Mit Abt Sportsline und GRT führen zwei Top-Teams den nagelneuen Lamborghini Temerario GT3 in der DTM 2026 an den Start - aber was ist mit dem Huracan-Nachfolger möglich? Experten erwarten, dass den Lambo-Kundenteams rund um den Globus eher ein Lernjahr bevorsteht, bevor der Bolide mit seinem V8-Biturbo wirklich konkurrenzfähig ist.

Diesen Eindruck bestätigte auch Lamborghini-Starfahrer Mirko Bortolotti nach den DTM-Testfahrten auf dem Red Bull Ring. Der Italiener hat die Äbte nach nur einem Jahr verlassen und ist zurückgekehrt zur GRT-Truppe um Teamchef Gottfried Grasser; mit dem Rennstall aus Österreich hatte Bortolotti 2022 sein DTM-Debüt gegeben und direkt um den Titel mitgemischt.

Neues Auto, neue Fahrer: ABT stellt alles auf den Kopf (14:35 Min.)

Bortolotti: "Glaube nicht, dass wir vorne mitmischen werden"

Ob der 36-Jährige dieses Jahr wieder vorne angreifen und seine zweite Meisterschaft nach 2024 mit SSR-Lamborghini anvisieren kann? Wie immer klare Ansage von Bortolotti: "Wenn ich die letzten Monate anschaue, glaube ich nicht, dass wir vorne mitmischen werden. Vor allem am Anfang der Saison wird es schwierig werden, glaube ich."

Die Ergebnisse des Testtages auf dem Red Bull Ring sind zwar mit Vorsicht zu genießen, geben aber zumindest einen ersten Hinweis: Im kombinierten Ergebnis landete der bestplatzierte Lambo-Fahrer, Abt-Neuzugang Luca Engstler, auf dem 13. Platz. Sein Rückstand auf Spitzenreiter Ben Dörr (Dörr-McLaren) betrug neun Zehntelsekunden.

GRT-Pilot Bortolotti reihte sich auf P14 ein, noch dahinter folgten DTM-Rookie Marco Mapelli im zweiten Abt-Temerario und GRT-Neuzugang Maximilian Paul auf den Positionen 18 sowie 19. Langsamer waren nur DTM-Rückkehrer Kelvin van der Linde, dessen Schubert-BMW ein technisches Problem plagte, und Aston-Martin-Fahrer Nicolas Baert.

Lambo-Star Bortolotti: "In der DTM geht's nur um Performance"

"Das Auto ist ganz neu und fühlt sich komplett anders an", sagte Bortolotti. "Es gibt absolut gar nichts, was mich an den Huracan erinnert. Für das Team und uns Fahrer bedeutet das eine große Umstellung." Der markanteste Unterschied zwischen den beiden Fahrzeuggenerationen dürfte der Wechsel des Antriebskonzeptes sein: vom 5,2-Liter-V10-Sauger im Huracan hin zu einem 4-Liter-V8-Biturbo im Temerario.

Nach den wenigen bisherigen Renneinsätzen des Temerario bei der IMSA und in der GT World Challenge sei die Zuverlässigkeit laut Bortolotti zwar gegeben, "aber in der DTM geht's nur um Performance. Wenn du die nicht hast, kannst du keinen Erfolg haben. Ich bin froh, diese Challenge anzugehen. So, wie es vor zwölf Jahren beim Huracan der Fall war. Ich hoffe, dass wir so schnell wie möglich auf Pace kommen."

Mirko Bortolotti beim DTM-Test auf dem Red Bull Ring mit GRT-Lamborghini
Mirko Bortolotti in seinem GRT-Lamborghini Temerario GT3, Foto: Lucas Pripfl / Red Bull Ring

Luca Engstler: "Noch ein Haufen Arbeit vor uns mit neuem Auto"

Dabei spielt das stark eingeschränkte Testfahrten-Kontingent der DTM weder der GRT-Mannschaft noch Abt Sportsline in die Karten. Das Grasser-Team kann immerhin aus den Erkenntnissen in der GT World Challenge schöpfen, wenngleich in der SRO-Serie andere Pirelli-Reifenspezifikationen zum Einsatz kommen. Die neuen, exklusiven DTM-Reifen machen das Verständnis fürs Auto und die Setup-Einstellungen ebenfalls nicht unbedingt einfacher.

"Die DTM ist sehr limitiert, was Testmöglichkeiten betrifft", bestätigte Bortolotti. "Wir müssen jede Runde nutzen und schauen, dass wir so viel wie möglich lernen, um das Auto so schnell wie möglich weiterzuentwickeln. Das ist noch viel Arbeit vor uns."

Ähnlich klang das im Lager der Äbte, die nach einem schwierigen ersten DTM-Jahr mit Lamborghini eigentlich zurückschlagen wollen. "Wir kämpfen noch nicht um Sieg, aber wir arbeiten darauf hin und nehmen alles mit, was möglich ist", sagte Abt-Neuzugang Mapelli, der ähnlich intensiv in die Entwicklung des Temerario eingebunden war wie Werksfahrer-Kollege Bortolotti.

Und der Allgäuer Engstler sagte: "Natürlich haben wir noch einen Haufen Arbeit vor uns mit dem neuen Auto. Wir haben vor einem halben Jahr angefangen, die Kiste zu entwickeln und noch große Schritte vor uns. Aber ich freue mich auf die Reise mit allen Beteiligten und glaube, wir müssen dem Ganzen ein bisschen Zeit geben. Dann kommt es definitiv. Ein Schritt nach dem anderen."

In limitierter Stückzahl verfügbar: Lamborghini Temerario GT3

Der Temerario GT3 ist das erste Rennauto, das Lamborghinis Motorsportabteilung komplett in Eigenleistung entwickelt hat. Auch um die Entwicklungsfahrten kümmerte sich die rund 35 Mann starke Squadra Corse komplett selbst statt auf die Unterstützung eines externen Einsatzteams zu setzen. Interessenten für diesen Job hätte es ausreichend gegeben.

Eine Folge: Die in der Stückzahl noch arg begrenzten Temerario GT3 wurden erst spät an die Top-Kundenteams ausgeliefert. In der DTM wurden GRT und Abt Sportsline je zwei Fahrzeuge zugeteilt, in der GT World Challenge außerdem dem neuen Kundenteam Rutronik Racing sowie in der IMSA dem kanadischen Rennstall Pfaff. Andere Teams fahren dieses Jahr noch mit dem Huracan, der 2024 den DTM-Titel holte und 2025 seinen ersten Sieg bei den 24h Spa durch GRT feierte.

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