gab es keine größeren Dramen zu vermelden. Etwas ärgerlich: Das Live-Timing auf der DTM-Webseite streikte am Nachmittag für knapp zwei Stunden und zeigte rote Flaggen an, obwohl die Autos in Wahrheit fuhren.

Einzig DTM-Rückkehrer Kelvin van der Linde (Gesamtplatz 20) erwischte einen mäßigen Start in den Tag und musste den kompletten Vormittag in der Schubert-BMW-Garage verbringen. "Das Auto stand lange in der Box. Deshalb war viel Kaffee trinken angesagt", sagte der Deutsch-Südafrikaner, der am Nachmittag hellwach ins Geschehen eingreifen konnte.

Die 22 DTM-Autos 2026
Das DTM-Starterfeld zur Saison 2026, Foto: ADAC Motorsport

Mavin Dienst übernimmt Jules Gounons Mercedes

Kurios: Am Nachmittag saß Marvin Dienst in der gelben Mercedes-Mamba von Winward Racing, obwohl der Renn-Profi dieses Jahr gar nicht um Starterfeld zählt. Dienst hatte den Mercedes-AMG GT3 nach Informationen von Motorsport-Magazin.com von Stammfahrer Jules Gounon übernommen, der während der Mittagspause per Privatflieger nach Imola reiste. Auf dem italienischen Kurs steigt am Wochenende der Auftakt in die neue WEC-Saison, die Gounon für das Alpine-Werksteam bestreitet. Die Langstrecken-WM testete ebenfalls an diesem Dienstag.

Der französische AMG-Werksfahrer hinterließ vor dem Abflug noch seine Spuren und erzielte die Bestzeit am Vormittag in 1:28.217 Minuten. Dabei war eine Weile unklar gewesen, ob Gounon überhaupt am Test würde teilnehmen können: Der 31-Jährige hatte sich am vergangenen Wochenende bei der GT World Challenge in Paul Ricard eine Lebensmittelvergiftung zugezogen und mehr schlecht als recht durchs Rennen gekämpft.

Kelvin van der Linde bei den DTM-Testfahrten auf dem Red Bull Ring
Kelvin van der Linde ist zurück in der DTM, Foto: DTM/Gruppe C Photography

Bortolotti: "Glaube nicht, dass wir vorne mitmischen werden"

Der Test-Tag in Spielberg diente den Teams zur Vorbereitung auf die Saison und gleichzeitig dem Dienstleister SRO zum Sammeln von Daten für die Balance of Performance. Wir lehnen uns nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn wir behaupten, dass die Teams und Fahrer noch nicht alle Karten auf den Tisch gelegt haben... Interessant: Die Mercedes-AMG GT3 erhielten kurz vor dem Test einen größeren Restriktor mit 2x36 statt 2x35 Millimetern.

Auf die BoP-Macher wartet ohnehin ein schwieriger Job: Nicht nur sorgen die Pirelli-Slicks für eine Unbekannte, auch haben sich einige neue Autos bzw. Evo-Modelle ins Starterfeld gesellt. Die Lamborghini-Teams Abt Sportsline und GRT rücken mit dem brandneuen Temerario GT3 an, während der Porsche 911, der Ferrari 296 und der Ford Mustang ein Evo-Update erhalten haben. Die vier Lambo-Vertreter (Bortolotti P14, Paul P19 bei GRT - Engstler P13, Mapelli P18 bei Abt) sortierten sich im hinteren Mittelfeld ein.

"Wenn ich mir die letzten Monate anschaue, glaube ich nicht, dass wir vorne mitmischen werden", meinte der frühere DTM-Champion Mirko Bortolotti, der im Winter von den Äbten zu GRT gewechselt ist. "Vor allem am Anfang der Saison wird es schwierig, glaube ich. Wir müssen so viel wie möglich lernen und das Auto so schnell wie möglich weiterentwickeln. Da liegt noch viel Arbeit vor uns."

Maximilian Paul im Lamborghini Temerario GT3
Der neue Lamborghini Temerario GT3, Foto: ADAC Motorsport

DTM-Chef: Abgang von Meister Güven schmerzt

ADAC-Motorsportchef Thomas Voss hofft auf eine ähnlich spannende Saison wie 2025, als Manthey-Fahrer Ayhancan Güven die Meisterschaft beim dramatischen Finale abräumte. Der türkische Porsche-Werksfahrer tritt bekanntermaßen aber nicht zur Titelverteidigung an. "Wir haben drei ehemalige Meister (Wittmann, Preining, Bortolotti; d. Red.) und ein spannendes Fahrerfeld", so Voss während einer Pressekonferenz am Mittag. "Ebenso gibt es einige Abgänge. Gerade der des Meisters tut ein bisschen weh."

Die vergangene Saison, so Voss, habe "Maßstäbe gesetzt, was den Sport angeht. Wir sind überzeugt, dass wir einen mindestens gleich guten Motorsport sehen können. Das Sportliche und Technische Reglement geben es her. Wir haben da wenig verändert. Beim Samstagsrennen gibt es weiterhin einen Boxenstopp, sonntags zwei. Alles ist angerichtet für eine tolle Saison!"

DTM-Test Red Bull Ring 2026: Kombiniertes Ergebnis

Pos.FahrerTeamRückstand
1Ben DörrDörr-McLaren1:28.199
2Jules GounonWinward-Mercedes+0.018
3Thomas PreiningManthey-Porsche+0.155
4Lucas Auer Landgraf-Mercedes+0.274
5Tom Kalender Landgraf-Mercedes+0.282
6Timo Glock Dörr-McLaren +0.320
7Ricardo Feller Manthey-Porsche +0.424
8Fabio WiebelhausHRT-Ford +0.468
9Maro EngelWinward-Mercedes+0.536
10Bastian BuusLand-Porsche+0.564
11Thierry VermeulenEmil-Frey-Ferrari+0.802
12Arjun MainiHRT-Ford +0.897
13Luca EngstlerAbt-Lamborghini+0.910
14Mirko BortolottiGRT-Lamborghini+1.057
15Matteo Cairoli Emil-Frey-Ferrari +1.115
16Marco WittmannSchubert-BMW+1.153
17Nicki ThiimComtoyou-Aston-Martin+1.162
18Marco Mapelli Abt-Lamborghini +1.265
19Maximilian Paul GRT-Lamborghini +1.332
20Kelvin van der LindeSchubert-BMW +1.620
21Nicolas Baert Comtoyou-Aston-Martin +1.976